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5.  In  der  Schule.  Am  Hofe  Karls  sollte  keiner  zu  finden  sein,  der  nicht  lesen
und  schreiben  könnte.  Deshalb  berief  er  gelehrte  Männer  zu  sich  und  errichtete  eine
Schule  an  seinem  Hofe,  worin  die  Kinder  seiner  Diener,  sowohl  der  hohen  als  der
niedern,  unterrichtet  wurden.  Einst  besuchte  er  diese  Schule.  Da  bemerkte  er,  daß
die  Kinder  der  Vornehmen  den  Kindern  der  Geringen  an  Fleiß  weit  nachstanden.  Darüber
  ward  er  zornig.  Er  ließ  die  Faulen  zu  seiner  Linken  und  die  Fleißigen  zu  seiner
Rechten  antreten  und  sprach  dann  zu  den  fleißigen  Schülern:  „Ich  freue  mich,  daß
ihr  so  gute  Fortschritte  macht.  Fahret  so  fort  —  und  ich  werde  euch  gar  herrliche  Bistümer
  und  Klöster  geben.“  Dann  aber  wandte  er  sich  zürnend  zu  den  Faulen  und
sprach:  „Ihr  aber,  ihr  Hochgeborenen,  ihr  Fürstensöhne,  die  ihr  traut  auf  eure  Abkunft
  und  euern  Reichtum,  ihr  habt  die  Zeit  mit  Spiel  und  Nichtsthun  verbracht.
Beim  Herrn  des  Himmels!  Ich  gebe  nicht  viel  auf  euern  Adel  und  euer  schönes  Aussehen.
  Wenn  ihr  nicht  eiligst  eure  Nachlässigkeit  durch  Anstrengung  wieder  gut  macht,
so  habt  ihr  von  mir  nie  etwas  Gutes  zu  erwarten.“

6.  Der  Heerbann.  In  Kriegszeiten  ließ  Karl  den  Heerbann  aufbieten.  Dazu
gehörten  einmal  alle  Lehnsleute  des  Kaisers  (Grafen,  Bischöfe  2c.)  und  sodann  alle
freien  Männer,  die  wenigstens  4  Hufen  (—  3000  a)  Land  als  Eigentum  besaßen.  Auf
Befehl  des  Kaisers  mußten  sie  mit  ihrem  Gefolge  erscheinen.  Für  ihre  Ausrüstung
hatten  sie  selbst  zu  sorgen,  auch  sollten  sie  sich  auf  drei  Monate  mit  Lebensmitteln  versorgen.
  In  einem  Schreiben  Karls  an  einen  Abt  heißt  es:

„Wir  gebieten  dir,  dich  am  17.  Juni  in  Staßfurt  an  der  Bode  als  dem  festgesetzten
Sammelorte  pünktlich  einzufinden.  Du  sollst  aber  mit  deinen  Leuten  so  vorbereitet  dahin
kommen,  daß  du  von  da  schlagfertig  ziehen  kannst,  nämlich  mit  Waffen  und  Gerät  und
andern  Kriegserfordernissen  an  Lebensmitteln  und  Kleidern,  daß  jeder  Reiter  Schild  und
Lanze,  ein  zweihändiges  und  ein  kurzes  Schwert,  Bogen  und  Köcher  mit  Pfeilen  habe.
Dann,  daß  ihr  habet  auf  euren  Wagen:  Hacken,  Keile,  Mauerbohrer,  Axte,  Grabscheite,
eiserne  Schaufeln  und  was  sonst  im  Kriege  nötig  ist.  Die  Wagenvorräte  müssen  vom
Sammelplatze  an  auf  drei  Monate  reichen,  Waffen  und  Kleider  auf  ein  halbes  Jahr.  Insbesondere
  aber  gebieten  wir  euch,  wohl  darauf  zu  achten,  daß  ihr  in  guter  Ordnung  zu
dem  angegebenen  Orte  ziehet  und  ihr  euch  nicht  unterstehet,  irgend  etwas  zu  nehmen,  außer
Futter  für  das  Vieh  und  Holz  und  Wasser.“

7.  Krieg  mit  den  Longobarden.  774.  Anfangs  regierte  Karl  mit  seinem  Bruder
  Karlmann  zusammen.  Als  aber  dieser  starb,  nahm  er  das  ganze  Frankenland
allein  in  Besitz.  Die  Witwe  Karlmanns  floh  nun  mit  ihren  Söhnen  zu  ihrem  Vater
Desiderius,  dem  König  der  Longobarden.  Dieser  verlangte  vom  Papste  Hadrian,
daß  er  seine  Enkel  zu  Königen  über  das  Frankenreich  salbe.  Da  sich  jedoch  der  Papst
weigerte,  überzog  ihn  Desiderius  mit  Krieg  und  nahm  ihm  das  Stück  Land  weg,  das
ihm  Pipin  geschenkt  hatte.  Der  Papst  rief  in  seiner  Not  Karl  um  Hilfe  an,  und  dieser
zog  mit  einem  Heere  über  die  Alpen.  Dann  belagerte  er  den  Desiderius  in  Pavia,
nahm  ihn  gefangen  und  schickte  ihn  in  ein  Kloster.  Was  aus  Karlmanns  Söhnen  geworden
  ist,  weiß  man  nicht.  Nachdem  Karl  dem  Papste  die  Schenkung  Pipins  bestätigt
  hatte,  setzte  er  sich  die  „eiserne“  Krone  der  Longobarden  aufs  Haupt.

8.  Die  Sachsen  wohnten  an  der  Grenze  des  Frankenlandes,  zwischen  Rhein  und
Elbe.  Ihr  kostbarstes  Gut  war  die  Freiheit.  „Sie  haben  nie  Könige  gehabt,  sondern
sie  lebten  wie  die  alten  Germanen  in  freien  Gemeinden  unter  ihren  Grafen  und
Edelingen.  Nur  im  Kriege  vereinten  sie  sich  unter  freigewählten  Herzögen.“  Die
Grenze  zwischen  den  Sachsen  und  den  Franken  aber  zog  sich  meist  in  der  Ebene  hin
und  war  nicht  genau  festgesetzt.  Da  wollten  denn  Raub,  Mord  und  Brand  auf  beiden
Seiten  kein  Ende  nehmen.  Karl  beschloß  daher,  die  Sachsen  zu  unterwerfen.  Von