328 Dritter Zeitraum. am Bett, die Hand des sterbenden Gemahls umfassend; Prinz Wilhelm be- obachtete knicend die immer schwächer werdenden Atemzüge des geliebten Großvaters. Am Morgen des 9. März 1888 entschlummerte der große Kaiser ohne Todeslampf unter dem Gebet des Hofpredigers. Die Todesnachricht verbreitete sich rasch über den ganzen Erdenball. Jeder wußte, daß der be- deutendste, berühmteste und mächtigste Herrscher der Erde geschieden sei, und besorgt fragte sich wohl mancher: Was nun? Ganz Deutschland glich einem Trauerhause. Tausende eilten nach Berlin, um die im Domc aufgebahrte Leiche des geliebten Herrschers noch einmal zu sehen. Die Beisetzung erfolgte unter Teilnahme von Königen, Prinzen und Fürsten, von Abgcordneten sämt- licher Staaten der Erde; aus allen deutschen Gauen waren die alten Krieger herbeigeeilt. Im Anblick der Siegessäule empfing die Garde die irdischen Üüberreste ihres großen Kriegsherrn, der sie so oft zum Siege geführt, und geleitete sie nach Charlottenburg. An der Seite der geliebten Eltern fand des Deutschen Reiches erster, großer Kaiser seine Ruhestätte. . Kaiser Wilhelm I. gehört zu den größten Männern aller- Zeiten. Er hat Preußen zur ersten Macht Deutschlands erhoben, das deutsche Volk gceeinigt, ihm seit Jahrhunderten entfremdete Brüder zurückgebracht, das Deutsche Reich an die Spitze der euro- päischen Staaten gestellt und in einer Zeit, wo die republi- kanischen Neigungen auch in Deutschland weit verbreitet waren, durch seine großen Verdienste und besonders durch seine hohen persönlichen Eigenschaften die Monarchie auf die Liebe und Ver- ehrung des Volkes neu gegründet. Im Kriege stets siegreich, war er doch ein Vater seines Volkes und hat durch seine Für- sorge für die niederen Stände den Staaten ganz neue Bahnen gewiesen. Mit Recht heißt er deshalb Wilhelm der Große. Fürst Bismarck schloß seine dem Reichstage das Ableben des Kaisers verkündende Anzeige mit den Worten: „Die heldenmütige Tapferkeit, das nationale hochgespannte Ehrgefühl und vor allem die treue, arbeitsame Pflichterfüllung im Dienste des Vaterlandes und die Liebe zum Vaterlande, die in unserem dahingeschiedenen Herrn verkörpert waren, mögen sie ein unzerstörbares Erbteil unserer Nation sein!“ · Die Kaiserin Augusta folgte ihrem Gemahl schon am 7. Januar 1890;. auch sie ruht im Mausoleum zu Charlottenburg. " Z. Die innere Festigung durch Kaiser Friedrich III. und Kaiser Wilbelm II. 1. Raiser Friedrich III., vom 9. März bis 15. UAuni 1888. Nach Wilhelms des Großen Tode ruhte das Scepter Preußens und des Deutschen Reiches in der bereits todesmatten Hand Kaiser Friedrichs III. Wie ganz anders hatte sich ihm das Leben gestaltet, als er hoffen durfte, als das deutsche Volk wünschtel!