Aus  der  ersten  Lesung.  7

aus  mögen  Sie  den  Grad  der  Gefahr  ermessen,  der  im  schlimmsten  Falle  daraus  entstehen
  kann.  .

Meine  Herren,  ich  bitte  Sie  nun  noch,  nicht  zu  erschrecken  vor  der  Lebhaftigkeit,
lleftigkeit  und  anscheinend  grossen  Zahl  derjenigen,  die  gegen  das  Gesetz  protestiren.
Ich  erinnere  Sie  an  einen  Vorgang,  der  erst  im  vorigen  Jahr  auf  dem  Wiener  medizinischen
  Kongress  stattgefunden  hat.  Es  kam  die  Impffrage  zur  Diskussion;  cs  meldete
  sich  eines  der  Mitglieder  und  sprach  mit  der  grössten  Heftigkeit  gegen  dic  Impfung.
  Er  bekam  seine  ruhige  Antwort  von  einem  andern  Mitglied.  Dann  meldete
sich  ein  Zweiter  gegen  die  Impfung,  dem  auch  mit  einer  Widerlegung  geantwortet
wurde  —  und  so  ein  Dritter,  dann  ein  Vierter,  immer  lebhafter  und  heftiger,  so  dass
nıan  glauben  musste,  es  sci  cine  grosse  Partei  gegen  die  Impfung  in  der  Versammlung.
Die  Diskussion  wird  dann  geschlossen;  die  Impffrage  kommt  zur  Abstimmung  und  die
ganze  Versammlung  von  Aerzten  aller  Länder  erklärt  sich  für  die  Impfung  und  den
Zwang  zur  Impfung  gegen  diese  Vier,  von  denen  jeder  Einzelne  das  Wort  genommen
hat.  Fürchten  Sie  sich  also  nicht  vor  der  Masse  des  Widerspruchs:  es  sind  einzelne
Stimmen,  die  mit  grossem  Eifer  ihre  Thesis  vertheidigten,  die  aber  durchaus  nicht  als
Durchschnittsleute  zu  betrachten  sind,  welche  eine  grosse  Masse  von  Menschen  hinter
sich  hätten.

Ich  wiederhole  Ihnen  meine  Ueberzeugung  :  dieses  Gesetz  entspricht  unseren  Sitten,
entspricht  unseren  Bedürfnissen,  und  so  vollziehen  Sie  nur  einen  Akt  der  Gerechtigkeit
zum  Schutz  des  wahren  Wohles  des  Volkes,  wenn  Sie  ein  solches  Gesetz  annehmen.«

völkerung  zusammengedrängt  ist,  die  Sterblichkeit,  sobald  eine  Epidemie  eintritt,  eine
bedeutend  grössere  ist,  als  in  den  weniger  bewohnten  Gegenden,  wo  Reinlichkeit,  Ordnung
  u.  8.  w.  besser  herrschen  können,  kurz  mit  einem  Wort,  wo  dic  Bewohner  besser
situirt  sind.  Nur  ein  einziges  Beispiel,  das  wahrscheinlich  Ihnen  allen  bekannt  ist,  und
das  auch  in  der  betreffenden  Broschüre  angeführt  ist,  aus  Chemnitz,  erlaube  ich  mir
anzuführen.  Da,  wo  in  einem  Hause  beispielsweise  160  Einwohner  zu  finden  waren,
da  war  die  Sterblichkeit  eine  enorm  grosse.  Ich  möchte  noeh  aus  eigener  Erfahrung
anführen,  dass  ebenfalls  in  einer  der  reichsten  Städte  Deutschlands,  in  Hamburg  die
Cholera  fort  und  fort  existirt,  und  wodurch?  Nur  dadurch,  weil  cs  nirgends  erbärmlichere
  Arbeiter-Wohnungen  —  als  Spelunken  kann  man  sie  bezeichnen  —  giebt,  als
gerade  dort.  Dort  giebt  es  die  meisten  Keller-Wohnungen,  die  noch  dazu  einen  Theil
des  Jahres  unter  Wasser  gesctzt  sind,  In  jener  Gegend  hört  auch  nicmals  die  Cholera
auf,  „8ort  grassiren  die  Blattern  am  allertollsten.
su  darum  Ist  cs  notliwendig,  dass  die  Gesetzgebung  darauf  ihr  Augenmerk  leık

und  dass  sic  nicht  auf  den  Impfzwang,  der  sich  durchaus  noch  nicht  als  wirklich  gut  er.

at,  ihr  Hauptaugenmerk  richte;  denn  wenn  in  diesen  grossen  Städten  unge-