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6.  Aufnahme  der  Salzburger.  1720  verlangte  der  Erzbischof  von  Salzburg
von  seinen  evangelischen  Unterthanen,  daß  sie  katholisch  werden  oder  auswandern  sollten.
Die  meisten  entschlossen  sich  zur  Auswanderung.  Friedrich  Wilhelm  aber  nahm  diese
Unglücklichen  freudig  in  sein  Land  auf,  gab  ihnen  (in  Ostpreußen,  wo  zur  Zeit  seines
Vaters  ganze  Dörfer  infolge  der  Pest  ausgestorben  waren)  Ländereien,  Vieh  und
Ackergerät  und  that  alles  Mögliche,  ihnen  die  neue  Heimat  lieb  zu  machen.  In  dem
Briefe  eines  ausgewanderten  Salzburgers  heißt  es:

„Von  unserm  Könige  haben  wir  Getreide,  Fleisch,  Speck,  Mehl,  Schmalz  und  Geld
erhalten,  daß  wir  keine  Not  leiden.  Auch  auf  der  Reise  hat  man  uns  Kleider,  Geld  und
Bücher  geschenkt.  Jeder,  der  im  Salzburgischen  ein  Bauer  gewesen  ist,  soll  hier  eine  Hufe
Land,  das  sind  30  Morgen,  zuerteilt  erhalten.  Der  Boden  liegt  hier  etwas  hoch  und  kalt,
ist  aber  doch  nicht  unfruchtbar.  Die  Preise  für  Lebensmittel  sind  hier  sehr  niedrig.  So
kostet  ein  Scheffel  Weizen  nur  ½  Thaler  und  ein  Pfund  Fleisch  nicht  mehr  als  5  bis
9  Pfennig.“

7.  Als  Landesvater.  Noch  aus  dem  30  jährigen  Kriege  her  gab  es  in  Stadt
und  Land  viel  wüst  liegende  Häuser.  Um  nun  die  Leute  zum  Häuserbau  zu  ermuntern,
gab  er  ihnen  Geld  und  erließ  ihnen  auf  15  Jahre  alle  Steuern.  Er  gründete  13  neue
Städte  und  332  Dörfer.  Sehr  viel  that  er  auch  für  die  Verschönerung  Berlins.  Er.
wies  den  Leuten  Bauplätze  an  und  gab  ihnen  freies  Bauholz  und  einen  Teil  der  Baukosten.
  Dann  aber  hieß  es:  „Der  Kerl  hat  Geld,  muß  bauen.“  Wer  etwa  Einwendungen
  machen  wollte,  den  wies  er  streng  zurück  mit  den  Worten:  „Räsonnier'
er  nicht!“  Uberhaupt  besaß  der  König  einen  unbeugsamen  Willen.  Was  er  wollte,
setzte  er  durch.  Sein  Wahlspruch  war:  „Er  (der  preußische  Adler)  weicht  der  Sonne
nicht.“  Für  das  platte  Land  waren  damals  die  Wölfe  noch  eine  schreckliche  Plage;
denn  in  manchen  Gegenden  gab  es  mehr  Wölfe  als  Schafe.  Der  König  gebot  daher,
die  Wölfe  niederzuschießen,  und  zahlte  für  jeden  erlegten  Wolf  2—  6  Thaler.  Wüste
Gegenden  ließ  er  durch  Ansiedler  aus  Schwaben,  Franken  und  Niedersachsen  bebauen.
Auf  seinen  Domänen  in  Litauen  befreite  er  alle  Bauern  von  der  Hörigkeit.  Für  die
Bauern  der  Edelleute  konnte  er  diese  Befreiung  nicht  durchsetzen.  In  einer  Verfügung
aber  verbot  er  den  Amtleuten,  ihre  Bediensteten  (Fronarbeiter)  mit  Stock=  oder
Peitschenschlägen  zur  Arbeit  anzutreiben.  Jeder  Ubertreter  sollte  das  erste  Mal  mit
sechswöchentlichem  Karren,  das  zweite  Mal  mit  dem  Strange  bestraft  werden.  In
Berlin  gründete  er  eine  große  Tuchfabrik;  denn  sein  Heer  sollte  nur  mit  inländischem
Tuch  gekleidet  werden.  Auch  verbot  er  seinen  Unterthanen,  anderes  als  inländisches
Tuch  zu  tragen.

An  seinem  Hofe  duldete  er  überhaupt  nichts  Ausländisches.  Ganz  besonders  aber
eiferte  er  gegen  die  französisehe  Mode,  die  damals  flitterhafte  Kleider  und  einen  langen
Haarbeutel  (Perücke  im  Beutel)  vorschrieb.  Er  führte  eine  einfache  „deutsche“  Tracht  ein,
und  die  Wolkenperücke  vertauschte  er  mit  dem  steifen  Zopfe.  Beamte,  die  Unterschleife
gemacht  hatten,  ließ  er  hängen,  gleichviel,  ob  vornehm  oder  gering.

Um  die  Bildung  des  Volkes  zu  erhöhen,  ließ  er  nach  und  nach  über  1800  Landschulen
  anlegen.  Jedes  Kind  sollte  vom  6.  bis  zum  12.  Jahre  die  Schule  besuchen,
und  wenn  es  nicht  lesen  und  schreiben  gelernt  hatte,  sollte  es  nicht  konfirmiert  werden.
Für  arme  Kranke  ließ  er  die  Charité  erbauen,  ein  großes  Krankenhaus,  worin  gleich
im  ersten  Jahre  300  Kranke  Pflege  fanden.

8.  Tod.  Schon  in  seinem  52.  Jahre  raffte  ihn  der  Tod  hinweg.  Seinem  Sohn
und  Nachfolger  hinterließ  er  ein  trefflich  eingeübtes  Heer  von  83  000  Mann  und
einen  Staatsschatz  von  26  Millionen  46.  —  Das  Land  war  durch  ihn  um  Vorpommern,
  das  er  den  Schweden  abnahm,  vergrößert  worden.