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seinem  Gegner  nicht  in  die  Hände  zu  fallen,  mußte  er  bei  Nacht  und  Nebel
fliehen.  Er  ließ  sich  in  einer  Sänfte  durch  die  Tyroler  Alpen  tragen  und  entkam
  so  glücklich  seinem  Feinde.  Der  Kurfürst  von  Sachsen  hatte  am  Tage  zuvor
seine  Freiheit  erhalten,  folgte  aber  dem  Kaiser,  wie  er  versprochen,  noch  einige
Tage.  1552  wurde  zu  Passau  ein  Vertrag  geschlossen.  Darin  wurde  bestimmt,
daß  bis  zum  nächsten  Reichstage  niemand  seiner  Religion  wegen  beunruhigt  und
der  Landgraf  Philipp  von  Hessen  sofort  in  Freiheit  gesetzt  werden  solle.  Durch
den  3  Jahre  später  (1555)  zu  Augsburg  geschlossenen  Religionsfrieden  erhielten
  die  Protestanten  völlige  Religionsfreiheit  und  Rechtsgleichheit  mit  den
Katholiken.

7.  Karls  Abdankung.  Der  Augsburger  Religionsfrieden  hatte  den  Lieblingsplan
  Karls,  die  Einheit  der  Kirche  aufrecht  zu  erhalten,  vernichtet.  Damit
war  sein  Streben  für  die  Dinge  dieser  Welt  zu  Ende.  Da  außerdem  sein  Körper
von  Gicht  und  andern  Leiden  hart  geplagt  wurde,  so  beschloß  er,  der  Regierung
und  der  Welt  zu  entsagen  und  sein  Leben  in  stiller  Zurückgezogenheit  zu  beschließen.
  Daher  übertrug  er  zu  Brüssel  seinem  Sohne  Philipp  zuerst  die  Niederlande
  und  etwas  später  auch  Spanien,  Neapel  und  die  neuentdeckten  Länder  in
Amerika.  Die  deutschen  Länder  aber  erhielt  sein  Bruder  Ferdinand.  Dann  begab
er  sich  nach  Spanien,  wo  er  sich  neben  dem  Kloster  San  Juste  ein  Landhaus
hatte  erbauen  lassen.

Hier  verbrachte  er  die  beiden  letzten  Jahre  seines  Lebens,  umgeben  mit  fürstlicher
Pracht.  Die  Volkssage  aber  hat  diesen  Aufenthalt  zu  einem  klösterlichen  Leben  umgestaltet
und  läßt  den  Kaiser  seine  Zeit  mit  Gebet,  Gartenpflege  und  Uhrmacherarbeit  ausfüllen.
So  soll  er  sich  einst  vergeblich  bemüht  haben,  2  Uhren  ganz  gleichgehend  zu  machen  und
dabei  ausgerufen  haben:  „Nicht  einmal  2  Uhren  kann  ich  unter  ein  Gesetz  bringen,  und
ich  Thor  wähnte,  so  viele  verschiedene  Völker  wie  ein  Uhrwerk  regieren  zu  können!“  Um
sich  mit  dem  Sterben  vertraut  zu  machen,  so  wird  berichtet,  habe  er  einmal  sein  eignes
Leichenbegängnis  gefeiert,  sich  in  einen  Sarg  gelegt  und  eine  Totenmesse  halten  lassen.  Er
starb  1558.

28.  Der  dreißigjährige  Krieg.

1.  Veranlassung.  Auch  in  Böhmen  hatte  Luthers  Lehre  Eingang  gefunden.
Es  wurde  aber  hier  den  Evangelischen  nicht  gestattet,  Kirchen  zu  bauen.  Da
wandten  sie  sich  an  den  Kaiser,  erhielten  aber  eine  abweisende  Antwort.  Darüber
erzürnt,  drang  ein  bewaffneter  Haufe  ins  Prager  Schloß  und  stürzte  einige  Räte
des  Kaisers  zum  Fenster  hinaus,  weil  man  ihnen  schuld  gab,  das  keiserliche

Schreiben  bewirkt  zu  haben.  Sie  nahmen  jedoch  durch  den  12—15  Meter  tiefen
Sturz  keinen  Schaden.

2.  Der  böhmische  Krieg.  Nach  dem  Tode  des  Kaisers  Matthias  wurde
Ferdinand  II.  Kaiser  und  damit  auch  zugleich  König  von  Böhmen.  Die  protestantischen
  Böhmen  wollten  aber  keinen  katholischen  König,  sondern  einen  evangelischen.
Sie  weigeten  sich  daher,  ihn  als  König  anzuerkennen,  und  wählten  den  Kurfürsten
  Friedrich  von  der  Pfalz  zu  ihrem  Könige.  Jetzt  entbrannte  der  Krieg.
Die  katholischen  Fürsten  hatten  schon  früher  ein  Bündnis  geschlossen  (die  Liga),
ebenso  die  protestantischen  (die  Union).  Das  Haupt  der  Liga  war  Maximilian
von  Bayern.  Ferdinand  schloß  sich  der  Liga  an,  doch  behielt  sich  Maximilian
die  alleinige  Leitung  der  Liga  vor.  Sein  Oberfeldherr  war  Tilly.  Schon
im  nächsten  Jahre  (1620)  wurde  Friedrich  am  weißen  Berge  bei  Prag