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kündeten  Sibyllen  die  Zukunft.  Da  im  Nordischen  die  wahrsagenden
  Frauen  Foelen  heissen,  so  bedeutet  vielleicht  Sibyllie,
  zusammengesetzt  aus  S3  —.  Fränkisch  Ziu,  Gott,  göttliche
  Foele.

Prasch  leitet  das  Wort  mulier  her  von  mul  —  Maul,
Mund,  und  ver  —  hehr,  heilig,  so  dass  es  hiesse:  heiliger
Mund,  dem  die  Gabe  der  Weissagung  beiwohnt.

Wie  den  alten  Deutschen  eine  grosse  Sittenreinheit  zugeschrieben
  wurde  und  Tacitus  Germ.  $.  29.  sagt:  Plus
ibi  boni  mores  valent,  quam  alibi  bonae  leges,  so  schreibt
der  altröınischen  Sıttenreinheit  auch  Ennius  des  Staates
Grösse  zu:  Moribus  antiguis  stat  res  Romana  virisque.

Auch  ein  tieferer  Ernst  wohnte  den  Römern  bei,  als  es
bei  südlichen  Völkern  gewöhnlich  ist,  so  dass  Tanzen  und
andere  Künste  von  ihnen,  wie  von  alten  Germanen,  verschmähet
  w-ırden.

Die  alten  Deutschen  sassen  beim  Essen.  (Tac.  Germ.
22.  Lauti  cibum  capiunt.  Separatae  singulis  sedes  et  sua
euique  mensa).  Aber  auch  die  alten  Römer  genossen  sitzend
ihr  Biahl  (Sueton.  Claud.'32.  Val.  Max.  II,  1.2.).  Erst
epäter-  ward  von  Orientalen  die  Sitte,  auf  Ruhebetten  (oris
  oder  /ectis)  zu  liegen  (accumbendi),  angenommen.  —
Heilig  war  den  Deutschen  die  Gastfreundschaft,  daher  Tacitus,in
  seiner  Germania  21.  *)  sagt:  kein  Volk  übe  so
die  Gastfreundschaft,  und  es  sei  bei  ihnen  frevelhaft,  jemanden
  von  seinem  Hause  zurückzuweisen.  Aber  auch  den  Römern
  war  das  hospitium  heilig,  besonders  in  früherer  Zeit.

*)  Convictibus  et  hospitüs  non  alıa  gens  effusius  indulget.  Quemcunque
  mortalium  arcere  tecto,  nefas  habesur;  pro  fortuna  quisque
  adparatis  epulis  excipit.  Cum  defecere;  qui  modo  hospes
Juerat,  monstrasor  hospitü  et  comes;  proximam  domum  non  invitasi
  adeunt,  nec  interest:  pari  humanitate  accipiuntur.  Notum
  .ignotumgue,  quantum  ad  jus  hospitüi,  nemo  discernit.