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18.  Juni  (1757)  kam  es  bei  Kolin  zur  Schlacht,  wo  er  aber  fast  die  Hälfte
seiner  Armee  verlor.  Diese  Niederlage  machte  auf  den  König  einen  tiefen  Eindruck.
In  einem  Dorfe,  wo  die  Pferde  getränkt  wurden,  trat  ein  alter  Kriegsmann  an  ihn
heran,  reichte  ihm  in  seinem  Hute  einen  kühlen  Trunk  und  sprach:  „Trinken  Ew.
Majestät  und  lassen  Sie  Bataille  Bataille  sein!  Es  ist  nur  gut,  daß  Sie  noch  leben;
unser  Herrgott  giebt  uns  schon  einen  Sieg  wieder“.  Am  Abend  fanden  ihn  die  Offiziere
  auf  einer  Brunnenröhre  sitzend,  den  Blick  starr  auf  den  Boden  geheftet  und  mit
seinem  Stocke  Figuren  in  den  Sand  zeichnend.  Als  der  Rest  seiner  Garde  vorbeimarschierte,
  brach  er  in  Thränen  aus  und  sagte:  „Kinder,  ihr  habt  heute  einen  schweren
Tag  gehabt,  aber  habt  nur  Geduld,  ich  werde  alles  wieder  gut  machen“.

e.  Roßbach.  Jetzt  wandte  sich  Friedrich  gegen  die  Franzosen,  die  in  Thüringen
standen.  Am  5.  November  kam  es  bei  Roßbach  zur  Schlacht.  Die  Franzosen,  dreimal
so  stark  als  Friedrichs  Heer,  suchten  dieses  zu  umzingeln.  Sie  wollten  den  König  wie
in  einem  Sack  fangen.  Mit  Musik  zogen  sie  heran,  und  schon  wurden  Siegesboten
nach  Paris  gesandt.  Der  König  beobachtete  den  Feind  vom  Dache  des  Schlosses  aus,
that  aber,  als  merke  er  nichts  von  der  Gefahr.  Doch  in  der  Stille  wurde  alles  zum
Angriff  vorbereitet.  Um  Mittag  setzte  er  sich  mit  seinen  Generalen  zu  Tisch.  Plötzlich,
um  2  Uhr,  gab  er  Befehl  zum  Angriff.  Im  Nu  waren  die  Zelte  und  Feldkessel  verschwunden,
  und  die  Soldaten  standen  in  Reih  und  Glied.  Der  kühne  General  Seydlitz
warf  zum  Zeichen  des  beginnenden  Kampfes  seine  Pfeife  in  die  Luft,  und  mit  dem
Rufe  „Vorwärts!"“  sprengte  er  mit  seinen  Reiterscharen  unter  die  verdutzten  Franzosen.
  Auf  der  andern  Seite  rückte  Friedrich  mit  dem  Geschütz  und  der  Infanterie
vor,  und  in  zwei  Stunden  war  der  Sieg  entschieden.  Bis  hinter  den  Rhein  liefen  die
Franzosen;  ihr  Übermut  war  schrecklich  bestraft  worden.

d.  Leuthen.  Friedrich  hatte  keine  Zeit,  die  fliehenden  Franzosen  zu  verfolgen;
er  mußte  nach  Schlesien.  Dort  waren  die  Ostreicher  mit  einer  Armee  von  90000
Mann  erschienen.  Als  Friedrich  mit  seinem  kleinen  Heere  von  33000  Mann  heranrückte,
  spotteten  die  Ostreicher  und  nannten  es  die  „Berliner  Wachparade“.  Aber
diesen  Spott  sollten  die  Ostreicher  bald  teuer  bezahlen.  Mit  dem  Gesange  frommer
Lieder  zogen  die  Preußen  am  Morgen  des  5.  Dezember  dem  Feinde  entgegen.  Ein
Adjutant  fragte  den  König,  ob  er  den  Soldaten  das  Singen  verbieten  solle.  „Laß  Er
das!“  entgegnete  der  König  und  wandte  sich  dann  an  Zieten  mit  der  Frage:  „Meint
Er  nicht,  daß  ich  mit  solchen  Truppen  siegen  werde?“  Der  Kampf  begann.  Nach  drei
Stunden  hatte  Friedrich  den  Sieg  errungen.  Am  Abend  stimmte  ein  alter  Grenadier
mitten  auf  dem  Schlachtfelde  das  Lied  an:  „Nun  danket  alle  Gott!“  und  die  ganze
Armee  sang  den  schönen  Choral  mit.  (Gedicht:  Der  Choral  von  Leuthen.)

4.  Die  Jahre  1758  und  59  waren  für  den  großen  König  recht  unglücklich
ausgefallen.  Zweimal  mußte  er  gegen  die  Russen  kämpfen.  Bei  Zorndorf  (1758)
siegte  er  zwar,  aber  bei  Kunersdorf  (1759)  wurde  er  geschlagen.  Auch  war  er
(1758)  bei  Hochkirch,  wo  er  unvorsichtigerweise  ein  offenes  Lager  bezog,  von  den
Ostreichern  überfallen  worden  und  hatte  dort  große  Verluste  gehabt.  Sein  Heer  war
furchtbar  zusammengeschmolzen,  und  Schlesien  befand  sich  in  den  Händen  der  Ostreicher.

5.  Das  Jahr  1760.  Liegnitz  und  Torgau.  Doch  nun  lächelte  ihm  wieder
das  Glück.  Bei  Liegnitz  umstellten  ihn  die  Feinde  von  drei  Seiten.  „Der  Sack  ist
offen,  wir  brauchen  ihn  nur  zuzuschnüren“,  riefen  sie  spöttisch.  Friedrich  aber  sagte:
„Ich  denke,  in  den  Sack  ein  Loch  zu  machen,  das  sollen  sie  nicht  wieder  zunähen
können“.  Plötzlich  änderte  er  seine  Stellung,  ließ  aber  an  dem  alten  Lagerplatze  durch
Bauern  die  Wachtfeuer  unterhalten  und  täuschte  dadurch  die  Feinde  über  seine  Stellung.
Nach  dreistündigem  Kampfe  waren  die  Ostreicher  vollständig  geschlagen.  —  Einige