mußte,  wie  sein  Freund  Katte  enthauptet  wurde,  ergriff  ihn  furchtbarer  Schmerz.  Sein
Gemüt  wurde  tief  erschüttert,  und  reumütig  bat  er  seinen  Vater  um  Verzeihung.  Darauf
milderte  der  König  die  strenge  Haft  und  ließ  ihn  von  jetzt  an  in  der  Domänenkammer
schriftliche  Arbeiten  anfertigen.  Auch  sollte  er  sich  hier  fleißig  um  den  Landbau  bekümmern,
  um  kennen  zu  lernen,  „wie  schwer  es  dem  Bauer  falle,  so  viel  Groschen  zu
erarbeiten,  als  zu  einem  Thaler  gehören.“  Nach  Ablauf  eines  Jahres,  am  Hochzeitstage
  seiner  Schwester  Wilhelmine,  ließ  ihn  der  König  heimlich  nach  Berlin  kommen
und  führte  ihn  seiner  Mutter  mit  den  Worten  zu:  „Da  hast  du  deinen  Fritz  wieder!“

5.  Rheinsberg.  Nun  setzte  ihn  der  König  nach  Rheinsberg  an  die  Spitze  eines
Regimentes,  das  in  Ruppin  stand.  Mit  Eifer  gab  der  Kronprinz  sich  jetzt  den  soldatischen
  Ubungen  hin  und  suchte  seinem  Vater  in  jeder  Beziehung  Freude  zu  machen.
Bald  erkannte  dieser  die  großen  Fähigkeiten  und  den  militärischen  Geist  seines  Sohnes.
„O  mein  Gott,“  rief  er  vor  seinem  Ende  aus,  „ich  sterbe  zufrieden,  da  ich  einen  so
würdigen  Sohn  zum  Nachfolger  habe!“

6.  Regierungsantritt.  1740.  Erst  28  Jahre  alt,  bestieg  Friedrich  den  Thron.
Gleich  seine  ersten  Schritte  erwarben  ihm  die  Zuneigung  des  Volkes.  Der  strenge
Winter  des  Jahres  1739—1740  hatte  eine  große  Teurung  hervorgerufen.  Um  der
Not  abzuhelfen,  ließ  Friedrich  die  Vorratshäuser  öffnen  und  das  Korn  zu  billigem
Preise  an  die  Armen  verkaufen.  Die  Folter,  die  bis  dahin  bei  Untersuchungen  noch
in  Anwendung  gekommen  war,  wurde  aufgehoben.  Auch  schaffte  Friedrich  die  Riesengarde
  ab,  denn  sie  war  ihm  zu  teuer;  dafür  aber  vermehrte  er  das  Heer  in  kurzer
Zeit  um  20  000  Mann.

b.  Die  beiden  ersten  schlesischen  Kriege.  1741—1742  und  1744—1745.

1.  Ansprüche  auf  Schlesien.  Bald  nach  Friedrichs  Thronbesteigung  starb  Kaiser
Karl  VI.  Er  hinterließ  nur  eine  Tochter,  Maria  Theresia,  die  seinem  Willen
gemäß  Erbin  seiner  östreichischen  Länder  werden  sollte.  Aber  der  Kurfürst  von
Bayern  beanspruchte  die  Nachfolge.  Die  junge  Kaiserin  mußte  sofort  für  ihre  Krone
gegen  ihn  ins  Feld  ziehen.  Friedrich  lag  gerade  in  Rheinsberg  am  Fieber  danieder,
als  die  Kunde  von  dem  Tode  des  Kaisers  eintraf.  Seinem  Wahlspruche  gemäß:  „Für
Ruhm  und  Vaterland!"“  handelte  er.  Und  sofort  raffte  er  sich  vom  Lager  auf,  um
die  alten  Ansprüche  seines  Fürstenhauses  auf  Schlesien  geltend  zu  machen.  (Nach  einem
alten  Erbvertrage  [S.  451]  hätte  schon  der  große  Kurfürst  das  Land  erben  müssen;
aber  der  damalige  Kaiser  hatte  es  in  Besitz  genommen  und  den  Kurfürsten  mit  dem
Schwiebuser  Kreise  abgefunden.)  Sofort  schrieb  Friedrich  an  Maria  Theresia,  er  sei
bereit,  ihr  gegen  alle  ihre  Feinde  beizustehen,  wenn  sie  ihm  dafür  Schlesien  abtreten
wolle.  Aber  noch  ehe  die  Antwort  eintraf,  besetzte  er  Schlesien  mit  seinen  Truppen.
Maria  aber  ließ  ihm  sagen,  er  solle  sofort  Schlesien  räumen  und  froh  sein,  wenn  sie
ihm  den  Angriff  verzeihe.  »

2.  Der  1.  und  2.  schlesische  Krieg.  Jetzt  kam  es  zwischen  den  Ostreichern  und
Preußen  zum  Kampfe.  1741  entbrannte  der  1.  schlesische  Krieg,  worin  Friedrich  die
OÖstreicher  bei  Mollwitz  besiegte.  In  dem  1742  erfolgten  Frieden  behielt  Friedrich  ganz
Schlesien.  Zwei  Jahre  später  (1744)  begann  der  2  schlesische  Krieg,  worin  Friedrich
bei  Hohenfriedberg  einen  glänzenden  Sieg  über  die  Ostreicher  erfocht.  Als  dann  der
alte  Dessauer  auch  noch  die  Sachsen  bei  Kesselsdorf  schlug,  da  mußte  sich  Maria
Theresia  wieder  zum  Frieden  (1745)  entcchließen  und  auf  Schlesien  Verzicht  leisten.

c.  Der  siebenjährige  Krieg.  1756—1763.

1.  Ursache.  Maria  Theresia  konnte  den  Verlust  Schlesiens  nicht  verschmerzen.

So  oft  sie  einen  Schlesier  sah,  traten  ihr  Thränen  in  die  Augen.  Ihr  einziger  Ge-