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bares  Oberhaupt  der  Kirche.  Besonders  eiferte  er  auch  gegen  die  Lehre  von  der
Ohrenbeichte,  vom  Fegefeuer  und  vom  Ablaß.  Auch  forderte  er,  daß  man  den
Laien  beim  Abendmahl  den  Kelch  reiche.

2.  Konzil  zu  Konstauz.  Huß  wurde  deshalb  vor  das  Konzil  zu  Konstanz
berufen.  Er  erhielt  vom  Kaiser  Sigismund  einen  Geleitsbrief.  In  Konstanz  verlangte
  man  von  Huß,  er  sollte  widerrufen.  Er  aber  beharrte  bei  seiner  Lehre.
Deshalb  sahen  sich  die  Bischöfe  genötigt,  ihn  für  einen  „Ketzer“  zu  erklären.
Die  Ketzerei  wurde  damals  zugleich  als  ein  Staatsverbrechen  angesehen,  worauf
die  Todesstrafe  stand.  Die  weltliche  Regierung  verbrannte  also  den  Huß  nach
ihren  Gesetzen  als  einen  irrgläubigen,  aufrührerischen  und  höchst  gefährlichen
Menschen.  Die  Stelle,  wo  Huß  verbrannt  wurde,  ist  durch  einen  großen  Steinblock
  gekennzeichnet.

3.  Hussitenkrieg.  1419—1436.  Huß  hatte  in  Böhmen  viele  Anhänger.
Als  sie  von  seinem  Feuertode  hörten,  ergriff  sie  wilder  Zorn.  Ritter,  Bauern,
Handwerker  u.  a.  scharten  sich  zusammen.  Zu  ihrem  Anführer  wählten  sie  den
wilden  Ziska  (d.  h.  der  Einäugige).  In  ihren  Fahnen  flatterte  das  Bild  des
Kelches,  und  dem  Zuge  voran  ging  ein  Priester  mit  dem  Kelche  in  der  Hand.
1419  drangen  sie  ins  Prager  Rathaus  und  stürzten  13  Ratsherren  zum  Fenster
hinaus,  weil  diese  Befehle  gegen  ihre  Versammlungen  erlassen  hatten.  Dann
plünderten  sie  Kirchen  und  Klöster  und  verübten  furchtbare  Grausamkeiten  an  den
Katholiken.  Den  Kaiser  Sigismund  wollten  sie  als  König  von  Böhmen  nicht
anerkennen,  weil  er  wortbrüchig  geworden  sei.  Er  schickte  mehrere  Heere  gegen
sie,  aber  diese  konnten  nichts  ausrichten.

Mit  Sensen,  Keulen,  Dreschflegeln  und  Lanzen  bewaffnet,  durchzogen  die  Hussiten
Böhmen,  Bayern  und  Franken  und  verwüsteten  alles  Land  rings  umher.  Alle  Einwohner  —
mit  Ausnahme  der  Gläubigen  —  sollten  vernichtet  werden,  alle  Bücher  außer  der  Bibel
vertilgt,  alle  Kirchen,  Klöster  und  Altäre  niedergerissen  werden,  da  man  sie  zu  den  heiligen
Handlungen  nicht  gebrauche.  In  einer  Stadt,  die  Ziska  mit  Sturm  genommen,  ließ  er
alle  noch  übrigen  Einwohner  in  die  Sakristei  einsperren,  ringsherum  Stroh  anhäufen  und
sie  verbrennen.  Als  einst  seine  Soldaten  auf  dem  Marsche  in  der  Nacht  wegen  der  dichten
Finsternis  den  Weg  nicht  sehen  konnten,  ließ  er  eine  katholische  Stadt  anzünden,  damit
ihnen  diese  leuchte.  Alle  diese  Grausamkeiten  aber  vergalten  die  Katholiken  in  gleicher
Weise.  Gefangene  Hussiten  banden  sie  an  die  Schwänze  der  Pferde  und  ließen  sie  zu  Tode
schleifen,  oder  sie  stürzten  sie  in  tiefe  Abgründe,  daß  sie  dort  elendiglich  umkämen.

Durch  einen  Pfeil  verlor  Ziska  später  auch  das  zweite  Auge;  aber  nach  wie
vor  führte  er  die  Seinen  zum  Kampf  und  Sieg,  bis  ihn  die  Pest  dahinraffte.
Nach  seinem  Tode  wurde  seine  Haut,  wie  er  befohlen  hatte,  gegerbt  und  über
eine  Trommel  gespannt,  damit  er  auch  jetzt  noch  dem  Feinde  zum  Schrecken  diene.
Jetzt  wurde  Prokopius  Anführer  der  Hussiten.  Auch  unter  seiner  Führung
bezeichneten  Flamme  und  Rauch  den  Weg,  den  die  Hussiten  genommen  hatten.
(In  Naumburg  jedoch,  wo  nach  der  Sage  der  wilde  Prokop,  durch  das  Flehen
der  Kinder  gerührt,  Kirschen  unter  sie  austeilen  ließ,  sind  die  Hussiten  niemals
gewesen.)  Im  Jahre  1436  kam  ein  Vertrag  zu  stande,  in  dem  die  Hussiten
Sigismund  als  König  anerkannten,  wogegen  ihnen  der  Kelch  beim  Abendmahl  zugestanden

  wurde.
25.  Die  Kirchentrennung.
1.  Der  Ablaß.  In  den  ersten  Jahrhunderten  ging  die  Kirche  gegen  solche

ihrer  Mitglieder,  die  in  grober  Weise  die  Gebote  Gottes  übertreten  hatten,  mit
großer  Strenge  vor.  So  z.  B.  gestattete  sie  ihnen  nicht,  am  öffentlichen  Gottes-