Erster Zeitraum. Die Mark Brandenburg. I. Die Dorzeit. as Kernland des preußischen Staates sind die Gebiete an der Havel und Spree. Die ältesten geschichtlich be- kannten Bewohner dieses Landes waren die germanischen Semnonen, der edelste Zweig des suevischen Stammes, der nach Berichten des Römers Tacitus (um 100 n. Chr.) den ganzen Nordosten Deutschlands bewohnte und auch die Langobarden zwischen Elbe und Harz, die Rugen und Burgunder in Pommern sowie die Goten an der Warthe und Netze umfaßte. Zur Zeit der großen Völkerwanderung (um 400 n. Chr.) verließen die Semnonen ihre bisherigen Wohnsitze und wanderten nach Süden oder Westen. In die verlassenen Gegenden rückten von Osten her die Slaven ein, die sich allmählich von der Ostsee bis zum Adriatischen Meer, im Westen (um 600) bis zur Elbe, zur Saale, zum Böhmerwald und Inn aus- breiteten und sich in zahlreiche Stämme spalteten. Zwischen Bober und Saale ließen sich die Sorben, an der Havel und Peene die Lutizen und Wilzen und in Mecklenburg und Vorpommern die Obotriten nieder; von ihren westlichen Nachbarn, den Sachsen, wurden sie mit dem gemeinsamen Namen Wenden be- zeichnet. Von den Deutschen unterschieden sie sich durch den gedrungenen Körper, die braungelbe Haut, die dunklen Augen, das schwarze, schlichte Haar sowie durch Religion und Sitte. Als höchste Gottheit verehrten die Slaven Bel- bog, den Gott des Himmels, des Lichts und des Feuers; als Urheber der Finsternis und alles Bösen betrachteten sie Czernybog. Neben diesen höchsten Göttern verehrten die Wenden noch einen Kriegsgott Radegast. einen Sonnen- gott Swantewit, sowie Triglaf, den dreiköpfigen Gott des Himmels, der Erde und der Unterwelt. Die in heldenhaftem Kampfe Gefallenen hatten nach ihrer Meinung im Jenseits die höchste Seligkeit zu erwarten. Die Priester standen in hohem Ansehen. Jede Gemeinde wählte sich einen Vor- steher (Zupan) und im Kriege einen Führer (Woiwod); aus ihnen bildete sich allmählich ein erblicher Adel, dessen Familienhäupter die Knäsen (Fürsten) waren. Die Frau nahm schon wegen der bei den Wenden herrschenden Viel- weiberei eine niedrigere Stellung ein als bei den Deutschen, sie war die Sklavin des Mannes. Doch zeichneten sich die Wenden durch Ausdauer, Hoffmeyer, Unser Preußen. 1