Monate  später  folgte  ein  neuer  Sieg  bei  Torgau,  den  der  tapfere  und  fromme  „Husarenkönig“
  Zieten  erfocht.  (Gedicht:  Joachim  Hans  von  Zieten  2c.)

6.  Die  letzten  Kriegsjahre.  Friede.  Im  nächsten  Jahre  bezog  Friedrich  bei
Bunzelwitz  in  Schlesien  ein  festes  Lager.  135.000  Feinde  umstanden  ihn  in  weitem
Kreise.  Fast  wollte  ihm  der  Mut  in  dieser  bedrängten  Lage  entfallen;  Zieten  aber
suchte  ihn  zu  trösten.  „Hat  Er  sich  etwa  einen  neuen  Verbündeten  angeschafft?“"
fragte  ihn  da  einmal  der  König.  „Nein,  Majestät“,  entgegnete  Zieten,  „nur  den
alten  dort  oben,  und  der  verläßt  uns  nicht“.  Zieten  behielt  Recht.  In  Rußland  starb
die  Kaiserin  Elisabeth,  und  ihr  Nachfolger,  Peter  III.,  schloß  sofort  mit  Friedrich  ein
Bündnis.  Bald  darauf  bequemte  sich  auch  Maria  Theresia  zum  Frieden;  er  wurde
1763  auf  dem  Jagdschlosse  Hubertusburg  geschlossen.  Friedrich  behielt  ganz  Schlesien.

d.  Erste  Teilung  Polens.

1.  Zustände  in  Polen.  Ehemals  war  Polen  das  mächtigste  Reich  in  Osteuropa.
Als  es  dann  aber  ein  Wahlreich  wurde,  schwand  das  Ansehen  des  Königs  von  Polen
immer  mehr;  denn  jeder  neue  König  mußte  dem  Adel  größere  Vorrechte  einräumen,
und  so  regierte  dieser  bald  ganz  allein  das  Land.  Immer  größer  wurde  der  Einfluß
Rußlands  auf  das  zerrüttete  Reich.  1772  schloß  es  mit  Preußen  und  Ostreich  einen
Vertrag,  infolgedessen  jeder  dieser  Staaten  einige  an  sein  Gebiet  grenzende  polnische
Landesteile  an  sich  nahm.  Friedrich  erhielt  „Westpreußen“  und  nannte  sich  von  jetzt
an  nicht  mehr  König  „in“  sondern  „von“  Preußen.  (S.  49.)

2.  Friedrichs  Sorge  für  das  gewonnene  Land.  Das  durch  diese  Teilung  gewonnene
  Stück  Land  hatte  für  Friedrich  insofern  eine  große  Bedeutung,  als  es  die
Lücke  zwischen  Brandenburg,  Pommern  und  Ostpreußen  schloß.  Wie  eine  treue
Mutter  nahm  er  sich  des  verkommenen  Landes  an.  Seine  besten  Beamten  schickte  er
in  die  Wildnis.  In  kurzer  Zeit  wurden  187  Schulen  errichtet,  und  deutsche  Handwerker,
  vom  Maschinenbauer  bis  zum  Ziegelstreicher  hinab,  fanden  in  dem  neuen
Lande  Beschäftigung.  Bald  begann  ein  Graben,  Hämmern  und  Bauen,  die  Städte
wurden  mit  Menschen  neu  belebt,  Straße  auf  Straße  erhob  sich  aus  den  Trümmer--haufen.
  Gleich  im  ersten  Jahre  nach  der  Besitznahme  wurde  der  drei  Meilen  lange
Bromberger  Kanal  gegraben,  wodurch  die  Handelsthätigkeit  des  Landes  sehr  gehoben
wurde.  Auch  die  Leibeigenschaft  der  Bauern  hob  der  König  auf,  zog  auch  11.000
deutsche  Ansiedler  herbei,  so  daß  an  Stelle  der  polnischen  Wirtschaft  bald  deutscher
Fleiß  und  deutsches  Wesen  die  Oberherrschaft  gewann.

e.  Friedrich  als  Landesvater.

1.  Heilung  der  Kriegeswunden.  Der  siebenjährige  Krieg  hatte  große  Opfer
an  Geld  und  Menschen  gefordert.  Dazu  waren,  namentlich  in  Schlesien,  die  Fluren
vielfach  verwüstet  und  die  Dörfer  niedergebrannt  worden.  Gleich  nach  Beendigung
des  Krieges  ließ  daher  der  König  den  verarmten  Bauern  die  Häuser  aufbauen  (in
Schlesien  an  8000),  auch  gab  er  ihnen  Vieh  und  Saatkorn  zur  Bestellung  des
Ackers.  Dazu  verteilte  er  reichlich  Geld  an  die  Bewohner  (die  Schlesier  erhielten  an
9  Millionen  46.).  Sehr  viel  Geld  gab  der  König  von  seinen  eigenen  Ersparnissen“
her.  „Das  Geld  gehört  nicht  mir,  sondern  dem  Lande“,  pflegte  er  zu  sagen.

2.  Hebung  des  Ackerbaus.  Sodann  richtete  der  König  sein  Augenmerk  auf
den  Landbau.  Auf  seinen  Domänen  versuchte  er  den  Wein=  und  Seidenbau  und
führte  auch  die  Kartoffel  em.  Als  1745  eine  Hungersnot  ausbrach,  schenkte  er  einzelnen
  Ortschaften  ganze  Wagen  voll  Kartoffeln  zum  Anbau.  Aber  die  Bauern  hatten
kein  Zutrauen  zu  dem  neuen  Gewächs,  und  erst  nach  und  nach  wurde  der  Kartoffelbau
  allgemeiner.  In  wüste  und  sumpfige  Gegenden  zog  Friedrich  Kolonisten  aus  Holland
herbei,  die  z.  B.  die  Sümpfe  an  der  Oder,  Warthe  und  Netze  austrockneten  und  in  blü-