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fache  Kleidung  gab  sie  den  Berlinerinnen  ein  sehr  gutes  Beispiel,  das  auch  bald
überall  nachgeahmt  wurde.  Auf  einer  Reise  wurde  die  Königin  einst  von  19  kleinen
Mädchen  in  weißen  Kleidern  begrüßt.  Bald  aber  erfuhr  sie,  daß  es  eigentlich  20
Mädchen  gewesen  seien,  das  eine  sei  aber  wieder  nach  Hause  geschickt,  weil  es  kein
weißes  Kleid  gehabt  hätte.  Sofort  ließ  sie  das  zurückgeschickte  Kind  holen  und  war
mit  ihm  überaus  freundlich.  Als  ihr  einst  gleichzeitig  ein  Graf  und  ihr  Hofschuhmacher
  gemeldet  wurden,  sagte  sie:  „Der  Meister  hat  gewiß  nicht  viel  Zeit,  er  soll
zuerst  kommen;  der  Herr  Graf  kann  warten."

b.  Der  unglückliche  Krieg  von  1806  und  1807.

1.  Rheinbund.  Auflösung  des  deutschen  Reiches.  1806.  Nachdem  Napoleon
in  der  Dreikaiserschlacht  bei  Austerlitz  (1805)  Ostreich  und  Rußland  besiegt  hatte,  war
sein  Streben  darauf  gerichtet,  auch  die  Macht  des  altersschwachen  Deutschland  zu
brechen.  Im  Jahre  1806  stiftete  er  daher  den  sogenannten  Rheinbund.  16  deutsche
Staaten  (Bayern,  Württemberg,  Baden,  Darmstadt,  Nassau  u.  a.)  traten  dem  Bunde
bei  und  stellten  sich  damit  unter  den  Schutz  Napoleons.  Viele  kleinere  Reichsfürsten,
deren  Gebiet  im  Bereiche  dieses  Rheinbundes  lag,  wurden  ihrer  landesherrlichen  Rechte
entkleidet  und  Unterthanen  der  ihnen  zunächst  liegenden  Rheinbundstaaten.  Infolge
dieser  Vorgänge  legte  Franz  II.,  der  49.  Kaiser  Deutschlands,  die  deutsche  Kaiserkrone
nieder.  (Schon  1804  hatte  er  den  Titel  „Kaiser  von  Ostreich“  angenommen,  den  er
nun  auch  weiter  führte.)  Damit  hatte  das  morsche,  beinahe  tansendjährige  „heilige
römische  Reich  deutscher  Nation“  sein  Ende  erreicht.  (Erst  65  Jahre  später  wurde
durch  König  Wilhelm  I.  von  Preußen  das  neue  deutsche  Kaiserreich  aufgerichtet.)

2.  Preußen  erklärt  an  Frankreich  den  Krieg.  Nachdem  Napoleon  OÖstreich
gedemütigt  und  mit  den  süddeutschen  Fürsten  den  Rheinbund  geschlossen  hatte,  gab  es
nur  noch  eine  Macht  in  Deutschland,  die  sich  seinem  Willen  nicht  fügte.  Das  war
das  Königreich  Preußen.  Wie  es  schien,  legte  Napoleon  es  ganz  darauf  an,  dieses
Land  bis  aufs  äußerste  zu  demütigen  oder  zum  Kampfe  der  Verzweiflung  zu  reizen.
Vor  allem  suchte  er  zu  verhindern,  daß  Preußen  mit  den  nicht  zum  Rheinbunde  gehörenden
  Fürsten  einen  „norddeutschen  Bund“  bilde.  Ohne  Zustimmung  Preußens
besetzte  er  einen  preußischen  Bezirk  am  Rhein.  Auch  verlangte  er,  daß  Preußen  allen
englischen  Schiffen  Häsen  und  Küsten  verschließen  solle.  Im  ganzen  Lande  war  man
über  diesen  Ubermut  Napoleons  empört,  und  die  Offiziere  in  Berlin  zogen  des  Abends
vor  die  Wohnung  des  französischen  Gesandten  und  wetzten  ihre  Degen  an  den  steinernen
Treppen  des  Gebäudes.  Notgedrungen  erklärte  der  König  endlich  den  Krieg  an  Frankreich.

3.  Die  Armee  Preußens  hatte  nach  dem  Tode  Friedrichs  d.  Gr.  viel  von  ihrer  Kriegstüchtigkeit
  verloren.  Die  Heerführer  waren  alt  und  gebrechlich,  die  Soldaten  mehr  Handwerker
  als  geübte  Kriegsleute.  Der  Dienst  lief  größtenteils  auf  Tändelei  und  Spielerei
hinaus.  Alle  108  Griffe  am  Gewehr  mußten  mit  der  größten  Schnelligkeit  ausgeführt
werden,  und  auf  gerade  Haltung  beim  Paradeschritt  ward  das  Hauptgewicht  gelegt.  Die
Ausrüstung  dagegen  war  sehr  mangelhaft.  Das  Gewehr  war  —  damit  es  sich  besser  senkrecht
  tragen  ließ  —  mit  einem  geraden  Schafte  („Kuhfuß")  versehen,  wodurch  es  aber  an
Brauchbarkeit  verlor.  Der  blank  polierte  Lauf  blendete  und  erschwerte  das  Zielen,  das
Schloß  war  groß,  aber  versagte  leicht.  Die  Uniform  war  eng  und  unpraktisch.  Noch  immer
band  der  Soldat  auf  den  kurzgeschorenen  Kopf  einen  armlangen  Zopf,  noch  immer  trug  er
die  engen  Gamaschen,  die  das  Bein  einzwängten  und  das  Marschieren  erschwerten.  Dazu
kam  ferner,  daß  zwischen  dem  Offizier  und  dem  Gemeinen  eine  ungeheure  Kluft  bestand
und  der  Soldat  weder  für  seinen  Vorgesetzten  noch  für  sein  Vaterland  begeistert  war.

4.  [Jena  und  Auerstädt.  1806.  Ein  Heer  von  150000  Mann  zog  unter  dem
Oberbefehl  des  Herzogs  von  Braunschweig  den  anrückenden  Franzosen  entgegen.  Am