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behielt  er  die  Schlüssel  aller  Thore  in  Gewahrsam.  Um  aber  die  Städte  auch  fernerhin  in
Gehorsam  halten  zu  können,  legte  er  an  der  Spree  eine  fürstliche  Burg  an,  die  er  1451
bezog  und  die  noch  heute  einen  Teil  des  großen  königlichen  Schlosses  in  Berlin  ausmacht.

3.  Albrecht  Achilles  (1470—1486).  Do  Friedrich  II.  seinen  einzigen  Sohn
durch  den  Tod  verlor,  so  kam  nach  ihm  sein  Bruder  Albrecht  auf  den  Thron.  Wegen
seiner  Tapferkeit  wurde  er  der  deutsche  Achilles  genannt.  Er  ist  besonders  dadurch
wichtig,  daß  er  das  „hohenzollernsche  Hausgesetz“  herausgab.  Diesem  Gesetze  gemäß
sollte  die  Mark  Brandenburg  nie  geteilt  werden,  sondern  immer  ungeteilt  dem  ältesten
Sohne  oder  sonstigen  Erben  zufallen.  Durch  dieses  Gesetz  wurde  die  Zerstückelung
des  Landes  verhütet  und  das  Wachstum  desselben  begünstigt.

4.  Joachim  I.  (1499—1535)  war  bei  seinem  Regierungsantritte  erst  15  Jahr
alt.  Die  Raubritter  fingen  deshalb  ihr  altes  Räuberhandwerk  bald  wieder  an;  denn
sie  meinten,  vor  dem  jungen  Kurfürsten  sicher  zu  sein.  Aber  sie  irrten  sich;  er  ließ
die  Räuber  fangen  und  hinrichten.  Da  schrieb  ihm  einer  der  Ritter  an  die  Thür:
„Joachimken,  Joachimken,  höde  di,  fangen  wi  di,  so  hangen  wi  di.“  Dennoch  fuhr
Joachim  fort,  die  Ubelthäter  zu  verfolgen.  —  Zu  seiner  Zeit  trat  in  Wittenberg  der
Reformator  Luther  auf,  aber  Joachim  wollte  von  einer  Reformation  durch  einen  Mönch
nichts  wissen.  Trotzdem  breitete  sich  die  Reformation  in  der  Mark  aus,  ja,  Joachims
eigene  Gemahlin,  Elisabeth,  war  ihr  zugethan.

5.  Joachim  II.  (1535—  1571),  der  Sohn  Joachims  I.,  trat  auf  Wunsch  seiner
Mutter  1539  zur  lutherischen  Lehre  über,  und  nun  verbreitete  sich  diese  sehr  schnell  in
der  Mark.  —  Mit  dem  Herzoge  von  Liegnitz  schloß  er  einen  Erbvertrag,  auf  den
Friedrich  II.  später  seine  Ansprüche  auf  Schlesien  gründete.  Es  wurde  nämlich  festgesetzt,
  daß  beim  Aussterben  der  Kurfürsten  von  Brandenburg  ihr  Land  an  den  Herzog
von  Liegnitz  und  beim  Aussterben  der  Herzöge  von  Liegnitz  deren  Land  an  Brandenburg
  fallen  sollte.  Auch  mit  dem  Könige  von  Polen  schloß  er  einen  Erbvertrag,
demgemäß  das  damals  unter  polnischer  Lehnshoheit  stehende  Herzogtum  Preußen  nach
dem  Aussterben  der  preußischen  Herzöge  an  Brandenburg  fallen  sollte.

6.  Johann  Sigismund  (1608—1619)  erhielt  durch  Erbschaft  das  Herzogtum
Cleve  und  die  Grafschaften  Mark  und  Ravensberg,  die  den  Kern  der  später  bedeutend
  erweiterten  Rheinlande  bilden.  Da  zu  seiner  Zeit  auch  die  Herzöge  in  Preußen
ausstarben,  so  erhielt  er  ihr  Land  als  Lehen  von  Polen  (s.  Joachim  II.).

7.  Das  Ordensland  Preußen.  Die  alten  heidnischen  Bewohner  Preußens  wurden  erst
zu  Anfang  des  13.  Jahrhunderts  für  das  Christentum  gewonnen.  Um  diese  Zeit  kam  der  Mönch
Christian  von  Oliva  in  das  Land  und  suchte  die  christliche  Lehre  auszubreiten.  Aber  die  Neubekehrten
  hatten  viel  von  ihren  heidnischen  Landsleuten  zu  leiden.  Da  wandte  sich  Christian  an
den  Orden  der  Deutschritter  (S.  25),  der  damals  seinen  Sitz  in  Venedig  hatte,  und  dieser  kam
auf  seinen  Ruf  nach  Preußen.  Die  heidnischen  Einwohner  wehrten  sich  gegen  die  Eindringlinge
mit  aller  Macht,  doch  endlich  erlagen  sie  und  nahmen  das  Christentum  an.  Der  Hochmeister
des  Ordens  hatte  seinen  Sitz  in  der  herrlichen  Marienburg,  die  jetzt  wieder  erneuert  ist
und  wegen  ihrer  Pracht  bewundert  wird.  Zu  Anfang  des  15.  Jahrhunderts  wurde  der
Orden  mit  Polen  in  einen  Krieg  verwickelt,  worin  er  (in  der  Schlacht  bei  Tannenberg  1410)
unterlag.  Ganz  Westpreußen  wurde  infolgedessen  später  mit  Polen  vereinigt,  und  nur  Ostpreußen
  verblieb  dem  Orden  als  polnisches  Lehen.  Um  die  Macht  des  Ordens  zu  heben,
wurde  der  Markgraf  Albrecht  aus  dem  mächtigen  Hause  Brandenburg  zum  Hochmeister  des
Ordens  gewählt.  Dieser  trat  bald  darauf  zur  lutherischen  Kirche  über  und  verwandelte  das
Ordensland  Preußen  in  ein  weltliches  Herzogtum  unter  polnischer  Lehnshoheit.  (S.  obenl)

SI.  Friedrich  Wilhelm  der  große  Kurfürst.  1640—1688.

1.  Die  Verhältnisse  in  Deutschland  und  Brandenburg  bis  zu  seinem  Regierungsantritt.
  Als  Friedrich  Wilhelm  die  Regierung  antrat,  wütete  in  Deutschland