seines  väterlichen  Erbes,  setzen  wollte,  wurde  er  gefangen  genommen  und  —  erst  16  Jahre
alt  —  in  Neapel  auf  dem  Markte  hingerichtet.

16.  Ritterleben  im  Mittelalter.

1.  Bildung  des  Ritterstandes.  Bei  den  alten  Deutschen,  ja,  selbst  noch  bei  Karl
d.  Gr.  bestand  das  Heer  aus  Fußgängern.  Durch  Heinrich  I.  aber  wurde  besonders
die  Reiterei  ausgebildet,  und  fortan  bildeten  die  Ritter  (d.  h.  Reiter)  die  Hauptmacht
des  Heeres.  Bis  zu  den  Kreuzzügen  hin  gab  es  keinen  besondern  Ritterstand.  Ein
jeder,  der  mit  Panzer  und  Helm,  Schwert  und  Lanze  wohlausgerüstet  zu  Pferde  dem
Aufrufe  zum  königlichen  Heerbanne  folgte,  war  ein  Ritter.  Als  aber  zur  Zeit  der
Kreuzzüge  die  Ritter  ihr  Schwert  ganz  und  gar  der  heiligen  Sache  widmeten,  da  gelangten
  die  Ritter  zu  hohem  Ansehen.  Sie  bildeten  jetzt  einen  eigenen  Stand,  dem  nur
Männer  von  Adel  und  großem  Länderbesitz  angehören  sollten.  So  entstand  eine
Scheidewand  zwischen  Ritter  und  Bauer,  zwischen  Wehr=  und  Nährstand.

2.  Erziehung.  Bis  zum  7.  Jahre  wuchs  der  Edelknabe  unter  der  Pflege  der
Frauen  auf;  dann  trat  er  als  Page  in  den  Dienst  eines  Ritters.  Hier  diente  er  bei
Tische,  begleitete  seinen  Herrn  auf  der  Jagd  und  auf  Reisen,  lernte  die  Armbrust
spannen  und  übte  sich  im  Singen  und  Saitenspiel.  Nach  vollendetem  14.  Jahre
wurde  er  Knappe  und  empfing  das  Schwert.  Als  Waffenträger  zog  er  nun  mit  seinem
Herrn  in  die  Fehde  und  zum  Turnier  und  leistete  ihm  in  Gefahr  treuen  Beistand.
Im  21.  Jahre  wurde  er  zum  Ritter  geschlagen.  Das  geschah  in  der  Kirche  und  in
Gegenwart  von  Rittern,  Geistlichen  und  Edelfrauen.  Hier  mußte  er  schwören,  daß
er  der  Tugend  leben,  täglich  die  Messe  hören,  die  Schwachen  und  Unschuldigen  beschützen
  und  dem  Landesherrn  treu  sein  wolle.  —  Darauf  gab  ihm  ein  Ritter  mit  dem
flachen  Schwerte  drei  leichte  Schläge  auf  die  Schulter,  und  dann  wurden  ihm  außer
dem  Schwerte  noch  Lanze,  Helm,  Panzer  und  goldene  Sporen  überreicht.

3.  Die  Wohnung  des  Ritters  war  die  Burg;  sie  lag  entweder  auf  steilem  Felsen
oder  in  der  Ebene,  von  Sumpf  und  Wasser  geschützt.  Häufig  war  sie  von  einem
tiefen  Graben  umgeben,  über  den  eine  Zugbrücke  führte.  Der  Burghof  wurde  von
den  Ställen  der  Pferde  und  dicken  Mauern  eingeschlossen.  Uber  dem  Eingangsthore
  befand  sich  ein  Turm,  auf  dem  der  Wächter  saß.  Er  verkündete  durch  sein  Horn
den  Bewohnern  der  Burg  den  friedlichen  Besuch  und  den  nahenden  Feind.

4.  Turniere.  Die  Ritter  führten  auf  ihren  Burgen  ein  lustiges  Leben.  Häufig
saßen  sie  beim  vollen  Becher  zusammen  und  ergötzten  sich  an  den  Erzählungen  ihrer
Heldenthaten,  oder  sie  zogen  in  den  Wald,  den  Eber  und  Hirsch  zu  jagen.  Am  meisten
Vergnügen  aber  gewährten  ihnen  die  Ritterspiele  oder  Turniere.  Diese  wurden
gewöhnlich  auf  dem  Marktplatze  einer  Stadt  abgehalten.  Ringsherum  war  er
dann  mit  einer  Planke  umgeben,  hinter  der  sich  die  Sitze  für  die  Zuschauer  erhoben.
Trompetengeschmetter  verkündete  den  Beginn  des  Kampfspieles.  In  strahlender
Rüstung  und  mit  wehenden  Helmbüschen  ritten  die  Ritter  paarweise  in  die  Schranken
und  sprengten  mit  eingelegter  Lanze  in  vollem  Galopp  aufeinander  los.  Es  galt,  den
Gegner  aus  dem  Sattel  zu  heben  oder  wenigstens  die  Lanze  an  seinem  stählernen
Brustharnisch  zu  zersplittern.  Beides  galt  als  Sieg.  Auf  das  1.  Paar  folgte  das  2.,
dann  das  3.  2c.;  zuweilen  aber  zogen  die  Ritter  auch  scharenweise  gegeneinander  auf.
Zum  Schluß  wurde  dem  Tapfersten  der  Preis  oder  Dank  zuerteilt.  Knieend  empfing
er  aus  den  Händen  der  vornehmsten  Dame  einen  Helm,  ein  Schwert,  eine  goldene
Kette  oder  irgend  ein  anderes  Kleinod.  Die  Turniere  waren  ein  edles.  aber  doch
gefährliches  Vergnügen.  Es  kam  nicht  selten  vor,  daß  Arme  und  Beine  gebrochen
wurden.  Einem  König  von  Frankreich  wurde  einmal  dabei  das  rechte  Auge  ausgestochen,
  und  in  Magdeburg  kamen  ein  andermal  sogar  16  Ritter  dabei  ums  Leben.