Der  nahe  Orient  Agypten.  —  Der  ferne  Orient;  Japan  107

verkehr  wieder  lebendiger  in  den  Vordergrund  gerückt.  China  und
Japan  stehen  dabei  voran.  England,  Frankreich  und  Rußland  haben
zuerst  dort  zugegriffen.  Mit  der  Pachtung  von  Kiantschou  hat  auch
Deutschland  sich  einen  bedeutsamen  Anteil  gesichert.  Die  Entwickelung
Japans,  die  innere  Umwälzung  in  China,  die  Expansionspolitik  der
Vereinigten  Staaten  haben  neuerdings  den  Wettkampf  im  fernen  Osten
gewaltig  gesteigert.  Das  moderne  Japan  dankt  seine  aufsteigende  Entwickelung,
  neben  der  eingeborenen  Tüchtigkeit,  der  Aufnahme  europäischer
  Kultur.  Es  hat  seine  Bedenken,  die  Mitwirkung  der  verschiedenen
Nationen  dabei  abzuwägen.  Unzweifelhaft  aber  hat  Japan  von  angelsächsischer
  und  deutscher  Seite  die  wirksamste  Unterstützung  erfahren,
und  erst  mit  starkem  Abstand  folgen  die  Franzosen.  Einen  annähernden
Gradmesser  bietet  die  Zahl  der  an  höheren  Lehranstalten  unterrichtenden
Ausländer.  Nach  einer  Aufstellung  vom  Jahre  1909  waren  in  Japan
86  fremde  Gelehrtetätig,  darunter  31  Deutsche,  19  Engländer,  16  Amerikaner,
  6  Franzosen  und  2  Schweizer.  Engländer  und  Amerikaner  also
stellten  zusammen  35.  Auch  wenn  man  die  Schweizer  nicht  den  Deutschen
  zuzuzählen  hat,  wird  das  geringe  angelsächsische  Ubergewicht,
das  im  wissenschaftlichen  Betrieb  sich  herausstellt,  nicht  nur  ausgeglichen,
sondern  erheblich  überholt  durch  die  deutsche  Beeinflussung  des  japanischen
  Heeres.  Deutsche  Offiziere  haben  die  japanische  Armee  geschult.
General  Meckel,  dem  im  Juli  1912  in  Tokio  ein  Denkmal  errichtet
worden  ist,  ist  der  Schöpfer  des  japanischen  Generalstabes.  Die  Japaner
  selbst  schreiben  dem  Wirken  dieses  preußischen  Offiziers  einen
entscheidenden  Anteil  an  ihren  Wasffenerfolgen  zu.  Die  Flotte  ist  durch
englische  Instruktenre  ausgebildet.  Aber  das  Offizierkorps  des  Landheeres
  ist  sehr  viel  zahlreicher  als  das  Seeoffizierkorps.  In  der  japanischen
  Wissenschaft  hat  namentlich  auf  medizinischem  Gebiete  Deutschland
  die  unbestrittene  Führung.  Heute  sind  nahezu  alle  hervorragenden
japanischen  Mediziner  auf  deutschen  Hochschulen  ausgebildet.  Dasselbe
gilt  für  einen  starken  Bruchteil  der  japanischen  Hochschullehrer  in  allen
anderen  Fächern.  Die  gesamte  wissenschaftliche  Welt  Japans  spricht
Deutsch  und  Englisch.  In  zahlreichen  höheren  Schulen  Japans  ist  die
deutsche  Sprache  obligatorisch.  So  in  der  Adelsschule,  in  den  Kadettenschulen,
  in  der  Offiziersschule,  in  der  Artillerie-Pionier-Schule,  in  der
Kriegsakademie  und  selbst  in  der  Reitschule.  Auf  dem  Seminar  für
fremde  Sprachen  und  an  der  Universität  steht  das  Deutsche  neben