—  33  —

Bücher.  Dadurch  erwachte  in  ihm  eine  große  Sehnsucht  nach  fernen  Ländern.  Er  wurde
Seemann,  studierte  fleißig  weiter  und  arbeitete  sich  vom  Matrosen  zum  Kapitän  empor.
2.  Seeweg  nach  Indien.  Die  kostbaren  Erzeugnisse  Indiens  wurden  damals
zu  Lande  durch  Karawanen  herbeigeholt.  Das  war  sehr  beschwerlich.  Man  bemühte
sich  deshalb,  einen  Seeweg  nach  Indien  zu  entdecken.  Auch  Kolumbus  beschäftigte
sich  mit  diesem  Gedanken.  Er  sagte:  „Da  die  Erde  eine  Kugel  ist  und  Indien  östlich
liegt,  so  muß  man  auch  dorthin  gelangen  können,  wenn  man  immer  westlich  segelt."“
3.  Erste  Reise.  Um  seinen  Plan  auszuführen,  ging  Kolumbus  zunächst  nach
Portugal  und  bat  um  Schiffe  und  Unterstützung;  aber  er  fand  kein  Gehör.  In
Spanien,  wo  Ferdinand  und  Isabella  herrschten,  war  man  seinen  Plänen  nicht  abgeneigt,
  aber  es  fehlte  an  Geld;  denn  Spanien  war  zu  jener  Zeit  mit  den  Mauren  in
einen  Krieg  verwickelt.  Erst  als  dieser  beendet  war,  rüstete  man  für  Kolumbus
drei  kleine  Schiffe  aus.  Im  August  1492  fuhr  er  mit  90  Mann  fort  und  zwar
zunächst  nach  den  kanarischen  Inseln.  Das  war  eine  Fahrt  in  bekannten  Gewässern.
  Nun  aber  ging  es  ins  unbekannte  Meer  hinaus,  wo  bei  dem  günstigen
Winde  die  Schiffe  schnell  dahinglitten.  Aber  die  unveränderte  Richtung  des  Windes
beängstigte  die  Schiffsleute,  da  sie  fürchteten,  nicht  wieder  zurückkehren  zu  können.
Kolumbus  aber  beruhigte  sie,  ließ  sie  jedoch  über  die  Größe  des  zurückgelegten  Weges
im  ungewissen.  Bald  zeigten  sich  nun  große  Scharen  von  Vögeln,  die  in  südwestlicher
Richtung  vorüberzogen.  Diese  Richtung  schlug  auch  Kolumbus  ein.  Da  mehrten  sich
die  Anzeichen  des  nahen  Landes.  Man  fand  einen  Baumast  mit  Beeren  und  einen
künstlich  geschnitzten  Stab.  Die  ganze  Mannschaft  war  in  gespanntester  Erwartung.
Es  war  am  70.  Tage  nach  der  Abfahrt.  Kolumbus  gab  Befehl,  streng  Wache  zu
halten,  da  er  Klippen  befürchtete.  Um  10  Uhr  abends  erblickte  er  Licht,  aber  es  verschwand
  wieder.  Da  —  um  2  Uhr  nachts  —  feuerte  ein  voraufsegelndes  Schiff
einen  Kanonenschuß  ab,  und  „Land,  Land!“  tönte  es  vom  Mastkorbe  herab.
Unter  Thränen  stürzte  sich  die  Mannschaft  in  die  Arme  und  sang  aus  voller  Seele:
„Herr  Gott,  dich  loben  wir"“.  Die  aufgefundene  Insel  hieß  Guanahani,  wurde
aber  von  Kolumbus  San  Salvador  genannt.  Ihre  Bewohner  gingen  nackt  umher
und  hatten  eine  kupferrote  Hautfarbe.  Sie  hielten  die  Weißen,  als  sie  deren
Kanonen  hörten,  für  Götter,  die  Blitz  und  Donner  in  ihrer  Hand  hätten.  Nachdem
  nun  Kolumbus  noch  Kuba  und  Haiti  entdeckt  hatte,  kehrte  er  zurück  nach
Spanien,  wo  er  mit  Jubel  und  ausgezeichneten  Ehren  empfangen  wurde.

4.  Fernere  Reisen.  Tod.  Kolumbus  unternahm  später  noch  3  Reisen  nach
dem  neu  entdeckten  Lande,  wurde  aber  vielfach  einer  schlechten  Verwaltung  der  ihm
anvertrauten  Länder  verdächtigt  und  einst  sogar  von  Haiti  in  Ketten  nach  Spanien
gebracht.  Auch  seine  vierte  und  letzte  Reise  brachte  ihm  nur  Gram  und  Kummer.
Bei  seiner  Heimkehr  wurde  er  in  Spanien  kühl  ausgenommen.  Isabella  war
gestorben.  Ferdinand  aber  kümmerte  sich  nicht  mehr  um  ihn.  So  starb  Kolumbus,
mit  Undank  belohnt.  Die  Ketten,  mit  denen  er  in  Haiti  gefesselt  war,  wurden  ihm,
wie  er  es  gewünscht  hatte,  in  seinen  Sarg  gelegt.  Seine  Leiche  wurde  zuerst  auf
Haiti  beigesetzt,  später  aber  nach  Habana  auf  Kuba  übergeführt.

VIII.  Die  Kirchenspaltung  und  der  dreißigjährige  Krieg.
24.  Johann  Huß.  1415.

1.  Lehre.  Johann  Huß  war  Professor  in  Prag.  Er  behauptete,  einige
Menschen  seien  zur  Seligkeit,  andre  zur  Verdammnis  bestimmt,  und  gegen  diese

höhere  Bestimmung  vermöchten  sie  nichts.  Sodann  lehrte  er,  es  gebe  kein  sicht-Realienbuch.
  B.  8.  3