125

Empfindungswörter

sind  in  den  meisten  Sprachen  sich  ähnlich,  wie  ah,  o  etc.;
wir  wollen  nur  anführen,  dass-  von  dem  Empfindungslaut  vze
—  Goth.  und  Fränk.  vei,  weh  —  bei  uns  noch  andere  Wörter
  gebildet  werden,  wie  Wehmuth  —  Wehen  etc.,  im  Latein
  aber  das  Wort  vereinzelt  dasteht.

Ausser  diesen  Wörtern  hat  die  gemeine  Volkssprache
eine  grosse  Menge  Ausdrücke,  welche  dem  Latein  verwandt
sind,  und  die  man  als  ausländische  nicht  zu  schreiben  wagt.
Allein  man  begreift  es  nicht,  wie  diese  Wörter  grade  zu  dem
gemeinen  Mann  gedrungen  sein  und  in  nördlichen  Ländern
sich  allgemein  verbreitet  haben:  sollen.  Andere  Wörter  finden
  sich  in  einzelnen  Provinzen,  und  gewiss  würde  man,
wenn  die  Provinzialismen  und  die  gemeine  Volkssprache  mehr
beachtet  würden,  manche  wichtige  Resultate  für  die  Verwandschaft
  der  Völker  machen  können.  Bei  vielen  Ausdrükken
  wird  man  bemerken,  dass  im  Latein  eine  höhere,  geistigere,
  im  Deutschen  eine  mehr  sinnliche  Bedeutung  Statt
findet.  Nun  ist  aber  die  sinnliche  Bedeutung  immer  die  frühere,
  die  geistige  die  spätere,  wie  tausend  Wörter  in  allen
Sprachen  —  Begriff,  Verstand,  Vernunft,  Einsicht  —  von
greiffen,  stehen,  nehmen,  sehen  —  ’dies  zeigen,  und  es  ist
also  dann  wohl  keine  Frage,  welcher  Sprache  das  Wort  zuerst
  angehört  hat.  So  sagt  man  Sorte  ganz.  allgemein,  statt
Gattung,  bei  uns  und  im  Dänischen.  Im  Deutschen  ist  das
Wort  ganz  sinnlich,  eine  Sorte  Getraide,  Leinwand  'ete.;  —
im  Latein  ist  Sers  —  Sort  das  besondere  Geschick  —  Loos,
welches  jemand  zu  Theil  wird.  j

Art  —  gleichfalls  als  Gattung,  hat  auch  bei  uns  den
Nebenbegriff  von  Kunst,  wie  das  lateinische  ars.  Er  spielt,
dass  es  eine  Art  ist;  —  artig  —  unartig;  also  wohl  mit  dem
Lateinischen  verwandt,  aber  nicht  von  dort  stammend.