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toffelkrankheit  und  Unglück  gebracht.  In  Schlesien  brach  der  Hungertyphus  aus,
und  in  Berlin  entstanden  „Brottumulte“  und  „Kartoffelaufstände“.  An  allem  Unglück
sollte  der  König  schuld  sein.  Die  Aufregung  wuchs  von  Tag  zu  Tag.  Aus  den  Vorstädten
  Berlins  strömte  allerlei  Gesindel  zusammen,  und  in  Kellern  und  Wirtshäusern
wurde  von  elenden  Wühlern  zum  Kampfe  gereizt.  Da  erließ  der  König  am  18.  März
eine  Bekanntmachung,  worin  er  dem  Volke  eine  freiheitliche  Verfassung  versprach.  Als
er  am  Nachmittag  vom  Balkon  des  Schlosses  herab  selbst  seinen  Entschluß  verkündete,
da  schwenkte  das  Volk  auf  dem  Schloßplatze  die  Hüte  und  rief  ihm  brausende  Hurras
entgegen.  Während  dann  aber  das  Militär  die  zu  weit  Vordringenden  zurückhalten  wollte,
fielen  plötzlich  zwei  Schüsse.  Niemand  wußte,  woher  sie  gekommen  waren.  Es  war  auch
keiner  getroffen  worden.  „Wir  sind  verraten!“  schrie  das  Volk  und  griff  zu  den  Waffen.
In  wenigen  Stunden  waren  alle  Straßen  durch  Barrikaden  gesperrt  und  Häuser
und  Fenster  mit  Bewaffneten  besetzt.  Nun  folgte  ein  blutiger  Straßenkampf,  der  die
ganze  Nacht  andauerte.  Von  diesem  Blutbade  aufs  tiefste  bewegt,  gab  der  König
Befehl  zum  Abzug  des  Militärs  und  willigte  in  die  Errichtung  einer  Bürgerwehr.
Während  dieser  bewegten  Zeit  stockte  Handel  und  Wandel.  Die  wohlhabenden
Familien  verließen  Berlin;  die  Armen  aber  litten  Not;  denn  es  fehlte  an  Verdienst.
Erst  allmählich  wurde  die  Ruhe  in  Berlin  wieder  hergestellt.  —  1850  kam  endlich
die  langersehnte  Verfassung  zustande.

Nach  dieser  ist  der  König  der  Herrscher  des  Landes,  ihm  zur  Seite  stehen  die  beiden
Kammern:  das  Herrenhaus  und  das  Haus  der  Abgeordneten.  Jenes  setzt  sich  aus  den
königlichen  Prinzen,  den  Vertretern  der  Großgrundbesitzer,  der  großen  Städte  und  der
Hochschulen  zusammen;  dieses  besteht  aus  den  Vertretern  des  Volkes,  die  alle  fünf  Jahre
neu  gewählt  werden.  Beide  Kammern  bilden  den  Landtag,  der  die  Gesetze  zu  beraten  und
die  Ausgaben  und  Einnahmen  des  Staates  zu  regeln  hat.

2.  Ablehnung  der  Kaiserwürde.  Neben  dem  Wunsche  nach  einer  freieren  Verfassung
hatte  das  Volk  ein  immer  dringenderes  Verlangen  nach  der  Einigung  Deutschlands.  Um
diese  Angelegenheit  des  Reiches  zu  regeln,  wurden  im  Jahre  1848  Abgeordnete  nach
Frankfurt  a.  M.  geschickt.  Es  war  nun  die  Frage,  ob  Ostreich  oder  Preußen  die  Führerschaft
  und  damit  die  Kaisergewalt  erhalten  sollte.  Die  Mehrzahl  der  Abgeordneten  entschied
  sich  jedoch  für  Preußen,  da  dieses  ein  rein  deutsches  Land  sei  und  von  jeher  das  Wohl
Deutschlands  als  sein  Wohl  angesehen  habe.  Als  aber  die  Abgesandten  in  Berlin  erschienen
und  dem  König  die  Kaiserkrone  anboten,  lehnte  er  sie  ab.  Er  wollte  sich  dieser  Krone
wegen  nicht  mit  Ostreich,  vier  Königen  und  Rußland  in  einen  Krieg  stürzen.  Die  Einigung
Deutschlands  war  damit  vorläufig  gescheitert.

3.  Als  Landesvater.  Friedrich  Wilhelm  IV.  war  ein  frommer  Fürst.  Sein  Wahlspruch
  war:  „Ich  und  mein  Haus,  wir  wollen  dem  Herrn  dienen.“  —  Auch  besaß
er  großen  Kunstsinn.  Er  nahm  den  Bau  des  Kölner  Doms  wieder  auf,  der  300  Jahre
geruht  hatte,  und  stellte  die  herrliche  Rarienburg  und  das  Stammschloß  der  Hohenzollern
wieder  her.  In  Berlin  errichtete  er  das  Denkmal  Friedrichs  d.  Gr.  und  erbaute  das  neue
Museum  und  die  Schloßkapelle  mit  der  70  m  hohen  Schloßkuppel.  Diese  trägt  seinen
Wahlspruch  als  Inschrift.  Handel  und  Gewerbe  nahmen  unter  ihm  einen  ungeahnten
Aufschwung.  Dazu  trug  besonders  die  Vermehrung  der  Eisenbahnen  und  Telegraphen
in  Deutschland  bei.  (Erste  Eisenbahn  in  Preußen  zwischen  Berlin  und  Potsdam  18381)
Die  Fabrikthätigkeit  war  besonders  groß  in  Webereien  und  Eisenwaren.  So  war  Elberfeld-Barmen
  ein  zweites  Manchester,  Solingen  ein  zweites  Lüttich  geworden.  In
Berlin  hatte  sich  Borsigs  Maschinenfabrik,  in  Essen  Krupps  Geschützfabrik  Weltruf  erworben.
  —  Zur  Bildung  einer  Kriegsflotte  kaufte  der  König  den  Jadebusen  von
Oldenburg,  wo  er  den  Kriegshafen  „Wilhelmshaven“  anlegte.  Seine  Gemahlin  Elisabeth
  war  ihm  besonders  bei  Errichtung  von  Kranken=  und  Rettungshäusern  behilflich.