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Ostreich  wollte  in  Deutschland  herrschen;  das  konnte  es  nur  mit  Hilfe  der  Kleinstaaten.
Daher  begünstigte  es  die  Erbansprüche  des  Herzogs  Friedrich  von  Augustenburg  auf
Schleswig-Holstein.  Preußen  aber  wollte  diesen  als  Herzog  in  Schleswig-Holstein  nur
dann  anerkennen,  wenn  er  ihm  Heer  und  Flotte  dort  abträte.  Das  wollte  er  nicht.
1865  schlossen  Ostreich  und  Preußen  den  Vertrag  zu  Gastein:  Ostreich  sollte  Holstein,
Preußen  Schleswig  verwalten.  Im  übrigen  behielten  beide  gleiche  Rechte  auf  die
Herzogtümer.  Östreich  fuhr  jedoch  fort,  die  Erbansprüche  des  Augustenburgers  zu
unterstützen.  Da  besetzte  Preußen  Holstein  und  forderte  den  Oberbefehl  über  das  norddeutsche
  Heer.  Nun  beschloß  der  Bundestag  in  Frankfurt  mit  9  gegen  5  Stimmen  den
Krieg  gegen  Preußen.  Sofort  traten  Preußen  und  die  sich  ihm  anschließenden
Staaten  (Mecklenburg,  Oldenburg,  Braunschweig,  Koburg-Gotha,  Weimar,  Bremen  2c.)
vom  deutschen  Bunde  zurück,  der  damit  sein  Ende  erreichte.  Noch  einmal  bot  Preußen
seinen  Nachbarn,  Sachsen,  Hannover,  Kurhessen  und  Nassau,  den  Frieden  an,  jedoch
vergeblich.  Drei  Tage  später  waren  ihre  Länder  von  Preußen  besetzt.

2.  In  Böhmen.  Das  östreichische  Heer  stand  in  Böhmen  unter  Benedek.  Mit
drei  großen  Armeen  rückten  ihm  die  Preußen  entgegen;  die  1.  befehligte  Prinz
Friedrich  Karl,  die  2.  der  Kronprinz,  die  3.  oder  Elbarmee  General  Herwarth  von
Bittenfeld.  Kühn  wurde  die  Grenze  überschritten  und  der  Feind  bei  Hühnerwasser,
Münchengrätz,  Gitschin,  Nachod,  Skalitz  und  Schweinschädel  zurückgeworfen.

3.  Königgrätz.  3.  Juli  1866.  Auf  einer  Anhöhe  zwischen  Königgrätz  und
Sadowa  stand  Benedek  mit  der  Hauptarmee.  Der  König  hatte  sein  Hauptquartier
in  Gitschin;  am  2.  Juli,  abends  11  Uhr,  erhielt  er  vom  Prinzen  Friedrich  Karl
die  Nachricht,  daß  er  den  Feind  ganz  nahe  vor  sich  habe.  Sofort  ward  Kriegsrat
  gehalten  und  beschlossen,  den  Feind  anzugreifen.  Zunächst  begann  Friedrich
Karl  allein  den  Angriff;  doch  der  Vormarsch  ging  sehr  langsam.  Der  Boden
war  vom  Regen  aufgeweicht,  und  die  Räder  der  Geschütze  schnitten  tief  in  den
lehmigen  Boden  ein.  Um  9  Uhr  griff  auch  Herwarth  von  Bittenfeld  mit  ein.  Die
Geschosse  des  an  Zahl  ihm  weit  überlegenen  Feindes  richteten  viel  Unheil  an,  aber
die  Tapferen  wichen  nicht  zurück.  Sechs  Stunden  lang  hielt  Fransecky  mit  seinem  Corps
gegen  eine  dreifache  Ubermacht  im  Walde  vor  Sadowa  stand.  Als  er  dann  doch  bis
auf  ein  Dorf  zurückweichen  mußte,  rief  er  aus:  „Nicht  weiter  zurück,  hier  sterben  wir!“

Schon  um  8  Uhr  erschien  der  König  auf  dem  Schlachtfelde.  Sofort  übernahm  er
den  Oberbefehl.  Ruhig  und  majestätisch  sitzt  er  auf  seinem  schwarzen  Streitrosse,  ihm  zur
Seite  befinden  sich  Bismarck,  Moltke,  Roon.  Unverwandt  ist  sein  Blick  auf  die  Schlachtreihen
  gerichtet.  Dicht  neben  ihm  schlagen  Granaten  in  die  Erde,  aber  er  merkt  nicht  die
Gefahr,  in  der  er  schwebt.  Da  reitet  Bismarck  an  ihn  heran  und  bittet  ihn  dringend,
sich  nicht  so  großer  Gefahr  auszusetzen.  Freundlich  entgegnete  er:  „Wie  kann  ich  davonreiten,
  wenn  meine  brave  Armee  im  Feuer  steht!“

Um  2  Uhr  stiegen  in  östlicher  Richtung  kleine  Rauchwolken  auf.  Der  Kronprinz
  war  eingetroffen  und  hatte  sofort  den  Feind  angegriffen.  Jetzt  konnten  sich  die
Ostreicher  nicht  lange  mehr  halten;  immer  mehr  wurden  sie  zurückgedrängt,  und  bald
begannen  sie  zu  fliehen.  Um  4  Uhr  stellte  sich  der  König  selbst  an  die  Spitze  der
Reiterei  und  leitete  die  Verfolgung.  An  die  Königin  sandte  er  folgende  Depesche:
„Einen  vollständigen  Sieg  über  die  östreichische  Armee  haben  wir  heute  in  einer
achtstündigen  Schlacht  erfochten.  Ich  preise  Gott  für  seine  Gnuade.  Der  Gouverneur
soll  Viktoria  schießen.“  Nun  ging  es  gerade  auf  Wien  los.

4.  Friede.  Da  bat  der  Kaiser  von  Östreich  um  Waffenstillstand,  der  ihm  auch
gewährt  wurde.  Am  23.  August  kam  der  Friede  zu  Prag  zustande.  Es  wurde  festgesetzt,
  daß  Schleswig-Holstein,  Hannover,  Kurhessen,  Nassau  und  Frankfurt  a.  M.  an
Preußen  fallen  sollten.  Ostreich  mußte  aus  dem  deutschen  Bunde  scheiden.  Preußen  er-