Unbeliebtheit  der  Deutschen  im  Ausland  115

leute  brauchten  wir  täglich  nur  einige  Stunden  zu  arbeiten,  den  weitaus
  größten  Teil  des  Tages  konnten  wir  der  Erholung  und  Zerstreuung
widmen.  Das  ist  durch  die  Deutschen  anders  geworden,  die  den  ganzen
Tag,  oft  sogar  noch  bei  Lampenlicht  arbeiten.“  Das  sind  Vorwürfe,
deren  sich  niemand  zu  schämen  braucht.  Unsere  Konkurrenten  freilich
glauben,  gegen  so  bedenkliche  Mittel  unlauteren  Wettbewerbs  nicht  scharf
genug  vorgehen  zu  können.  Mit  sehr  merkwürdigen  Waffen  suchen  sie
die  Deutschen  in  Nachteil  zu  setzen.  In  China  ist  vor  kurzem  von  einer
englischen  Missionsdruckerei  ein  Büchlein  für  den  geographischen  Unterricht
  in  chinesischen  Schulen  hergestellt  worden,  in  chinesischer  Sprache
und  in  der  in  China  üblichen  Frage=  und  Antwortform.  England  ist
selbstverständlich  am  ausführlichsten  behandelt.  Frankreich,  Italien,
Rußland,  selbst  Bulgarien  sind  ergiebig  berücksichtigt  Uber  das  Deutsche
Reich  sindet  sich  nur  ein  Satz:  „Deutschland  ist  diejenige  Nation,  die
unter  der  Regierung  des  Kaisers  Kuang  Hsü  durch  den  hinterlistigen
und  gewaltsamen  Raub  von  Kiautschon  einige  andere  europäische  Völker
dazu  gezwungen  hat,  gleichfalls  Niederlassungen  in  China  zu  erwerben.“
In  Wahrheit  haben  Engländer  und  Franzosen  lange  vor  den  Deutschen
  in  China  sich  festgesetzt.  Auch  die  Portugiesen  haben  dort  von
alter  Zeit  her  noch  einen  wertvollen  Stützpunkt.  Über  das  Deutsche
Reich,  seine  Lage,  seine  Bedeutung,  seine  Volkszahl,  seine  Verfassung,
seinen  Handel  und  seine  Kultur  enthält  das  Lehrbuch  nichts!  Da  haben
wir  ein  eindrucksvolles  Beispiel  dafür,  in  welcher  Weise  gegen  den
deutschen  Einfluß  Stimmung  gemacht  wird.

Über  die  Gründe  dieses  skrupellosen  Verhaltens  ist  ein  Zweifel  ausgeschlossen.
  Wir  waren  der  herablassenden  Anerkennung  der  anderen
für  den  deutschen  Idealismus  sicher,  solange  wir  selbst  auf  Macht  und
Geltung  und  klingenden  Vorteil  verzichteten,  solange  wir  bei  der  Verteilung
  der  Welt  lediglich  mit  dem  Gafferblick  in  den  olympischen  Himmel
uns  begnügten,  und  nur  über  Gedanken,  die  draußen  in  der  Welt
umliefen,  das  „Made  in  Germany“  leuchtete.  Seit  unter  dieser  Marke
auch  deutsche  Industrieerzeugnisse  in  alle  Welt  hinausgehen,  seit  auf
allen  Meeren  unsere  Flagge  weht,  haben  wir  es  mit  allen  denen  gründlich
  verdorben,  die  vordem  den  Welthandel  als  ihr  Monopol  anzusehen
gewohnt  waren.

Die  ersten,  die  den  Wandel  unangenehm  verspürten,  waren  die  Briten
Sie  suchten  vor  Jahren  den  Siegeszug  der  deutschen  Ausfuhr  zu  hemmen,
  indem  sie  im  Verkehr  mit  England  und  den  englischen  Kolonien

8*