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zwei  Heereshaufen  zu  schicken.  Dieser  ließ  ihm  sagen:  „Nicht  nur  mit  zwei  Abteilungen,
  sondern  mit  meiner  ganzen  Armee  will  ich  kommen.“  Gegen  Mittag  begann  die
Schlacht.  Mit  äußerster  Gewalt  versuchte  Napoleon,  die  Reihen  der  Engländer  zu
durchbrechen,  aber  diese  leisteten  trotz  der  Ubermacht  tapfern  Widerstand.  Schon  war
es  4  Uhr;  das  Heer  war  erschöpft.  Ungeduldig  nach  der  Uhr  sehend,  rief  Wellington
aus:  „Ich  wollte,  es  wäre  Nacht,  oder  die  Preußen  kämen!“

Blücher  hatte  den  Tag  vorher  infolge  eines  Sturzes  vom  Pferde  im  Bette  bleiben
müssen.  Als  er  dann  Wellington  zu  Hilfe  eilen  und  auf  das  Pferd  steigen  wollte,
fühlte  er  heftige  Schmerzen.  Sein  Arzt  wollte  ihn  einreiben;  er  aber  sagte:  „Ach  was,
noch  erst  schmieren!  Ob  ich  heute  balsamiert  oder  unbalsamiert  in  die  andre  Welt
gehe,  das  wird  wohl  auf  eins  herauskommen“.  Dann  ging's  vorwärts.  Der  Regen
floß  in  Strömen  herab.  „Das  sind  unsere  Verbündeten  von  der  Katzbach"“,  rief
Blücher,  „da  sparen  wir  dem  König  wieder  viel  Pulver!“  Die  Wagen  und  Kanonen
konnten  in  dem  weichen  Boden  aber  nur  langsam  fortkommen.  Von  Wellington  kamen
Boten  über  Boten,  und  überall  feuerte  Blücher  die  Truppen  an.  „Es  geht  nicht
mehr!“  riefen  ihm  die  ermatteten  Soldaten  zu.  Blücher  aber  entgegnete:  „Ihr  sagt
wohl,  es  geht  nicht  mehr,  aber  es  muß  gehen.  Ich  habe  es  ja  meinem  Bruder  Wellington
  versprochen;  ihr  wollt  doch  nicht,  daß  ich  wortbrüchig  werden  soll?“  Endlich
(um  5  Uhr)  traf  er  auf  dem  Schlachtfelde  ein.  Das  hatte  Napoleon  nicht  erwartet.
Jetzt,  von  zwei  Seiten  angegriffen,  führte  er  seine  beste  Truppe,  die  alte  Garde,  ins
Gefecht.  Aber  sie  konnte  nichts  mehr  ausrichten.  Die  französische  Armee  wurde  fast
vernichtet;  der  Rest  stürzte,  von  Gneisenau  verfolgt,  in  wilder  Flucht  davon.

14.  Friede.  Etwa  drei  Wochen  später  zog  Blücher  mit  seiner  Armee  in  Paris
ein.  Napoleon  mußte  nun  dem  Throne  entsagen.  Anfangs  hatte  er  die  Absicht,  nach
Amerika  zu  entfliehen,  suchte  jedoch  dann  bei  den  Engländern  Schutz.  Diese  aber
brachten  ihn  nach  der  öden  Felseninsel  St.  Helena,  wohin  ihn  die  Verbündeten  verbannt
  hatten.  Dort  starb  er  1821  am  Magenkrebs.

15.  Die  Friedeuszeit  von  1815—1840.  Friedrich  Wilhelm  III.  regierte  noch  fünfundzwanzig
  Jahre  mit  Gerechtigkeit  und  Milde.  Wo  er  nur  konnte,  suchte  er  die  Kriegswunden
  in  seinem  Lande  zu  heilen,  und  bald  blühten  Ackerbau  und  Gewerbe  wieder  kräftig
empor.  Um  das  Land  besser  verwalten  zu  können,  teilte  er  es  in  Provinzen,  Regierungsbezirke
  und  Kreise.  Von  großer  Wichtigkeit  war  die  Gründung  des  deutschen  Zollvereins
(1834).  Bis  dahin  war  nämlich  die  Einfuhr  von  Waren  von  einem  Bundesstaat  in  den
andern  nur  gegen  Zoll  gestattet.  Das  war  ungemein  lästig  und  hemmte  den  Handel  sehr.
Durch  den  Zollverein  hörte  der  Zoll  auf,  und  nun  blühte  der  Handel  bald  kräftig  empor.
Sehr  viel  Gewicht  legte  Friedrich  Wilhelm  III.  auf  die  Bildung  des  Volkes.  Deshalb
gründete  er  viele  neue  Schulen  und  führte  die  allgemeine  Schulpflicht  ein.  —  Wie  er
selber  ein  frommes  Herz  hatte,  so  suchte  er  auch  in  seinem  Volke  kirchlichen  Sinn  und
wahre  Gottesfurcht  zu  verbreiten.  „Ich  möchte,“  sagte  er  einmal,  „um  vieles  nicht
über  ein  Volkherrschen,  das  keine  Religion  hätte“.  1817  vereinigten  sich  auf  seinen
Wunsch  fast  alle  Lutherischen  und  Reformierten  seines  Landes  zur  evangelischen  Union.  Wegen
seiner  Einfachheit  und  Frömmigkeit  wurde  er  von  seinem  Volke  sehr  geliebt.  Er  starb  1840.

XI.  Die  Einigung  Deutschlands.

58.  Friedrich  Millbelm  IV.  1840—1861.

1.  Das  tolle  Jahr  1848.  Friedrich  Wilhelm  war  ein  Fürst  von  edler  Gesinnung.
  Aber  er  ging  einer  schlimmen  Zeit  entgegen.  Im  Februar  1848  war  in
Frankreich  wiederum  eine  Revolution  ausgebrochen.  Man  hatte  den  König  verjagt
und  eine  Republik  errichtet.  Die  Nachricht  davon  zündete  auch  in  Deutschland.  Die
Unzufriedenheit  war  hier  ebenfalls  groß.  Das  Jahr  1847  hatte  Mißernten,  Kar-