122  Bedingungen  der  nationalen  Erhaltung  des  Auslanddeutschtums

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Voraussetzungen  für  die  Aufrechterhaltung  des  Deutschtums  besonders
günstig.  Die  deutschen  Siedler  kamen  als  überlegene  Kulturträger.  Sie
stießen  auf  niedriger  stehende  Fremdvölker.  Rasse  und  religiöses  Bekenntnis
  erschwerten  eine  Verschmelzung  mit  den  Eingesessenen.  Umfassende,
  von  der  staatlichen  Gewalt  gewährte  Vorrechte  und  die  namentlich
  seit  der  Reformation  neu  gefestigte  geistige  Verbindung  mit  dem
Mutterlande  bildeten  weitere  starke  Schutzwehren  ihres  Volkstums.  Aber
gerade  von  den  alten  Privilegien  ist  in  der  Folge,  in  Siebenbürgen
wie  im  Baltikum,  ein  Stück  nach  dem  anderen  abgebröckelt,  und  die
politisch  herrschende  Nationalität  bemüht  sich  längst  mit  allen  Mitteln,
mit  rechtswidriger  Bedrückung  und  mit  lockender  Verheißung,  den
nationalen  Abfall  herbeizuführen.  —  Bisher  noch  immer  vergeblich.
Bis  heute  lebt  in  den  Siebenbürger  Sachsen  und  in  den  deutschen  Balten
der  nationale  Stolz,  den  sie  einst  als  sicheren  Besitz  aus  dem  Stammland
  mit  fortgetragen.  Die  Bedeutung  dieses  Moments  erhellt  am  besten
aus  dem  trüben  Gegenbild,  das  spätere  Zeiten  bieten.  Wir  haben  uns
dieses  Bild  an  den  Schicksalen  der  älteren  deutschen  Uberseewanderung
vergegenwärtigt.  Bei  den  nationalen  Verlusten,  die  das  Deutschtum
vor  allem  in  den  Vereinigten  Staaten  und  in  den  englischen  Kolonien
zu  verzeichnen  hat,  stoßen  wir  auf  die  besonderen  Umstände,  die  einer
Entnationalisierung  Vorschub  leisten:  die  germanische  Rassenverwandtschaft;
  für  den  plattdeutsch  redenden  Norddeutschen  die  erleichterte  Aneignung
  der  englischen  Sprache;  für  die  Protestanten  die  Grundgemeinschaft
  des  Bekenntnisses  —  es  ist  doch  sehr  bezeichnend,  daß  Katholiken
  und  Sektierer  wie  die  Mennoniten  der  Amerikanisierung  oder
Anglisierung  in  verringertem  Maße  ausgesetzt  erscheinen  —;  der  Mangel
politischer  Schulung;  endlich  an  einzelnen  Stellen  die  zu  schwache  Vertretung
  des  weiblichen  Geschlechts,  die  zu  Mischheiraten  nötigte.  So
hat  in  der  angelsächsischen  Welt  das  Deutschtum  in  der  Regel  nur  dort
sich  erhalten,  wo  es  in  dichterer  Masse  sich  zusammenballte,  wo  es  auf
eigener  Scholle  saß,  und  Kirche  und  Schule  deutschen  Glauben  und
deutsche  Sprache  pflegten.  Demgegenüber  hat  im  romanischen  Amerika
und  ebenso  in  den  deutschen  Kolonistendörfern  Südrußlands  und  Ungarns,
  neben  dem  Gegensatz  der  Rasse  und  z.  T.  des  Glaubens,  vor
allem  das  Bewußtsein  der  kulturellen  Überlegenheit,  das  Deutschtum
national  gestählt.  Die  „Schwaben“  sind  sicherlich  ohne  ein  ausgeprägtes
Gefühl  nationalen  Stolzes  nach  Südrußland  und  Südungarn  gezogen.
Den  Kirgisen  und  den  stark  mit  mongolisch-türkischem  Blut  durchsetzten