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Esse  —  velle  haben  eine  der  lateinischen  Sprache  ganz
ungewöhnliche  Infinitivform,  und  deuten,  da  sie  die  ersten  Begriffe
  des  Menschen  ausdrücken,  auf  ein  holies  Alter.  In  vielen
Gegenden  Deutschlands  hört  man  auch  heute  noch  esse  —  wolle,
statt  essen  und  wollen.  Auch  die  Dänen  bilden  den  Infinitiv
auf  e.

Sum  —  sunt,  sim  bis  sint  stehen  im  Latein  vereinzelt,
während  die  deutsche  Sprache,  wenn  auch  nicht  alle,  doch  bei
weitem  mehr  Formen  von  diesem  Stamme  und  den  Infinitiv
sein  hat.

Je  älter  das  Latein  ist,  desto  näher  ist  es  mit  dem  Deutschen
  verwandt.  In  der  {er  Numae  findet  sich  das  Wort  loebe-‚som.
  Sei  quips  homonem  loebesom  mortei  duit  etc.  So  heisst
es  im  Lied  der  arvalischen  Brüder:  Nere  luervem,  Marmar,
sins  incurrere  in  pleores.  Lasse,  Mars,  keine  Pest  —  Verderben
  —  auf  unsre  Fluren.  kommen.  Man  erklärte.  pleores  ball
durch  plures,  bald  dureh  flores,  und  doch  passt  hier  keins,  wohl
abor  das  alte  Flor  oder  Flur,  Boden,  Acker.  Somner  Dict.
Anglos:  und  Stiler  Tkesaur.  L.  @erm.  —  Wir  haben  Stadtflur,
  Dorfälur,  Flurschütz,  llausflur,  was  .keinesweges  vom  latein.
  flores  kommt.

Lingua  und  Zunge  haben  wenig  Ähnlichkeit.  Aber  Marius
  Vietorinus  sagt:  Antiquos  dirisse  dinguam  pro  lingua.
  Des  Ulphilas  Tugga,  das  schwedische  Zunga,  das  argelsächsische
  Zung  haben  also  mit  dem  altlateinischen  dingua
die  grösste  Ähnlichkeit.

Mitto  und  lis  scheinen  keine  Verwandschaft  mit  denı  Deutschen
  zu  haben;  aber  die  ältern  Formen  waren  smilto  (noch
in  der  Zusammensetzung  cosmitito)  und  stlie  =  stlit  (Fest.
et  Paul.  stlitem  antiqui  pro  litem  dicebant.  Conr.  Schneiders
  Grammat.  I,  495)  und  zeigen  die  Verwandschaft  mit
schmeissen  —  engl.  to  smite,  schwed.  smita  —  und  Streit.

Dass  zum  Theil  die  Declination,  noch  mehr  aber  die  Con-