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größer  war,  forderten  ihn  auf,  sich  zu  ergeben.  Alles  Unrecht  sollte  dann  ver—
gessen  sein.  Doch  Münzer  wollte  von  Übergabe  nichts  hören.  Mit  begeisterten
Worten  ermutigte  er  die  Seinen  zum  Kampfe.  Zufällig  zeigte  sich  während  seiner
Rede  ein  Regenbogen  am  Himmel.  Da  rief  er:  „Hebet  eure  Augen  auf  und
sehet,  wie  günstig  uns  Gott  ist!  Schauet  den  schönen  Friedensbogen!  Der  Himm—
lische  wird  uns  schützen  und  unsern  Feinden  den  Untergang  bereiten.  Wer  von
euch  in  den  vordern  Reihen  fällt,  der  steht  hinten  wieder  auf,  wenn  die  andern
vorüber  marschiert  sind..  Die  Kugeln,  die  vom  Feinde  auf  uns  geschossen  werden,
fange  ich  allein  mit  meinem  weiten  Priestermantel  auf.“  Nun  stimmte  das  Heer
ein  geistlich  Lied  an  und  zog  dem  Feinde  entgegen;  aber  in  kurzer  Zeit  lagen
die  meisten  tot  am  Boden.  Münzer  flüchtete  nach  Frankenhausen  und  hielt  sich
in  einem  Bette  versteckt.  Er  wurde  jedoch  aufgefunden  und  nach  Mühlhausen
gebracht,  wo  er  gefoltert  und  dann  mit  25  Genossen  hingerichtet  wurde.

27.  Karl  V.  (1519—1556)  und  der  schmalkaldische  Krieg  (1547).

1.  Stellung  zu  Luthers  Lehre.  Nach  dem  Tode  Maximilians  wurde  sein
Enkel  Karl,  König  von  Spanien,  zum  Kaiser  von  Deutschland  gewählt.  Er  war
der  mächtigste  Fürst  seiner  Zeit,  und  in  seinem  weiten  Reiche  (das  sich  auch  über
einen  großen  Teil  Südamerikas  erstreckte)  ging,  wie  er  selbst  sagte,  die  Sonne
nicht  unter.  Als  eifriger  Anhänger  der  katholischen  Kirche  erklärte  er  den
deutschen  Fürsten  auf  dem  Reichstage  zu  Worms  (S.  35),  daß  er  entschlossen
sei,  alle  seine  Reiche,  Freunde,  Leib  und  Leben  dahin  zu  verwenden,  daß  der
deutschen  Nation  die  katholische  Religion  erhalten  werde.  Wegen  seiner  Kriege
mit  Frankreich  konnte  sich  der  Kaiser  jedoch  nicht  viel  um  den  Fortgang  der
Reformation  kümmern.

2.  Reichstag  zu  Speier.  Augsburgische  Koufession.  Als  die  Reformation
aber  immer  weiter  um  sich  griff,  hielt  er  1529  zu  Speier  einen  Reichstag  ab.
Hier  beschlossen  die  katholischen  Fürsten,  daß  die  Evangelischen  in  Religionssachen
  sich  aller  Neuerungen  enthalten  sollten.  Die  evangelischen  Fürsten  von
Hessen,  Kursachsen,  Lüneburg  und  Anhalt  sowie  14  Reichsstädte  protestierten
gegen  diesen  Beschluß,  und  so  erhielten  fortan  alle,  die  der  Reformation  zugethan
waren,  den  Namen  Protestanten.  Im  nächsten  Jahre  (1530)  wurde  in  Augsburg
  ein  Reichstag  abgehalten.  Hier  überreichten  die  Protestanten  das  von  Melanchthon,
  dem  Freunde  Luthers,  verfaßte  Glaubensbekenntnis  (augsburgische
Konfession).  In  diesem  war  in  28  Artikeln  dasjenige,  worin  man  mit  den
Katholiken  übereinstimme  und  worin  man  abweiche,  klar  gelegt  worden.

3.  Schmalkaldischer  Bund.  Nürnberger  Religionsfriede.  Der  Kaiser  ließ
eine  Schrift  zur  Widerlegung  der  augsburgischen  Konfession  anfertigen  und  forderte
die  evangelischen  Fürsten  auf,  bis  zum  15.  März  1531  zum  katholischen  Glauben
zurückzukehren.  Infolgedessen  schlossen  sie  1531  den  „schmalkaldischen  Bund“,
dessen  Häupter  der  Kurfürst  Johann  Friedrich  von  Sachsen  und  der  Landgraf
Philipp  von  Hessen  waren.  Als  dann  aber  zu  dieser  Zeit  die  Türken  Wien
bedrohten,  bewilligte  der  Kaiser  den  Protestanten,  um  ihres  Beistandes  sicher
zu  sein,  1532  den  Nürnberger  Religionsfrieden.  Darin  wurde  festgesetzt,  daß
bis  zur  nächsten  Kirchenversammlung  keiner  seines  Glaubens  wegen  beinträchtigt
werden  solle.

4.  Das  Konzil  zu  Trient  (1545—1563).  Die  katholische  Kirche  verlor
durch  Luthers  Lehre  nicht  nur  in  Deutschland,  sondern  auch  in  andern  Ländern