118  Reichsdeutsche  und  Auslauddeutsche

Welt  deutsche  Abkömmlinge  sich  der  inneren  Gemeinschaft  mit  dem  großen
deutschen  Gesamtvolk  bewußt  sind  und  dies  durch  Festhalten  ihrer  deutschen
  Muttersprache  bekunden,  Deutsche  so  gut  wie  wir.  Deutsch  ist.
ohne  Unterschied  der  Staatsangehörigkeit,  wer  Deutsch  spricht  und  Deutsch
fühlt.  Es  gibt  ein  „Größeres  Deutschland“.  hinausragend  über  das
Reichsgebiet  wie  über  den  geschlossenen  deutschen  Wohnraum  Mitteleuropas.
  Es  reicht  in  alle  Weiten,  über  alle  Meere  —  soweit  die  deutsche
Zunge  klingt!  Eine  zeilgemäße  Ergänzung  von  Ernst  Moritz  Arndts
deutschem  Fragelied  mit  seinen  schon  reichlich  vielen  Strophen  müßte
heute  weitere  Umschau  halten.  Exotische  Bilder  in  Freiligrathschem  Stil
würden  da  vor  uns  auftauchen,  von  der  Wolgasteppe,  vom  brasilianischen
Urwald,  von  den  Pampas  Argentiniens,  vom  australischen  Busch,  von
unseren  Farmen  und  Plantagen  in  Afrika  und  unserem  Hafen  im  entzopften
  China.  Wie  dieses  „Größere  Deutschland“  räumlich  ohne  Zusammenhang
  und  ohne  feste  Grenzen  ist,  so  fließen  die  Millionen  Auslanddeutscher
  politisch  auseinander.  Aber  letzten  Endes  sind  alle  Deutschen
  in  der  Welt  unsichtbar  zusammengehalten  durch  das  Band  der
Volksgemeinschaft  Schon  darin  liegt  eine  innerliche  Beziehung  zwischen
uns  und  dem  Auslanddeutschtum  beschlossen.  Diese  allgemeinste  Verknüpfung
  wird  für  einzelne  Gruppen  des  Auslanddeutschtums  durch
die  besonderen  geographischen  und  historischen  Umstände  wesentlich  verstärkt.
  Niemand  kann  zweifeln,  daß  das  Auslanddeutschtum  an  den
Grenzen  des  Reichs  für  unser  nationales  Dasein  eine  gesteigerte  Bedeutung
  hat,  in  vorderster  Reihe  das  Deutschtum  der  habsburgischen
Monarchie.  Wir  müssen  uns  immer  wieder  vor  Augen  halten,  daß  die
Deutschen  des  Reichs,  Osterreichs  und  der  Schweiz  ein  natürlich  zusammenhängendes

  Ganzes  sind.  Vezüglich  Osterreichs  war  die  Tatsache
bis  1866  unbestrittenes  Bölkerrecht.  In  seiner  ersten  Thronrede  hat
Kaiser  Wilhelm  II.  feierlich  erklärt,  daß  er  in  deutscher  Treue  an  dem
Bündnis  mit  Osterreich  festhalte,  als  einem  „Vermächtnis  der  deutschen
Geschichte,  dessen  Inhalt  heute  von  der  öffentlichen  Meinung  des  gesamten
  deutschen  Volkes  getragen  wird.“  In  der  Tat  ist  uns  das  Bündnis
  Herzenssache.  Das  völkische  Empfinden  steht  dabei  voran.  Aber
zugleich  weisen  politische  Erwägungen  auf  den  Wert  des  Deutschtums
im  verbündeten  Nachbarstaat  und  auf  unser  praktisches  Interesse  an
seiner  unversehrten  Erhaltung.  Ein  unter  slawischer  Vorherrschaft  stehendes
  Osterreich  wäre  für  das  Deutsche  Reich  kein  zuverlässiger  Partner

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