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hernach  aus  der  Erde  auferwecken.“  —  Die  Gemahlin  des  Kurfürsten  hieß  Luise
Henriette.  Sie  war  eine  sehr  fromme  Frau.  Von  ihr  ist  das  Waisenhaus  in
Oranienburg  gegründet  worden.

32.  Friedrich  I.  1688—1713.

1.  Streben  nach  der  Königskrone.  Der  große  Kurfürst  hatte  Brandenburg  zum
mächtigsten  Staate  Deutschlands  erhoben.  Er  besaß  ein  großes,  schlagfertiges  Heer,
und  sein  Land  war  größer  als  manches  Königreich.  Sein  Sohn  und  Nachfolger
wollte  nun  seinem  Staate  auch  noch  den  äußern  Glanz  verleihen  und  strebte  daher
nach  der  Königskrone.  In  diesem  Streben  wurde  er  auch  noch  durch  seine  Prachtliebe
unterstützt;  denn  in  jener  Zeit  gaben  alle  Fürsten  viel  auf  äußern  Glanz.  Zum
Tragen  der  Königskrone  mußte  er  aber  die  Einwilligung  des  Kaisers  haben.  Lange
verhandelte  er  mit  dem  Kaiser.  Endlich  gab  dieser  seine  Zustimmung,  daß  er  sich  zum
König  „in  Preußen“  krönen  lassen  könne,  wenn  er  ihm  im  Kriege  10  000  Mann
Hilfstruppen  stellen  wolle.  (Brandenburg  war  Reichsland,  Preußen  nicht.  Der  Kaiser
meinte,  ein  König  von  Brandenburg  werde  ihm  nicht  so  leicht  gehorchen  als  ein  Kurfürst
  von  Brandenburg,  daher:  König  „in  Preußen“.)  Friedrich  willigte  ein.

2.  Krönung.  Am  18.  Januar  1701  fand  die  Krönung  in  Königsberg  unter
großer  Pracht  statt.  Am  Tage  vorher  stiftete  Friedrich  den  „schwarzen  Adlerorden“.
Das  ist  noch  heute  der  höchste  Orden  im  preußischen  Staate.  Das  Ordenszeichen
(ein  silberner  Stern  sowie  ein  blaues  Kreuz  an  einem  orangenfarbenen  Bande)  enthält
  als  Inschrift  den  Wahlspruch  des  Königs:  „Jedem  das  Seine.“  Friedrich  setzte
sich  die  ihm  überreichte  Krone  selbst  aufs  Haupt,  nahm  das  Zepter  in  die  rechte  und
den  Reichsapfel  in  die  linke  Hand  und  ließ  sich  von  allen  Anwesenden  den  Eid  der
Treue  schwören.  (Huldigungseid.)  Dann  erschien  die  Königin.  Der  König  setzte  ihr
ebenfalls  die  Krone  auf  und  führte  sie  zum  Throne,  damit  auch  sie  die  Huldigung
empfinge.  Hierauf  ging's  in  feierlichem  Zuge  zur  Kirche,  wo  die  Salbung  stattfand.
—  Der  König,  der  als  Kurfürst  Friedrich  III.  hieß,  nannte  sich  von  jetzt  ab  Friedrich  I.

3.  Volksbelustigung.  Für  ganz  Königsberg  sollte  dieser  Tag  ein  Tag  der  Lust
und  Freude  sein.  Das  rote  Tuch,  auf  dem  die  Majestäten  zur  Kirche  gegangen  waren,
ward  unter  das  Volk  verteilt.  Auf  dem  Markte  wurde  ein  großer  Ochse,  der  mit
Schafen,  Rehen,  Ferkeln  und  allerlei  Geflügel  angefüllt  war,  gebraten  und  der  Menge
preisgegeben.  Dazu  strömte  aus  einem  Springbrunnen  roter,  aus  einem  andern  weißer
Wein,  und  für  18000  Krönungsmünzen  wurden  unter  das  Volk  geworfen.

4.  Als  Lanudesvater.  Friedrich  I.  war  wegen  seiner  Gutmütigkeit  und  Freundlichkeit
  bei  seinen  Unterthanen  sehr  beliebt.  Seine  Prachtliebe  kostete  zwar  dem  Lande
viel  Geld,  aber  man  verzieh  dem  geliebten  Fürsten  um  so  lieber,  als  ja  die  von  dem
König  ausgeführten  Bauten  dem  Lande  wieder  zu  gute  kamen.  So  ließ  er  seinem
Vater  ein  prächtiges  Denkmal  errichten,  und  das  königliche  Schloß  erhielt  unter  ihm
seine  jetzige  Gestalt.  Kunst  und  Wissenschaft  begünstigte  er  überhaupt  sehr.  So  gründete
  er  z.  B.  die  Akademie  der  Wissenschaften,  die  wissenschaftliche  Kenntnisse  sammeln
und  durch  Schriften  verbreiten  sollte.  In  diesem  Streben  wurde  er  ganz  besonders
von  seiner  kunstsinnigen  Gemahlin  Sophie  Charlotte  unterstützt.  Der  König  kaufte  ihr
in  dem  Dorfe  Lützen  bei  Berlin  ein  Landhaus.  Dieses  wurde  zu  einem  prächtigen
Schlosse  umgebaut  und  mit  einem  schönen  Parke  umgeben.  Ihr  zu  Ehren  erhielt  das
Schloß  den  Namen  Charlottenburg.  Ebenso  wurde  auch  die  Stadt  benannt,  die  hier
später  entstand.  Die  evangelischen  Glaubensgenossen  hatten  an  ihm  einen  treuen  Beschützer,
  und  jeden,  der  seines  Glaubens  wegen  bedrängt  wurde,  nahm  er  mit  offenen

Armen  auf.  Auch  der  von  der  Universität  Leipzig  vertriebene  Professor  Thomasius
Realienbuch.  B  4