116  Weltstllg.  d.  n.  Deutsch.  Reiches.  —  Reichsd.  u.  Auslanddeutsche

—  —  ——

die  Kennzeichnung  deutscher  Waren  als  solcher  forderten.  Aber  die  Marke
hat  sich  zu  Ehren  gebracht.  Sie  ist  zu  einer  Anpreisung  für  deutsche
Leistungsfähigkeit  geworden.  Nun  ist  Anfang  1912  im  englischen  Unterhause
  ein  Gesetz  eingebracht  worden,  das  dem  „Made  im  Germany“
den  Garaus  bereiten  will.  Nach  dem  neuen  Gesetzentwurf  sollen  alle
in  England  hergestellten  Erzeugnisse  als  britische  Waren  bezeichnet
werden,  die  Produkte  des  Auslandes  aber  unter  Fortfall  der  Kennzeichnung
  des  Ursprungslandes  nur  noch  die  Aufschrift  „not  british“
tragen  dürsen  Damit  verschwände  die  werbende  Wirkung  des  als  Warnung
  gedachten  „Made  in  Germany“,  mit  dem  man  so  wenig  erbauliche
Erfahrungen  gemacht  hat.  Der  Vorschlag  hat  die  Zustimmung  einer
ganzen  Reihe  englischer  Handelskammern  gefunden.  Aber  ob  seine  Annahme
  den  gewünschten  Erfolg  haben  dürfte,  bleibt  doch  fraglich.  Kein
Zweisel,  daß  der  Wettbewerb  von  deutscher  Seite  mit  äußerster  Kräfteanspannung
  geführt  werden  muß.  Aber  wir  haben  an  der  Tatkraft
und  dem  Unternehmermut  der  Leiter  unseres  Handels,  unserer  Industrie,
unserer  Schiffahrt,  an  der  gewissenhaften  Sorgfalt  unserer  Arbeiterschaft,
an  unserer  fortschreitenden  Wissenschaft,  die  mit  der  Technik  in  engster
Fühlung  steht,  nicht  zuletzt  an  unserem  Auslanddeutschtum  einen  zuverlässigen
  Rückhalt.  Wir  vertrauen,  daß  alle  diese  günstigen  Umstände
in  verstärktem  Maße  fortwirken  werden.  Und  noch  ein  anderer  Umstand
  verdient  in  diesem  Zusammenhang  Erwähnung.  Das  Deutsche
Reich  ist  vorangeschritten  mit  dem  Ausbau  seiner  sozialen  Gesetzgebung.
Der  weitgehende  Arbeiterschutz,  den  wir  mit  Kranken-,  Unfall-und  Altersversicherung
  durchgeführt  haben,  hat  unserer  Industrie  die  schwersten
Lasten  zugewälzt.  Unsere  Unternehmer  haben  nicht  ohne  Grund  durch
die  daraus  sich  ergebende  Produktionsverteuerung  sich  beschwert  gefühlt.
In  unseren  Handel  kreisen  ist  in  letzter  Zcit  gelegentlich  die  Klage  laut
geworden,  daß  dem  steigenden  Warenumsatz  keine  steigende  Gewinnquote
  entspricht.  Jetzt,  wo  die  anderen  Staaten  sich  genötigt  sehen,  uns
in  der  Arbeiterschutzgesetzgebung  nachzufolgen,  soll  die  Zeit  der  Ernte
für  uns  reifen.  Die  Lasten,  die  wir  längst  in  Rechnung  zu  stellen  gewohnt
  sind,  erwachsen  nunmehr  auch  den  anderen.  Das  muß  die  Stellung
  der  deutschen  Industrie  und  damit  des  deutschen  Handels  auf  dem
Weltmarkt  in  Zukunft  günstiger  gestalten.