Aus  der  dritten  J,esung.  23

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od  eintritt,  er  meistens  erst  bei  einer  Folgekrankheit  eintritt.  Er  tritt  nieht  sofort
in  der  Höhe  der  Krankheit,  bei  dem  Ausbruch  oder  in  dem  sogenannten  Eiterungsfieber
eiu,  soudern  er  erfolgt,  weil  der  Pockenkranke  zugleich  Anlage  zur  Tuberkulose  oder
sonst  etwas  gehabt  hat,  eine  Anlage,  die  sich  nach  dieser  Krankheit  dann  schnell  entwickelt.


Nun,  m.  H.,  kommen  wir  zur  Ucbertragung  von  anderen  Krankheitsstoffen.  Wenn
Sie  die  ganze  Diskussion  unbefangen  übersehen,  so  müssen  auch  Sie  den  Eindruck  gehabt
  haben,  dass  auf  der  einen  Seite  die  guten  Erfolge  mit  Zahlen  von  Millionen
erwieseu  werden  und  auf  der  anderen  Seite  die  Verdächtigungen,  dass  irgend  etwas
Uebles  geschehen  kann,  nur  mit  sehr  vereinzelten  Fällen,  die  noch  dazu  meistens  sehr
bestritten  sind.  Also,  dass  Krankheiten  so  ganz  im  Allgemeinen  genommen  übertragen
werden,  davon  ist  kaum  noch  die  Rede.  Eigentlich  handelt  es  sich  nur  noch  ıun  hereditäre
  Syphilis.  Ich  erinnere  Sie  nun  zuvörderst  an  das,  worauf  ich  mir  schon  früher
erlaubt  habe  Sie  aufmerksam  zn  machen,  ohne  in  wissenschaftliche  Streitereien  einzugehen,
  nämlich,  dass  selbst,  wenn  man  alle  Fälle  dieser  angeblichen  Uebertragung  der
Syphilis  durch  das  Impfen  zugesteht,  die  angeführt  werden,  und  zwar  von  den
schlimmsten  Gegnern  augeführt  werden,  doch  noch  nicht  auf  die  Millionen  der  bestimmt
und  unzweifelhaft  gut  verlaufenen  Impffälle  ein  einziger  solcher  Fall  kommt.  Wir
haben  in  Württemberg,  wo  die  Agitation  gegen  das  Iımpfen  am  stärksten  ist,  in  einer
Reihe  von  Jahren  bei  mehreren  Millionen  von  Impfungen  auch  nicht  einen  einzigen  Fall
aufiihren  hören,  der  eine  solche  Uebertragung  der  Syphilis  auch  nur  behauptete,  geschweige
  nachwiese,  und  Württemberg  ist  in  dieser  Beziehung  besonders  wichtig,  denn
dort  hat  ein  Manu,  der  gerade  in  diesen  Tagen  gestorben  ist,  gelebt  und  agitirt,  so  dass
man  ihn  wohl  als  den  Vater  der  ganzen  Anti-Impfbewegung  bezeichnen  kann,  und  hat
dabei  einen  solchen  Eifer,  eine  solche  Rührigkeit  entwickelt  in  der  Ermittelung  von
angeblich  schlimmen  Folgen  des  Impfeus,  dass  ich  von  meinem  Standpunkte  aus  nur
sagen  kann,  einen  Eifer,  »einer  bessern  Sache  würdig«.  Dieser  Mann,  Dr.  Rittinger,  hat
trotz  alledem  doch  nicht  einen  einzigen  Fall  von  Uebertragung  der  Syphilis  in  Württemberg,
  in  Stuttgart,  wo  er  praktizirt  hat,  iu  der  ganzen  Reihe  von  Jahren,  in  welcher  er
diese  Agitation  betrieben  hat,  nachweisen  können.  Daun  halten  selbst  diese  einzclueu
Fälle,  die  angeführt  werdeu,  auch  eine  sachliche  kritische  Untersuchung  so  wenig  aus,
dass  sie  häufig  gar  nicht  aufrecht  zu  erhalten  sind.  Wir  haben  hier  in  Berliu  vor  mehreren
  Jahren  den  einzigen  Fall,  der,  soviel  ich  weiss,  überhaupt  zur  Sprache  gekommen
ist,  uäher  untersucheu  lassen  von  Aerzten,  unter  denen  auch  viele  waren,  die  sehr  geneigt
  waren,  die  Uebertragung  dieser  Krankheit  anzunehmen.  Als  nun  der  Fall  näher
untersucht  wurde,  ergab  er  sich  schliesslich  als  ein  diagnostischer  Irrtthum.  Wir  haben
in  Dresden  vor  einigen  Jahren  eiueu  Fall,  der  von  einem  Arzte  bekannt  gemacht  wurde,
gehabt.  Er  behauptete,  das  Kind  hätte  unmittelbar  nach  der  Impfung  eine  syphilitische
  Augen-Entzündung  bekommen.  Der  Fall  wurde  untersucht  und  es  wurde  festgestellt,
  dass  die  Augen-Entzündung  des  Kindes  durchaus  nicht  syphilitischen  Karak-'
ters  sei,  sondern  eiue  Entziiudung  durch  äussern  Reiz.  Es  wurde  als  sehr  wahrscheinlich
  festgestellt,  dass  das  Kind  unmittelbar  nach  dem  Impfen  Impf-Lymphe  mit  dem  Blute
ab-  und  in  das  Auge  gewischt  hatte  wegen  der  schlechten  Wartung,  die  das  Kind  gehabt
  hatte.  Das  war  das  Resultat  der  Untersuchung.  Jetzt  macht  ein  Fall  iu  Hamburg
Aufselien,  der  von  Dr.  Lafaurie  mitgetheilt  wird.  M.  H.,  ich  sage  Ihnen  als  Kriterium
nur  das  Eine,  die  Gelehrten  sind  darüber  uneinig,  ob  es  Syphilis  ist  oder  nicht;  aber
Dr.  Lafaurie,  der  den  Fall  zuerst  geseheu  hat,  hat  ihn  doch  auch  erst  sechs  Monate
nach  der  Impfung  zu  sehen  bekommen.  Wenn  die  Gegner  des  Impfens,  nachdem  sie
den  Kausalnexus  zwischen  dem  Aufhören  der  Epidemien  und  dem  Impfen  so  in  Frage
gestellt  haben,  der  durch  Millionen  und  Millionen  Ertahrungeu  in  allen  Läudern  der
Welt  erwiesen  ist,  dann  doch  so  wenig  heikel  sind  und  in  der  Anerkennung  des  Kausalncxus
  In  einem  solchen  einzelnen  Falle,  dann,  m.  H.,  kann  man  ihnen  nur  sagen:  da
gilt  das  alte  Wort  des  Evangeliums  »Mücken  seigen  und  Kamele  verschlucken.«

Nach  diesen  einleitenden  Bemerkungen  wenden  wir  uns  zu  den  Bestimmungen
  des  Gesetzes  selbst.