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und  mancherlei  Ableitüngen  sich  finden,  wenn  die  Wörter  des
spätern  Lateins  durch  Weglassen  von  Buchstaben  im  Anfauge,
durch  Ausstossen,  Zusammenziehen  von  Sylben,  durch  eine
‚solche  Veränderung  des  Nominative,  dass  nur  durch  Hilfe  des
Genitivs  die  Wurzel  gefunden  werden  kann,  grösstentheils  verstümmelt
  sind,  im  Deutschen  dagegen  die  vollere,  reinere  und
den  ältesten  lateinischen  Wörtern  ähnlichere  Form  sich  findet,
endlich  wenn  viele  lateinische  Wörter  erst  duroh  das  Auffinden
der  deutschen  Wurzel  Bedeutung  erhalten,  so  müssen  wir  annehmen,
  dass  Germanen  den  Hanptstamm  des  römischen  Volkes
  ausmathten  und  ihre  Sprache  die  Grundlage  der  lateinischen
  ward.  Einige  Beispiele  werden  dies  klar  machen.

Wind  stammt  nicht  ab  von  ventus,  sondern  verius  von
Wind.  Dies  ist  nämlich  das  Participium  von  wehn  —  wehend,
zusammengezogen  Wind.  —  Die  lateinische  Sprache  hat  kein
"Wort  wehen.

Ordo  —  Ordinj  —  ordinare—  Ordnung  und  ordnaen  stammen
  ab  von  dem  in  allen  germanischen  DBialecten  befindlichen
Wort  Ort,  und  bezeichnen  das  Strelien,  jedem  seinen  Ort  anzuweisen.
  Die  Wurzel  kennt  also  die  lateinische  Sprache  nicht.

Fenestra,  "Fenster  bedeutet  im  Latein  und  Deutschen  anfangs
  nicht  die  Öffnung  des  Hauses,  durch  welche  das  Licht
fällt,  denn  diese  heisst  Lucke,  sondern  den  Laden,  der  verschliesst
  (daheranch  Horat.  1,25:  junctas  quatiunt  fenestras)
und  der,  da  man  das  Glas  nicht  kennt,  verfinstert;  es  kommt
also  von  finster,  einem  deutschen  Worte.

Urbs  (wahrscheinlich  mit  dem  Digamma  gesprochen)  koranıt
von  dem  altdeutschen  Auuarban,  hwarban  Kero,  im  Kreise
herumgehen,  einen  Kreis  machen.  Bei  Erbauung  einer  Stadt*)

°)  Cato  in  originibus.  Qui  urbem  novam  condit,'  tauro  et  vacca
aret:  ubi  araveris  murum  faciat:  ubi  portam  vult  esse  arasrum
sustollat  et  portes  et  portam  vocet.  Serv.  ad  den.  Nach  Festus
  hiess  das  Furcheziehen  vom  urvum  arası,  dem  Kimmel,
urvare.  Aber  es  stammt  wolıl  urvare  wie  urvum  von  Awärban  ab.