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die  Kinder  in  großen  Scharen  nach  dem  Mittelmeere,  um  sich  dort  einzuschiffen.
Viele  aber  erlagen  den  Anstrengungen  des  Weges,  andre  sielen  Seeräubern  in
die  Hände.  Nur  wenige  kehrten,  von  ihrer  Schwärmerei  geheilt,  in  die  Heimat
zurück.  —  Obwohl  mehr  als  6  Millionen  Menschen  ihr  Leben  für  die  Eroberung
des  heiligen  Landes  dahin  gegeben  hatten,  so  konnte  man  sich  doch  nicht  dauernd
den  Besitz  des  Landes  sichern.  Jerusalem,  Bethlehem  u.  a.  eroberte  Städte
gingen  nach  und  nach  wieder  in  die  Hände  der  Türken  zurück,  1291  mußten  nach
dem  unglücklichen  Ausgange  des  siebenten  Kreuzzuges  auch  Tyrus  und  Sidon,
die  letzten  „fränkischen"  Besitzungen,  abgetreten  werden.  Damit  hatten  die  Kreuzzüge
  ihr  Ende  erreicht.

2.  Einfluß  der  Kreuzzüge  auf  die  Kultur.  Wenn  durch  die  Kreuzzüge
ein  äußerer  Erfolg  auch  nicht  erzielt  worden  ist,  so  sind  sie  doch  für  die  Entwicklung
  der  europäischen  Kultur  von  der  größten  Bedeutung  gewesen.  So  wurde
z.  B.  der  Ritterstand  begeistert,  sein  Schwert  dem  Dienste  Gottes  zu  widmen
und  für  die  Ausbreitung  des  Evangeliums  zu  wirken  (Ritterorden  S.  42).  Den
schönsten  Gewinn  aber  trugen  die  Städte  davon.  In  den  fremden  Ländern  und
Städten  lernte  man  fremde  Sitten  und  Gebräuche,  Künste  und  Gewerbe  kennen.
Bald  entwickelte  sich  nun  auch  in  der  Heimat  das  Gewerbe  zu  großer  Blüte,
man  fing  an,  mit  fernen  Ländern  Handel  zu  treiben,  und  so  gelangten  die  Bürger
in  den  Städten  bald  zu  großem  Wohlstande.  Auch  für  die  Bauern  waren  die
Kreuzzüge  nicht  ohne  heilsame  Folgen,  indem  sie  ihnen  Gelegenheit  gaben,  ihre
Freiheit  und  Selbständigkeit  zu  erlangen.

15.  Friedrich  I.  (Barbarossa.)  1152—1190.

1.  Abstammung  und  Persönlichkeit.  Friedrich  stammte  aus  dem  Hause
der  Hohenstaufen.  Er  war  ein  gar  stattlicher  Held,  mit  blauen  Augen  und
hellblondem,  lockigem  Haar.  In  allen  ritterlichen  Künsten  wohlgeübt,  war  er
noch  als  Greis  kräftig  wie  ein  Jüngling.  Demütige  Bitte  fand  leicht  bei
ihm  Gehör,  und  den  Armen  teilte  er  oft  mit  eigner  Hand  Almosen  aus.
Seines  rötlichen  Bartes  wegen  nannten  ihn  die  Italiener  „Barbarossa“  d.  h.
„Rotbart“.

2.  Kaiser  und  Papst.  Friedrich  wünschte  mit  dem  Papste  in  Frieden  zu  leben;
denn  in  der  Einigkeit  zwischen  Kaiser  und  Papst  sah  er  das  Heil  der  Christenheit.
Als  der  Papst  in  Rom  durch  Aufruhr  aus  der  Stadt  getrieben  wurde,  eilte  ihm
Friedrich  deshalb  zu  Hilfe.  Bei  der  Zusammenkunft  aber  führte  er  dem  Papste  das
Pferd  nicht  am  Zügel  und  hielt  ihm  beim  Absteigen  nicht  den  Steigbügel,  wie  es
Herkommen  war.  Darob  zürnte  ihm  der  Papst.  Friedrich  fügte  sich  auch  diesem
Wunsche,  und  beide  zogen  nun  vereint  in  Rom  ein.  Bald  nachher  krönte  ihn  der
Papst  zum  Kaiser.  Das  Volk  in  Rom  aber  wollte  ihn  zwingen,  sich  erst  das
Kaiserrecht  zu  erkaufen.  Doch  Friedrich  erzwang  es  sich  mit  den  Waffen  und  gab
„Eisen  statt  des  Goldes“.

3.  Mailands  Zerstörung.  Einige  Jahre  später  mußte  der  Kaiser  abermals  mit
seiner  Heeresmacht  nach  Italien  ziehen;  denn  Mailand  und  andre  Städte  Norditaliens
  weigerten  sich,  die  Oberhoheit  des  Kaisers  anzuerkennen.  Als  dann  gar  die
stolzen  Mailänder  den  Brief  des  Kaisers,  worin  er  sie  zur  Ordnung  ermahnte,  mit
Füßen  traten,  sollte  ihre  Stadt  seine  Zornesmacht  fühlen.  2  Jahre  lang  aber