Der  ferne  Orient;  Japan.  China  109

auf  etwa  3000  Mann  bezisfern,  wurden  in  China  1910  240  deutsche
Firmen  mit  4  100  reichsdeutschen  Angestellten  gezählt.  Sie  haben  ihren
Sitz  in  Hankau,  Shanghai,  Tientsin,  Peking,  Canton  und  Hongkong.

China  mit  seinen  unendlich  weiten,  fruchtbaren  Gebieten,  mit  seinen
unermeßlichen  Schätzen  an  Kohle,  Erzen  und  edlen  Metallen  und  mit
seiner  gewaltigen  Bevölkerung  ist  ein  aussichtsreiches  Zukunftsgebiet.
Erst  allmählich  erschließt  sich  das  Land  dem  auswärtigen  Handel.  Das
Deutsche  Reich  tritt  auch  hier  für  den  Grundsatz  der  „offenen  Tür“
ein.  Der  deutsche  Anteil  am  Verkehr  ist  im  Steigen  1901  wies  der  direkte
deutsch-chinesische  Güteraustausch  den  Wert  von  60,5  Millionen  Mark
auf,  1911  war  der  Wert  auf  175.1  Millionen  angewachsen.  Aber  diese
Ziffern  geben  kein  vollständiges  Bild,  da  die  deutschen  Firmen  in  China
in  starkem  Umfang  die  Warenvermittelung  fremder  Länder  mit  China
besorgen.  In  Hongkong  gehen  3/8  des  Ein=  und  Ausfuhrhandels  durch
die  Hände  deutscher  Kaufleute,  in  Shanghai  3/5.  Eine  wichtige  Stütze
für  die  Stellung  des  deutschen  Handels  ist  Kiautschou  geworden.  Die
Ein=  und  Ausfuhr  Tsingtaus  ist  von  3  Millionen  Mark  im  Jahre  1900
auf  120  Millionen  im  Jahre  1910  gestiegen.  Alle  anderen  chinesischen
Seehäfen  haben  in  den  verflossenen  Krisenjahren  schwere  Rückschläge
erlebt,  die  noch  nicht  ausgeglichen  sind.  In  Tsingtau  hat  der  wesentlich
  geringere  Rückgang  den  Aufschwung  nicht  gehemmt.  Das  vorher
günstigste  Jahr  1906/07  ist  1910  um  etwa  25  v.  H  überholt  gewesen.

Vonrecht  erheblicher  Bedeutung  ist  die  deutsche  Schiffahrt  nach  China,
die  an  Schiffszahl  und  Tonnengehalt  der  englischen  gleichkommt.  Die
Hamburg-Amerika-Linic  und  der  Norddeutsche  Lloyd  vermitteln  nicht
nur  die  Verbindung  zwischen  Europa  und  China,  sondern  auch  zwischen
China  und  Japan  und  zwischen  China  und  Australien.  Eine  stattliche
Flotte  kleiner  deutscher  Dampfer  dient  dem  Verkehr  an  der  chinesischen
Küste  und  auf  dem  Jangtsestrom.  Das  alles  ist  erreicht  worden,  obgleich
  die  deutsche  Regierung  mit  ihren  Subventionen  sehr  viel  zurückhaltender
  ist  als  die  anderen  Seemächte.  Die  deutschen  Linien  haben
sich  durch  eigene  Kraft,  durch  Pünktlichkeit  und  Schnelligkeit,  durch
Sauberkeit  und  Zuverlässigkeit  an  die  erste  Stelle  gebracht.

Über  die  kommende  Gestaltung  der  inneren  Verhältnisse  Chinas
herrscht  heute  noch  volle  Ungewißheit.  Aber  ganz  gleich,  was  dort  aus
den  inneren  Wirren  ersteht,  es  bleibt  das  Volk  von  400  Millionen
Köpfen.  Und  die  Erschließung  des  Landes  und  seine  zunehmende  Beeinflussung
  durch  die  europäische  Zivilisation  läßt  sich  nicht  mehr  zurück-