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34.  Friedrich  der  Große.  1740—1786.
a.  Jugend.

1.  Erste  Kindheit.  Friedrich  wurde  am  24.  Januar  1712  geboren.  Sein
Vater  wollte  aus  ihm  einen  tüchtigen  Soldaten  machen,  daher  mußte  der  Prinz  von
klein  auf  Uniform  tragen,  und  Trommel,  Säbel  und  Gewehr  waren  seine  Spielsachen.
  Als  er  kaum  5  Jahre  alt  war,  bildete  ihm  sein  Vater  eine  Kompagnie  von
110  adligen  Knaben,  mit  denen  er  soldatische  Spiele  übte.  Vom  10.  Jahre  an  mußte
er  als  gemeiner  Soldat  mit  Flinte  und  Tasche  vor  dem  Schlosse  Schildwache  stehen.

2.  Zwiespalt.  Dem  Kronprinzen  wurden  jedoch  die  straffen  soldatischen  Ubungen
bald  zuwider;  dagegen  hatte  er  große  Liebe  zur  Dichtkunst,  las  auch  gern  französische
Bücher,  kleidete  sich  nach  französischer  Mode  und  ergötzte  sich  mit  Flötenspiel.  Das
waren  aber  lauter  Dinge,  die  sein  Vater  durchaus  nicht  leiden  konnte.  Fritz  trieb
sie  daher  im  geheimen;  aber  der  König  merkte  es  doch  zuweilen  und  schalt  ihn  dann
heftig  aus,  ja,  drohte  ihm  auch  wohl  mit  aufgehobenem  Krückstocke.  Trotzdem  ließ  der
Kronprinz  heimlich  den  Flötenspieler  Quanz  aus  Dresden  kommen  und  sich  von  ihm
Unterricht  erteilen.  Wenn  er  so  des  Vormittags  mit  den  Soldaten  in  enger  Uniform
und  mit  steifem  Zopfe  die  militärischen  Ubungen  ausgeführt  hatte,  dann  machte  er  es
sich  des  Nachmittags  gern  bequem  und  überließ  sich  mit  zierlichem  Haarbeutel  und  in
gesticktem  Schlafrocke  mit  Quanz  den  Genüssen  des  Flötenspiels.  Eines  Abends,  als
die  beiden  so  gemütlich  beisammen  waren,  hörten  sie  plötzlich  den  Tritt  des  Königs.
Schnell  sprang  Quanz  in  ein  Versteck;  Flöte  und  Noten  wurden  beiseite  gebracht,  und
Friedrich  legte  in  aller  Eile  die  Uniform  an.  Der  Vater  merkte  dennoch,  was  geschehen
war,  warf  Schlafrock  und  Haarbeutel  ins  Feuer  und  konnte  des  Scheltenus  kein  Ende
finden.  Immer  strenger  wurde  von  jetzt  an  der  Kronprinz  bewacht,  und  nicht  selten
bekam  er  den  Krückstock  zu  fühlen.  „Fritz  ist  ein  Querpfeifer  und  Poet,“  sagte  der
König  zornig,  „er  wird  mir  meine  ganze  Arbeit  verderben!“

6.  Flucht.  Zu  dieser  harten  Behandlung,  die  Fritz  von  seinem  Vater  erfuhr,
kam  noch,  daß  ihn  der  Vater  gegen  seinen  Willen  verheiraten  wollte.  Das  brachte
in  dem  Kronprinzen  den  Entschluß  zur  Reife,  heimlich  nach  England  zu  entfliehen.
Im  Sommer  1730  machte  der  König  eine  Reise  nach  Süddeutschland;  der  Kronprinz
begleitete  ihn.  Vom  Rhein  aus  wollte  er  die  Flucht  bewerkstelligen,  und  zwei  seiner
Freunde,  Keith  und  Katte,  sollten  ihm  dabei  behilflich  sein.  Einmal  übernachtete  der
König  mit  dem  Kronprinzen  in  einem  Dorfe,  nicht  weit  von  Heidelberg,  in  einer
Scheune.  Gegen  3  Uhr  verließ  Friedrich  in  einer  Verkleidung  die  Schlafstätte  und
wollte  ein  Pferd  besteigen.  Ein  Diener  aber  bemerkte  es  und  hielt  ihn  zurück.  Der
König  verbarg  zunächst  seinen  Zorn;  erst  in  Preußen  wollte  er  über  den  „feigen  Deserteur"“
  Gericht  halten.  In  Wesel  fand  das  erste  Verhör  statt.  Der  König  war  außer
sich  vor  Zorn  und  zog  den  Degen,  um  Friedrich  zu  durchbohren.  Der  General  von
Mosel  aber  warf  sich  dazwischen  und  sagte:  „Durchbohren  Sie  mich,  aber  schonen
Sie  Ihres  Sohnes.“  Von  hier  wurde  der  Kronprinz  auf  die  Festung  Küstrin  gebracht:
  ein  Kriegsgericht  sollte  ihn  zum  Tode  verurteilen.

4.  Im  Gefängnis.  In  Küstrin  saß  Friedrich  in  einer  kleinen  Zelle.  Die  Thür
zu  dieser  war  durch  zwei  große  Vorhängeschlösser  versichert  und  durfte  täglich  nur
dreimal  geöffnet  werden.  Der  Kronprinz  erhielt  weder  Messer  noch  Gabel  zum
Essen;  auch  Tinte  und  Feder  wurden  ihm  vorenthalten.  Anfangs  hatte  er  weder
Licht  noch  Bett;  keiner  von  seinen  Wärtern  sollte  ein  Wort  mit  ihm  sprechen.  Nur
der  Gefängnisprediger  durfte  mit  ihm  verkehren,  und  das  einzige  Buch,  das  ihm
zum  Lesen  gegeben  wurde,  war  die  Bibel.  Als  er  dann  von  seinem  Fenster  aus  zusehen