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Germanen  offenbar.  So  verheuratheten  sich  im  Orient  und
zum  Theil  in  Griechenland  noch  Geschwister  mit  einander,
was  in  Rom  und  Deutschland  nicht  geschah.

Bei  fast  allen  orientalischen  Völkern  stand  das  weibliche
  Geschlecht‘  im  Sclavenverhältnisse,  nur  bei  Germanen
genoss  es  eine  höhere  Achtung.  Selbst  bei  den  Griechen
war  die  Frau  dem  Manne  tief  untergeordnet,  musste  in  dem
hintern  Theile  des  Hauses  dem  Gynaeceum  (Yuvaızsiov  )
abgesondert  sitzen.  und  durfte  den  Speisesaal  der  Männer
nicht  betreten.  -Dagegen  ward  bei  den  Römern  die  Frau
mehr  geachtet,  sass  nicht  abgesondert,  ward  in  Gesellschaften
  mitgenommen,  genoss  mancherlei  Vorrechte  uud  den
Versterbenen  wurden  sogar  Lobreden  gehalten.  So  sagt
Cornelius  Nepos  in  der  Einleitung:  FPleraque  nostris
moribus  sunt  decora,  quae  apud  illos  (Graecos)  turpia
habentur.  Quem  enim  Romanorum  pudet  urorem  ducere
in  convivium?  aut  cujus  materfamilias  non  primum  locum
tenet  aedium  atque  in  celebritate  versatur?  quod  multo  fit
aliter  in  Graecia.  Nam  neque  in  convivium  adhibetur,
nisi  propinquorum;  neque  sedet,  nisi  in  interiore  parte
aediam,  quae  gynaeconitis  adpellatur;  quo  nemo  adcedit,
nist  propinqua  cognatione  conjunctus.

Vielleicht  gab  diese:  höhere,.  andern  Volksstämmen  -unerklärliche
  Achtung,  in  welcher  bei  den  Römern.  die  ‚Frauen
standen,  Veranlassung  zu  der  Erzählung  von  dem  Raube  der
Sabinerinnen,  da  man  einen  Grund  für  die  den  römischen
Frauen  gestatteten  Verzüge  suchte.  Bei  beiden  Völkern
wurde  den  Frauen  eine  Gabe  der  Weissagung  zugeschrieben.
  Bei  den  Deutschen  werden  die  Frauen  wegen  der  Zukunft
  befragt  und  die  Velleda  (Tacit.  histor.  IV,  61  bis
65.  V,  22  bis  24.)  stehet  in  grosser  Achtung.  [Germ.  8.
Inesse.  (feminis}  sanctum  et  providum,  nec  consilia  earum
aspernantur  aut  Tesponsa  negliguni.)  Bei  den  Römern  ver-