—  47  —

Gewehrfabriken,  Glashütten,  Fisenhämmer  und  Tabaksfabriken  erbauen.  Durch  Verbot
ausländischer  Waren  schützte  er  das  heimische  Gewerbe.  Für  die  Armen  und  Obdachlosen
  ließ  er  ein  Armen=  und  Spinnhaus  errichten,  wodurch  in  Berlin  der  Anfang
zur  Armenpflege  gemacht  wurde.  —  Besonders  auch  strebte  er  danach,  sein  aus  vielen
verschiedenartigen  Gebietsteilen  zusammengesetztes  Land  zu  einem  Einheitsstaate
umzugestalten.  Unter  schweren  Kämpfen  brach  er  die  Sonderrechte  der  einzelnen  Provinzen,
  so  daß  zuletzt  in  ganz  Brandenburg  nur  sein  Wort,  sein  Wille  galt.

5.  Der  große  Kurfürst  wird  unabhängiger  Herzog  in  Ostpreußen.  Seit
Johann  Sigismund  (S.  45)  besaßen  die  Kurfürsten  von  Brandenburg  Ostpreußen
als  polnisches  Lehen.  Zur  Zeit  des  großen  Kurfürsten  entstand  zwischen  Polen  und
Schweden  Krieg.  Der  König  von  Schweden  siegte  über  Polen  und  nötigte  den  Kurfürsten,
  ihn  zum  Lehnsherrn  in  Ostpreußen  anzuerkennen  und  sich  mit  ihm  zu  verbünden.
  Der  Polenkönig,  darüber  entrüstet,  drohte  dem  Kurfürsten,  ihn  in  einen  Kerker
werfen  zu  lassen,  wo  ihm  weder  Sonne  noch  Mond  scheine.  Friedrich  Wilhelm  aber
rückte  in  Gemeinschaft  mit  den  Schweden  gegen  die  Polen  vor,  und  so  kam  es  zu  der
dreitägigen  Schlacht  bei  Warschau,  wo  die  Polen  eine  vollständige  Niederlage  erlitten.
In  dem  endlich  zu  Oliva  (bei  Danzig)  abgeschlossenen  Frieden  (1660)  wurde  dem  Kurfürsten
  die  Unabhängigkeit  des  Herzogtums  Preußen,  die  ihm  schon  vorher  von
Schweden  und  Polen  zugesichert  war,  bestätigt.

6.  Ringen  des  großen  Kurfürsten  gegen  die  französische  Eroberungssucht.
In  Frankreich  regierte  zur  Zeit  des  großen  Kurfürsten  Ludwig  XIV.  Dieser  führte  unaufhörlich
  Krieg  mit  seinen  Nachbarn;  besonders  hatte  Deutschland  von  ihm  zu  leiden.
Wollte  er  doch  den  Rhein  zum  Grenzfluß  zwischen  Frankreich  und  Deutschland  machen.
Der  einzige  von  allen  deutschen  Fürsten,  der  diese  Gefahr  rechtzeitig  erkannte,  war
Friedrich  Wilhelm.  Als  nun  Ludwig  XIV.  in  einem  Kriege  mit  den  Holländern  die
linksrheinischen  Länder  des  Kurfürsten  besetzte,  verband  sich  dieser  mit  Holland  und
rückte  an  den  Rhein.  Leider  konnte  er  aber  nichts  ausrichten  und  mußte  mit  Frankreich
Frieden  schließen  (1673).  Als  dann  aber  ein  Jahr  darauf  die  Franzosen  in  die  Pfalz
einfielen  und  hier  alles  verwüsteten,  rückte  Friedrich  Wilhelm  abermals  an  den  Rhein
und  stellte  sich  dem  Erbfeinde  Deutschlands  entgegen.

7.  Einfall  der  Schweden.  Während  er  nun  mit  seinen  Truppen  am  Rhein
stand,  fielen  die  Schweden,  von  den  Franzosen  aufgewiegelt,  in  sein  Land  ein.  Als
der  Kurfürst  davon  erfuhr,  eilte  er  sofort  in  die  Heimat.  Die  Bauern,  die  eine  Art
geordnete  Landwehr  bildeten,  hatten  sich  unterdessen  mit  Sensen  und  Heugabeln  bewaffnet
  und  waren  gegen  die  Schweden  ausgezogen.  Ihre  Fahnen  trugen  die  Inschriften:
„Wir  sind  Bauern  von  geringem  Gut  und  dienen  unserm  Kurfürsten  mit  Leib  und
Blut.“  Sie  vermochten  jedoch  nichts  auszurichten.

8..  Fehrbellin.  Ehe  sich's  die  Schweden  versahen,  war  der  große  Kurfürst  mit
seiner  Armee  in  der  Mark.  Eiligst  zogen  sie  sich  nun  hinter  den  Rhin  (Nebenfluß  der
Havel)  zurück.  Aber  am  Morgen  des  18.  Juni  kam  es  bei  Fehrbellin  zur  Schlacht.
Den  6000  Reitern  des  Kurfürsten  stand  die  doppelte  Zahl  des  Feindes  entgegen.  Der
Kurfürst  selbst  stürzte  sich  in  den  Kampf,  und  mancher  Feind  ward  von  seiner  Hand
zu  Boden  geschmettert.  Als  die  Dragoner  ihren  Führer  verloren,  stellte  er  sich  an  ihre
Spitze  und  rief:  „Getrost,  tapfere  Soldaten!  Ich,  euer  Fürst  und  Hauptmann,  will
siegen  oder  zugleich  mit  euch  sterben!“  Einmal  war  er  während  des  Kampfes  dicht
von  Feinden  umringt;  er  schien  verloren.  Da  sprengten  neun  Dragoner  heran  und
hieben  ihn  wieder  heraus.

9.  Stallmeister  Froben.  Der  Kurfürst  ritt  in  dieser  Schlacht  einen  Schimmel.  Das
hatten  die  Schweden  entdeckt  und  richteten  fortwährend  ihre  Geschosse  auf  ihn.  Dicht  um  ihn