110  Das  Deutschtum  in  Übersee

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schrauben.  So  erwächst  hier  der  weißen  Rasse  eine  gewaltige  Aufgabe.
Engländer,  Amerikaner,  Franzosen  sind  längst  bemüht,  durch  Begründung
  von  Schulen  und  Wohlfahrtsanstalten  in  China  sich  einen  zuverlässigen
  Rückhalt  im  Lande  zu  versichern.  Die  Vereinigten  Staaten
haben  auf  die  chinesische  Entschädigung  für  das  beim  Boxeraufstand
zerstörte  amerikanische  Eigentum  verzichtet  und  sich  dafür  ausbedungen,
daß  China  10  Jahre  lang  80  junge  Chinesen  auf  amerikanische  Schulen
schicke  und  eine  Anzahl  von  Lehrerstellen  an  chinesischen  Schulen  mit
amerikanischen  Lehrern  besetze.  Der  republikanische  Sturm  in  China
ist  sehr  wesentlich  eine  Wirkung  dieser  Erziehung.  Auch  die  englische
und  amerikanische  Mission  bemüht  sich  eifrig  um  das  Schulwesen  in
China.  Und  alle  diese  Bestrebungen  erfahren  die  lebhafteste  Förderung
von  seiten  der  heimischen  Kapitalisten.  Der  Amerikaner  legt  dabei  am
wenigsten  auf  die  Christianisierung  der  Chinesen  Gewicht.  Er  will  den
allgemeinen  Einfluß  der  Union  mit  allen  Mitteln  gesteigert  sehen.
Paul  Rohrbach  teilt  den  Ausspruch  eines  amerikanischen  Geschäftsmannes
mit:  „Jeder  amerikanische  Missionar  ist  mir  1000  Dollar  wert.  Ich
sehe  nicht  ein,  warum  ich  ihm  nicht  1  v.  H.  Provision  zahlen  soll.“
Neuerdiugs  lenkt  auch  das  Deutsche  Reich  in  die  gleichen  Bahnen  ein.
Aufblühende  deutsche  Bildungsanstalten  sind  in  verheißungsvoller  Entwickelung
  begriffen;  an  erster  Stelle  die  deutsche  Hochschule  in  Tsingtau.
Kundige  fordern,  daß  in  dieser  Richtung  noch  sehr  viel  mehr  geschehen
möge.  Ein  Mitglied  der  Berliner  Handelskammer  sprach  kürzlich  über
„die  Vorbereitung  des  ostasiatischen  Marktes  für  die  Ausdehnung  unseres
Exportes  dorthin“.  Er  empfahl  eindringlich  den  Weg  moralischer  Eroberungen
  durch  Errichtung  möglichst  vieler  Schulen  mit  Angliederung
technischer  Kurse  an  allen  volkreichen  Plätzen  Chinas.  Unserer  Industrie
  und  unserem  Handel,  die  an  dem  in  so  riesenhaftem  Umfange  in
China  uneu  entstehenden  Bedarf  interessiert  sind,  gab  er  den  Rat,  größere
Summen  dafür  aufzubringen:

„Die  aufgewendeten  Gelder  sind  als  nichts  anderes  denn  als  Handlungskosten
  für  Propaganda  anzusehen,  die  in  der  Zukunft  sich  ebensognt  rentieren
können,  sa  vielleicht  in  höherem  Maße  Erfolge  versprechen  als  z.  B.  manches
hochbezahlte  Inserat.“

Die  übrige  Welt.  Im  vorstehenden  sind  die  Uberseegebiete,  die  für
das  Deutsche  Reich  von  größerem  Belang  sind,  berührt.  Es  könnte  noch
Niederländisch-Indien  erwähnt  werden,  wo  namhafte  deutsche  Handelsinteressen
  und  wichtige  Schiffahrtsverbindungen  vorliegen  (Gesamt-