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Rudolf:  „Behüte  Gott,  daß  ich  das  Pferd  je  wieder  zu  Jagd  und  Streit  besteige,
das  meinen  Schöpfer  getragen;  möge  es  fortan  dem  göttlichen  Dienste  gewidmet  sein!“

4.  Kampf  mit  Ottokar.  Der  mächtige  Böhmenkönig,  Ottokar,  dem  auch  noch
Mähren,  Ostreich,  Kärnten,  Krain  und  Steiermark  gehörten,  hatte  sicher  auf  die  Wahl
zum  deutschen  Kaiser  gerechnet;  aber  er  sah  sich  getäuscht.  Daher  erschien  er  nicht  bei  der
Krönung,  verweigerte  auch  dem  „armen  Grafen“  den  Eid  der  Treue.  Das  bewog
den  Kaiser,  gegen  ihn  den  Reichskrieg  zu  eröffnen.  Aber  nur  wenige  Fürsten  folgten
ihm,  auch  fehlte  es  an  Geld.  Auf  die  Frage  eines  Ritters,  wer  der  Schatzmeister  sein
solle,  entgegnete  Rudolf:  „Ich  habe  keinen  Schatz,  diese  fünf  Pfennig  sind  all  mein
Geld;  aber  der  Herr,  der  mir  immer  beigestanden,  wird  mich  auch  jetzt  nicht  verlassen."“
Ohne  Widerstand  drang  er  in  Ostreich  ein.  Auf  dem  Marchfelde  kam  es  zur  Schlacht;
beide  Fürsten  nahmen  persönlich  teil  am  Kampfe.  Ottokar  aber  fiel  durch  die  Hand
eines  kaiserlichen  Ritters.  Von  den  Ländern  Ottokars  gab  Rudolf  Ostreich,  Steiermark
  und  Krain  seinen  eigenen  Söhnen  und  wurde  dadurch  der  Gründer  des  habsburgischen
  Herrscherhauses  in  Ostreich.  Böhmen  aber  verblieb  dem  Sohne  Ottokars.

5.  Rudolf  stellt  Ordnung  her.  Des  Kaisers  größte  Sorge  war,  Ruhe  und
Ordnung  im  Lande  herzustellen.  Besonders  streng  verfuhr  er  gegen  die  Raubritter.
„Keinen  halte  ich  für  adelig,“  sagte  er,  „der  von  Raub  und  unehrlicher  Hantierung
lebt.“  Als  er  nach  Erfurt  kam,  wurde  er  wie  ein  Befreier  des  Landes  begrüßt.
Schon  nach  wenigen  Tagen  hatte  er  in  der  Burg  Ilmenau  29  Raubritter  gefangen,
die  alle  vor  den  Thoren  der  Stadt  hingerichtet  wurden.  Im  Verein  mit  den  Erfurter
Bürgern  eroberte  er  dann  noch  in  Zeit  von  drei  Monaten  70  Raubburgen  und  machte
111  Gefangene,  die  alle  hingerichtet  wurden.  —  Oft  saß  er  persönlich  zu  Gericht,
und  Gehör  gewährte  er  jedermann.  Als  seine  Diener  einst  einen  armen  Mann  abweisen
  wollten,  sagte  er:  „Bin  ich  denn  Kaiser  geworden,  daß  ihr  mich  vor  den
Menschen  einschließet!“  Und  als  ihm  einmal  gesagt  wurde,  er  sei  oft  allzugütig,  entgegnete
  er:  „Es  hat  mich  schon  oft  gereut,  daß  ich  zu  streng  war;  nie  aber  wird  es
mich  gereuen,  daß  ich  zu  gut  gewesen  bin.“  So  verbreitete  er  Furcht  und  Schrecken
unter  die  Ubelthäter,  Freude  und  Frieden  aber  unter  das  lange  gedrückte  Volk.

6.  Rudolf  und  die  Bäckersfrau.  Der  Kaiser  war  sehr  einfach  in  seiner
Kleidung.  Gewöhnlich  trug  er  ein  graues  Wams,  das  er  sich  im  Kriege  zuweilen
selbst  flickte.  Als  er  einmal  sein  Hoflager  vor  Mainz  hatte,  ging  er,  wie  man  erzählt,
in  seiner  einfachen  Kleidung  in  die  Stadt.  Die  Kälte  trieb  ihn  in  das  Haus  eines
Bäckers.  Die  Frau  des  Bäckers  hielt  ihn  für  einen  gewöhnlichen  Soldaten  und  wies
ihn  mit  den  Worten:  „Troll  dich  zu  deinem  Bettelkaiser,  der  mit  seinen  Pferden  und
Knechten  das  ganze  Land  aufzehrt!“  zur  Thür  hinaus.  Rudolf  aber  lachte  und  blieb
ruhig  am  Ofen  stehen.  Das  verdroß  aber  die  Frau  dermaßen,  daß  sie  einen  Topf
mit  Wasser  nahm  und  es  ihm  über  den  Kopf  goß.  Ohne  ein  Wort  zu  sagen,  ging
der  Kaiser  davon.  Am  Mittag  schickte  er  ihr  durch  einen  Diener  einen  Korb  mit
Speisen  von  seiner  Tafel  und  ließ  ihr  sagen,  das  sei  der  Dank  für  die  Wassertaufe.
Als  die  Frau  erfuhr,  daß  sie  am  Morgen  den  Kaiser  in  ihrer  Stube  mit  Wasser  begossen
  hatte,  lief  sie  in  voller  Verzweiflung  zu  ihm  und  bat  ihn  fußfällig  um  Verzeihung.
  Er  aber  hob  sie  freundlich  auf  und  legte  ihr  keine  andere  Strafe  auf,  als
daß  sie  die  Geschichte  allen  Anwesenden  erzählen  mußte.

18.  Mlüaximilian  I.  1493—1519.

1.  Der  letzte  Ritter.  Maximilian  war  ein  tapferer,  ja,  oft  tollkühner  Hekd.
In  Ulm  bestieg  er  den  höchsten  Kranz  des  165  m  hohen  Münsterturms  und  stellte