—  44  —

Dieser  ließ  sich  taufen,  und  da  er  kinderlos  war,  setzte  er  Albrecht  zum  Erben  seines
Landes  ein.  Nach  seinem  Tode  nahm  Albrecht  Brandenburg  in  Besitz.  Jazzo  aber,  ein
Verwandter  Pribislaws,  machte  ihm  das  Land  streitig.  Durch  Verrat  drang  er  in  die
Hauptstadt  ein,  wurde  jedoch  vertrieben  und  besiegt,  und  nun  war  Albrecht  Herr  des
Landes  bis  zur  Oder  hin.  Er  verlegte  seinen  Sitz  von  Salzwedel  nach  Brandenburg  und
führte  den  Titel  „Markgraf  von  Brandenburg“.  Die  Götzen  der  Heiden  ließ  er  vernichten,
ihre  Tempel  aber  in  christliche  Kirchen  umwandeln.  Um  das  Land  urbar  zu  machen,  zog
er  aus  Holland  und  vom  Rhein  Ansiedler  herbei.  Durch  diese  wurden  Dörfer  angelegt,
Sümpfe  ausgetrocknet  und  deutsche  Sitten  und  christlicher  Sinn  im  Lande  ausgebreitet.

3.  Die  Raubritter  in  der  Mark.  Nach  Albrechts  Tode  kam  Brandenburg  im
Laufe  der  Zeit  noch  an  viele  Herren.  1356  wurde  es  durch  die  „goldene  Bulle“  (so
benannt  nach  der  goldenen  Kapsel,  die  das  Siegel  des  Schriftstückes  umschloß)  zu  einem
Kurfürstentum  erhoben.  Ums  Jahr  1400  fiel  es  an  den  Kaiser  Sigismund.  Da  dieser
oft  in  Geldnot  war,  so  verpfändete  er  die  Mark  an  seinen  Vetter  Jobst  von  Mähren.
Der  war  nur  darauf  bedacht,  sich  in  dem  fremden  Lande  zu  bereichern,  und  drückte
die  Unterthanen  mit  harten  Steuern.  Auch  ließ  er  sich  alle  Jahr  nur  einmal  in  der
Mark  sehen  und  zwar,  um  das  zusammengescharrte  Geld  in  Empfang  zu  nehmen.  Die
Ritter  aber  versagten  ihm  den  Gehorsam;  sie  wollten  nur  dem  Kaiser  unterthan  sein.
Um  ihre  Freundschaft  zu  gewinnen,  setzte  Jobst  die  beiden  trotzigsten,  Dietrich  und  Hans
von  Quitzow,  zu  Statthaltern  in  der  Mark  ein.  Jetzt  hatten  sie  freies  Spiel.  Mit
ihren  Kriegsleuten  zogen  sie  von  einer  Stadt  zur  andern  und  plünderten  überall,  wo
ihnen  nicht  große  Summen  gezahlt  wurden.  Selbst  Berlin  gab  ihnen  Feste  und
Schmausereien,  um  gegen  ihre  Einfälle  gesichert  zu  sein.  Der  Bauer  war  weder  seines
Lebens  noch  seines  Eigentums  sicher.  Viele  Ritter  scheuten  sich  auch  nicht,  an  der
Landstraße  dem  Kaufmanne  aufzulauern  und  ihm  seine  Ware  zu  rauben.

50.  Die  Hohenzollern  in  der  Mark.

1.  Friedrich  I.  (1415—1440).  Endlich  kam  dem  zerrütteten  Lande  ein  Helfer;
das  war  der  Burggraf  Friedrich  VI.  von  Nürnberg,  aus  dem  Hause  der  Hohenzollern.
Dieser  hatte  dem  Kaiser  Sigismund  zur  Kaiserkrone  verholfen  und  ihm  stets  treu
zur  Seite  gestanden.  Dafür  ernannte  ihn  der  Kaiser  jetzt  zum  Statthalter  der  Mark.
Brandenburg  und  viele  andre  Städte  nahmen  den  Burggrafen  willig  auf;  jedoch  die
Ritter  des  Havellandes,  an  ihrer  Spitze  Dietrich  und  Hans  von  Quitzow,  verweigerten
„dem  Nürnberger  Tand“  den  Eid  der  Treue  und  spotteten:  „Wenn  es  auch  ein  ganzes
Jahr  Burggrafen  regnet,  so  wollen  wir  sie  doch  nicht  aufkommen  lassen“.  Friedrich
aber  zog  mit  einer  Kanone,  ihrer  Schwere  wegen  „faule  Grete“  genannt,  vor  ihre
festen  Schlösser  und  eroberte  eine  Burg  nach  der  andern.  Dietrich  von  Quitzow  entfloh,
Hans  wurde  gefangen  genommen,  die  andern  Ritter  aber  baten  demütig  um  Gnade.  —
1415  verlieh  der  Kaiser  dem  Burggrafen  aus  Dankbarkeit  für  die  ihm  geleisteten
Dienste  die  Mark  Brandenburg  mit  der  Kurfürstenwürde  als  erbliches  Eigentum.
Friedrich  VI.  nannte  sich  von  jetzt  ab  Friedrich  I.  1417  fand  auf  dem  Konzil  zu
Konstanz  die  feierliche  Belehnung  statt.  So  ist  Friedrich  der  Stammvater  der  noch
jetzt  in  Preußen  herrschenden  Hohenzollern  geworden.

2.  Friedrich  II.  (1440—1470),  genannt  „Eisenzahn“,  der  Sohn  Friedrichs  I.,
war  ein  Fürst  von  echter  Frömmigkeit.  Die  ihm  widerstrebenden  Schwesterstädte
Berlin  und  Köln  an  der  Spree  verstand  er  mit  starker  Hand  zum  Gehorsam  zu  zwingen.
Sie  hatten  ihm  mehrmals  ihre  Thore  verschlossen.  Als  dann  aber  ein  Streit  zwischen
dem  Magistrate  und  der  Bürgerschaft  ausbrach,  rief  der  Magistrat  die  Hilfe  des  Landesherrn
  an.  Friedrich  kam  mit  6000  Reitern  und  zog  ungehindert  in  die  Stadt.  Fortan