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mußte  er  die  Stadt  belagern.  Endlich  zwang  sie  jedoch  der  Hunger,  sich  auf  Gnade
und  Ungnade  zu  ergeben.  Am  nächsten  Morgen  kamen  die  Bürger  in  das  Lager  des
Kaisers.  Alle  waren  in  ein  langes  Bußgewand  gekleidet  und  hatten  einen  Strick  um
den  Hals.  Weinend  sanken  sie  vor  dem  Kaiser  nieder  und  flehten  um  Gnade.  Doch
Friedrich  war  durch  den  Widerstand  der  Bürger  so  sehr  erbittert,  daß  er  sich  durch
keine  Bitte  zur  Milde  bewegen  ließ  und  die  Stadt  bis  auf  den  Grund  zerstörte.

4.  Heinrich  der  Löwe.  Noch  mehrmals  mußte  Friedrich  die  aufrührerischen
Städte  Italiens  zur  Ruhe  bringen.  Einmal  hatte  er  schon  7  Monat  lang  die  Stadt
Alessandria  belagert,  konnte  aber,  da  eine  Seuche  unter  seinem  Heere  ausgebrochen
war,  nichts  ausrichten.  Da  kam  die  Kunde,  daß  ein  großes  lombardisches  Heer  gegen
ihn  im  Anzuge  sei.  In  seiner  Not  wandte  sich  der  Kaiser  an  Heinrich  den  Löwen,
seinen  mächtigsten  Lehnsmann.  Dieser,  Herzog  von  Sachsen  und  Bayern,  hatte  dem
Kaiser  auf  seinen  Zügen  nach  Italien  lange  Zeit  bedeutende  Dienste  geleistet.  Jetzt
aber  grollte  er  ihm,  weil  sein  Oheim  Welf  seine  Güter  nicht  ihm,  sondern  dem  Kaiser
vermacht  hatte.  Er  entgegnete  daher:  „Dein  Dienst,  o  Kaiser,  hat  mich  vor  der  Zeit
alt  und  mürbe  gemacht.“  Da  sank  der  Kaiser,  wie  erzählt  wird,  vor  dem  Löwen  auf
die  Knie  und  bat  flehentlich:  „Nur  diesmal,  Heinrich,  verlaß  mich  nicht.“  Heinrich
jedoch  blieb  kalt.  Nun  schieden  die  beiden,  und  Friedrich  mußte  dem  Feinde  allein
entgegentreten.  Bei  Legnano  erlitt  er  eine  so  furchtbare  Niederlage,  daß  er  sich  genötigt
  sah,  einen  mehrjährigen  Waffenstillstand  mit  seinen  Feinden  abzuschließen.
Zornig  kehrte  er  nach  Deutschland  zurück,  Heinrich  aber  traf  bald  darauf  die  Reichsacht.
  Er  verlor  alle  seine  Länder  und  Würden.  Sachsen  wurde  zerstückelt  und  kam
an  verschiedene  Herren,  Bayern  erhielt  der  Pfalzgraf  Otto  von  Wittelsbach,  dessen
Nachkommen  noch  heute  auf  dem  Throne  sitzen.  Später  jedoch  bekam  Heinrich  seine
Erbländer  Braunschweig  und  Lüneburg  zurück.

5.  Kreuzzug.  Seit  88  Jahren  war  Jerusalem  in  den  Händen  der  Christen  gewesen.
  Da  eroberte  es  der  Sultan  von  Agypten.  Hierüber  geriet  die  ganze  Christenheit
  in  Trauer.  Der  Papst  forderte  alle  christlichen  Fürsten  und  Völker  auf,  die
Stadt  zum  zweitenmal  den  Händen  der  Ungläubigen  zu  entreißen.  Begeistert  stellte
sich  Kaiser  Friedrich  an  die  Spitze  eines  150  000  Mann  starken  Heeres,  das  sich  bei
Regensburg  gesammelt  hatte.  Mit  Mühe  erreichte  er  endlich  Kleinasien.  Türkische
Reiter  umschwärmten  das  Heer  Tag  und  Nacht.  (Gedicht:  Als  Kaiser  Rotbart
lobesam  2c.)  Endlich  kam  es  zur  Schlacht,  und  die  Kreuzfahrer  siegten.

6.  Tod.  Mit  neuem  Mute  zogen  sie  weiter.  Bald  kamen  sie  an  den  Fluß  Saleph.
  Eine  schmale  Brücke  führte  über  das  Wasser,  und  nur  langsam  konnte  der  Zug
hinüber.  Der  Kaiser,  des  langen  Wartens  müde,  gab  seinem  Pferde  die  Sporen
und  sprengte  in  den  Fluß.  Aber  die  Wellen  ergriffen  den  kühnen  Greis  und  rissen
ihn  mit  sich  fort.  Ein  Ritter  stürzte  ihm  nach  und  brachte  ihn  auch  ans  Land  —
aber  nur  als  Leiche.

7.  Sage  vom  Kyffhäuser.  Über  alle  Beschreibung  groß  war  die  Trauer  und
Bestürzung  im  Heere;  jeder  glaubte,  in  dem  Kaiser  seinen  Vater  verloren  zu  haben.
Viele  kehrten  sogleich  zu  Schiffe  in  ihre  Heimat  zurück.  In  Deutschland  wollte  man
lange  nicht  glauben,  daß  der  Kaiser  gestorben  sei.  Die  Sage  versetzte  ihn  später  in
den  Kyffhäuser.  Von  dort  sollte  er  einst  wiederkommen,  die  Herrlichkeit  des  deutschen
Reiches  aufzurichten.  (Gedicht:  Der  alte  Barbarossa.)

8.  Die  letzten  Hohenstaufen.  Über  100  Jahre  hat  das  stolze  Geschlecht  der  Hohenstaufen
  die  deutsche  Kaiserkrone  getragen.  Unaufhörlich  hat  es  gegen  die  Übermacht  der

Päpste  angekämpft,  ist  aber  unterlegen.  Der  letzte  Sproß  der  Hohenstaufen  war  Konradin.
Er  gelangte  nicht  mehr  auf  den  Thron.  Als  er  sich  in  den  Besitz  von  Sicilien  und  Neapel,