—  102  —

Provinz  Anteil  am  Thüringer  Hügellande  und  am  Thüringer  Walde.  (Suhl  S.  89.)
Im  Thüringer  Hügellande  liegt  die  „goldne  Aue“,  das  fruchtbare  Thal  der
Helme;  westlich  davon  das  durch  seine  Branntweinbrennereien  bekannte  Nordhausen.
  In  der  Nähe  des  Thüringer  Hügellandes  liegt  auch  die  Stadt  Erfurt
(75  T.),  durch  ihre  Blumenzucht  weltbekannt,  sowie  Langen  salza.  (Schlacht  1866.)
Im  Nordosten  dieses  Hügellandes  erhebt  sich  das  rauhe,  unfruchtbare  Eichsfeld
(=  Eichenfeld).  Die  bedeutendste  Stadt  daselbst  ist  Mühlhausen.

h.  Hrovinz  Schleswiqg-olstein.  (19  T.  aum  —  1,3  M.  E.  —  kath.)

1.  An  der  Westküste  zieht  sich  ein  8—20  km  breiter  ebener,  sehr  fruchtbarer
  Landstrich  entlang,  der  den  Namen  „Marsch“  (S.  87)  führt.  Gegen  das
Meer  ist  die  Marsch  durch  5—10  m  hohe  Deiche  geschützt.  Schnurgerade  Gräben
durchschneiden  die  Marsch  und  leiten  das  überflüssige  Wasser  durch  Schleusen  ins
Meer.  Bäume  und  Sträucher  sind  in  der  Marsch  selten.  Das  milde,  feuchte  Klima
ruft  einen  ungemein  üppigen  Graswuchs  hervor.  Daher  dient  die  Marsch  hauptsächlich
  als  Weideland;  doch  bestellt  man  sie  —  besonders  im  südlichen  Teile,  bis  zur
Eider  hin  —  auch  mit  Getreide,  Zuckerrüben  u.  s.  w.  In  der  Marsch  findet  man
neben  geschlossenen  Dörfern  auch  viele  Einzelgehöfte.  Die  Häuser  liegen  meistens
auf  künstlichen  Hügeln  („Warfen").  Diese  stammen  aus  jener  Zeit,  da  das  Land
noch  nicht  durch  Deiche  gegen  Uberschwemmungen  geschützt  war.

2.  Land=  und  Seeklima.  An  der  Westküste  Schleswig-Holsteins  (sowie  überhaupt
an  der  Nordseeküste)  ist  der  Himmel  oft  bewölkt;  daher  regnet  es  hier  auch  viel  mehr  als
im  Binnenlande  (z.  B.  in  Brandenburg).  Aus  dem  Meere  steigen  nämlich  tagtäglich  große
Mengen  Wasserdünste  in  die  Luft  empor,  die  bald  darauf  als  Wolken  am  Himmel  erscheinen
und  dem  benachbarten  Lande  häufig  Regen  bringen.  Eine  andre  auffallende  Erscheinung
an  der  Westküste  Schleswig-Holsteins  ist  die,  daß  die  Sommer  nicht  so  heiß,  die  Winter
aber  in  der  Regel  nicht  so  kalt  sind  als  im  Binnenlande.  Das  Meer  giebt  nämlich  die
Wärme  langsamer  von  sich  als  die  Erde.  Die  zurückgehaltene  Sommerwärme  aber  teilt
es  im  Winter  allmählich  der  angrenzenden  Luft  mit,  die  dann  durch  den  Wind  auf  die
benachbarten  Landstriche  gelangt  und  so  die  Temperatur  im  Winter  erhöht.  Daher  die
milden  Winter  in  Gegenden  mit  Seeklima!  Im  Sommer  dagegen  vermindert  das  Meer

durch  seine  stete  Ausdünstung  (wobei  viel  Wärme  verbraucht  wird)  die  Hitze  und  erniedrigt
durch  die  kühlen  Seewinde  die  Temperatur.  Daher  die  kühlen  Sommer!

3.  Die  Mitte  der  Halbinsel  enthält  viel  Moor=  und  Sandboden  (Geest)  und
ist  daher  nur  schwach  bevölkert.  Der  Moorboden  kommt  aber  seines  vielen  Torfes
wegen  dem  Lande  sehr  zu  statten,  da  das  Land  an  Wald  nur  arm  ist,  besonders
an  der  Westküste.  In  der  Marsch  fehlt  der  Wald  gänzlich.

4.  Im  Osten  der  Halbinsel  finden  wir  ein  fruchtbares  Hügelland.  Die  Felder
sind  hier  —  wie  auch  vielfach  in  der  Mitte  der  Halbinsel  —  mit  sogenannten
Knicks  umgeben.  Das  sind  grüne  Hecken,  die  auf  Erdwällen  stehen  und  zur  Einfriedigung
  und  zum  Schutze  des  Viehes  gegen  die  rauhen  Winde  dienen  sollen.  Die
langen,  schmalen  Einschnitte,  die  das  Meer  hier  an  der  Ostküste  in  das  Land  macht,
nennt  man  Förden.  An  ihnen  liegen  bedeutende  Städte:  Kiel  (86  T.),  Eckernförde,
  Schleswig  und  Flensburg.  ,

Der  Kieler  Hafen  ist  der  einzige  deutsche  Kriegshafen  der  Ostsee.  Er  er—
streckt  sich  15  km  weit  landeinwärts  und  hat  eine  Tiefe  von  9—11  m.  1865  ist
er  für  die  deutsche  Flotte  hergestellt,  und  seitdem  ist  Kiel  eine  rechte  Marine—
stadt  geworden.  Auf  den  dortigen  Schiffswerften  werden  großartige  Kriegsschiffe
erbaut,  von  denen  viele  mit  Eisen  bepanzert  sind.  Soll  ein  Schiff  ausgebessert
werden,  so  wird  es  in  einen  großen  ausgemauerten  Wasserbehälter  (Trockendock)
gefahren,  die  Einfahrt  durch  Thore  geschlossen  und  der  Wasserbehälter  leer  gepumpt.
Dann  liegt  das  Schiff  trocken  da.  Ist  die  Ausbesserung  beendet,  so  wird  das
Dock  geöffnet,  das  Wasser  dringt  hinein,  und  das  Schiff  wird  wieder  flott.