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dadurch  am  meisten  Achtung  einflößen  konnte.  Er  vergrößerte  das  Heer  allmählich  auf
83000  Mann.  Die  Soldaten  wurden  im  In=  und  Auslande  geworben;  doch  setzte  der
König  bereits  fest,  daß  alle  Einwohner  des  Landes  zum  Militärdienste  verpflichtet  sein
sollten.  Nur  die  Söhne  der  Adligen  und  die  ältesten  Söhne  der  Hof=  und  Fabribbesitzer
waren  frei.  Alle  dienstbaren  Mannschaften  wurden  in  eine  Liste  eingetragen,  und  wer
noch  nicht  zu  den  Fahnen  einberufen  war,  mußte  als  Abzeichen  eine  rote  Halsbinde  tragen.
So  legte  der  König  bereits  den  Keim  zur  allgemeinen  Wehrpflicht,  und  mit  Recht  bezeichnete
  ihn  Kaiser  Wilhelm  I.  als  den  eigentlichen  Schöpfer  der  preußischen  Armee.

Eine  besondere  Vorliebe  zeigte  er  für  die  „langen  Kerle“.  Von  diesen  bildete  er  sich
in  Potsdam  ein  Leibregiment,  das  aus  2400  solcher  Riesen  bestand.  Im  ersten  Gliede  maß
keiner  unter  1,87  m,  und  der  eine  Flügelmann  hatte  sogar  2,57  m.  Mit  List  und  Gewalt
ließ  er  diese  Riesen  aus  allen  Ländern  durch  seine  Werber  zusammenholen.  Aber  er  bezahlte
  sie  gut,  nannte  sie  seine  „lieben  blauen  Kinder“  und  sorgte  väterlich  für  sie.  Dieses
Leibregiment  diente  zugleich  als  Musterregiment.  Alle  Neuerungen  im  Heere  wurden  hier
erst  versucht,  ehe  sie  bei  den  übrigen  Regimentern  eingeführt  wurden.  Der  Exerziermeister
des  Königs  war  der  „alte  Dessauer“.  Dieser  hat  den  eisernen  Ladestock  eingeführt,  zuerst
den  Gleichschritt  geübt  und  es  dahin  gebracht,  daß  sämtliche  Ubungen  gemeinschaftlich  ausgeführt
  wurden,  so  daß  in  der  ganzen  Reihe  nur  ein  Griff  gesehen,  nur  ein  Schuß  gehört
wurde.  Um  solche  Pünktlichkeit  zu  erreichen,  war  freilich  mancher  harte  Schlag  mit  dem
Korporalsstock  nötig.  Die  härteste  Strafe  war  das  Spießrutenlaufen.  Hierbei  waren  100
bis  300  Soldaten  in  zwei  Reihen  aufgestellt;  jeder  erhielt  eine  Rute.  Dann  mußte  der
Sträfling  6—12  mal  mit  entblößtem  Rücken  durch  die  Gasse  gehen,  und  jeder  der  aufgestellten
  Soldaten  war  verpflichtet,  ihm  einen  Schlag  auf  den  Rücken  zu  geben.

4.  Junere  Verwaltung  und  geordnete  Finanzwirtschaft.  Der  König  sorgte
aber  nicht  allein  für  ein  gutes  Heer,  sondern  es  lag  ihm  auch  nicht  weniger  die  innere
Verwaltung  des  Landes  und  eine  geordnete  Finanzwirtschaft  am  Herzen.  „Ich  bin
der  Finanzminister  und  Feldmarschall  des  Königs  von  Preußen,  das  wird  ihn  aufrecht
halten,"  schrieb  er  einmal.  Bis  dahin  waren  die  obersten  Staatsbehörden  noch  getrennt
und  gerieten  oft  in  Streit  miteinander.  Um  das  zu  vermeiden,  vereinigte  der  König
alle  diese  Behörden  zu  einer  einzigen  Oberbehörde,  der  die  Verwaltung  der  Staatsgelder
  und  Domänen  sowie  die  Erhaltung  des  Heeres  oblag.  Diese  Behörde  führte
den  Namen  „General-Direktorium“.  Unter  ihr  standen  in  jeder  Provinz  eine  Kriegsund
  Domänenkammer.  —  Um  die  Staatseinnahmen  zu  vermehren,  belegte  der  König
den  Adel,  der  bis  dahin  steuerfrei  gewesen  war,  mit  Abgaben,  und  zwar  mußten  von
jedem  Rittergute  jährlich  40  Thaler  gezahlt  werden.  Auch  suchte  er  seine  Domänen
zu  verbessern  und  höher  zu  verpachten.  Die  Pächter  ließ  er  genau  beaufsichtigen,  „ob
in  die  Kuhställe  fleißig  Stroh  eingestreut  und  der  Mist  zu  gehöriger  Zeit  aufs  Feld
gefahren  würde“.  Zur  Erhaltung  des  Heeres  schuf  der  König  eine  besondere  „Rekrutenkasse“.
  In  diese  mußte  jeder,  der  ein  neues  Amt  oder  einen  neuen  Titel
empfangen  hatte,  eine  bestimmte  Summe  zahlen.

5.  Tabakskollegium.  Seine  einzige  Erholung  suchte  und  fand  der  König  im
Tabakskollegium.  Er  hatte  nämlich  fast  jeden  Abend  von  5—7  Uhr  eine  Anzahl
Generale  und  Minister  um  sich  versammelt  und  unterhielt  sich  zwangslos  und  heiter
mit  ihnen.  Alle  Hofsitte  wurde  hier  beiseite  gesetzt;  der  König  galt  nur  als  Oberst,
und  niemand  durfte  sich  erheben,  wenn  er  kam,  noch  wenn  er  ging.  Er  selber  rauchte
gern.  Wer  von  den  Gästen  diese  Leidenschaft  nicht  teilte,  wie  z.  B.  der  alte  Dessauer,
nahm  wenigstens  zum  Schein  eine  Pfeife  in  den  Mund;  denn  der  König  freute  sich,
wenn  alle  rauchten.  Bediente  waren  nie  zugegen.  Vor  jedem  Gaste  stand  ein  Krug
Bier,  und  auf  einem  Nebentische  fand  man  Butter,  Brot,  Braten  und  Schinken,
wovon  jeder  nach  Belieben  nehmen  konnte.

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