Bedeutung  und  Wert  des  Auslanddeutschtums  121
schadet  ihrer  neuen  staatsbürgerlichen  Pflichten,  die  nationale  und  kulturelle
  Gemeinschaft  mit  dem  deutschen  Volke  wahren.  Letzten  Endes  erwächst
  dieses  Verlangen  innerlich  aus  überwältigendem  Drang.  Diese
Deutschen  draußen  reden  unsere  Sprache,  sie  verkörpern  unsere  Eigenart,
  sie  sind  Blut  von  unserem  Blut.  Es  ist  für  uns  Ehrensache,  daß
sie  Deutsche  bleiben.

Bediugungen  und  Möglichkeiten  der  nationalen
Erhaltung  des  Auslanddeutschtums.

Unsere  Geschichte  weist  in  nationaler  Beziehung  manche  trübe  Erfahrung
  aus.  Aber  die  Klage,  daß  der  Deutsche  hinsichtlich  der  Wahrung
  seines  Volkstums  eine  besonders  schwächliche  Veranlagung  aufweist,
  hält  gegenüber  den  Tatsachen,  die  im  vorstehenden  ausgebreitet
sind,  doch  wohl  nicht  Stich.  Aus  der  Geschichte  schöpfen  wir  vielmehr
die  Gewißheit,  daß  die  nationale  Schwäche  dem  Deutschen  nicht  eingeboren
  ist,  sondern  daß  sie  durch  den  Wechsel  unserer  nationalen  Geschicke
  bedingt  erscheint.  Soweit  wir  nationale  Haltlosigkeit  in  verflossenen
  Zeiten  beobachten,  war  sie  das  Erzeugnis  eines  jammervollen
politischen  Niedergangs.  Vorher,  in  den  Tagen  unserer  mittelalterlichen
Kaiserherrlichkeit,  hat  es  ein  starkes  und  sieghaftes  Nationalgefühl  gegeben,
  wie  es  seit  dem  neuen  Aufschwung  unseres  nationalen  Lebens
von  neuem  ersteht.  Das  deutsche  Volk  hat  im  Mittelalter  eine  großzügige
  Kolonisation  unter  durchgreifender  Eindeutschung  slawischer  Massen
  vollbracht.  Es  hat  bis  an  die  Grenzen  der  Balkanhalbinsel  und
bis  in  die  baltischen  Provinzen  des  heutigen  Rußland  seine  Vorposten
vorgeschoben.  Merkwürdig,  daß  gerade  die  am  weitesten  in  die  Ferne
gerückten  Volksgenossen,  die  Siebenbürger  Sachsen  und  die  deutschen
Balten,  am  treuesten  ihre  deuische  Art  festgehalten  haben.  Warum?
Weil  sie  im  12.  Jahrhundert  hinausgegangen  sind,  in  der  Stauferzeit,
da  das  alte  Deutsche  Reich  noch  ein  machtvoll  gebietender  Staat  war
und  deutsche  Volkskraft  unendlich  reich  emporblühte.  Stolzer  hat  kein
Dichter  sein  Vaterland  gerühmt,  als  damals  Walther  von  der  Vogelweide
  Deutschlands  Ehre  pries.  Durch  lange  Jahrhunderte  hat  das
nachgewirkt.  Es  hat  jenen  frühen  Auszüglern  das  Bewußtsein  eingeprägt,
  einem  Edelvolk  anzugehören,  und  das  hat  sie  national  gewappnet.
Gewiß  lagen  in  den  Südkarpathen  wie  an  der  fernen  Ostseeküste  die