—  110  —

läßt  der  Rhein  das  Gebirge  und  tritt  in  das  Tiefland  ein.  Bald  erblicken  wir
am  linken  Ufer  ein  gewaltiges  Häusermeer.  Wir  sind  in  Köln  (321  T.),  der
„Königin  des  Niederrheins“.  Die  Stadt  ist  stark  befestigt  und  mil  der  auf  dem
rechten  Ufer  gelegenen  Feste  Deutz  durch  eine  Eisenbrücke  verbunden.  Einen  be—
sondern  Ruf  hat  Köln  durch  die  Herstellung  des  kölnischen  Wassers  (eau  de  Cologne)
erhalten,  das  hier  noch  heute  in  mehr  als  30  Fabriken  angefertigt  wird.

Der  Kölner  Dom.  Unter  den  vielen  Kirchen  Kölns  ragt  besonders  der  Dom
hervor,  dieser  Wunderbau  ohnegleichen.  Der  Grund  dazu  wurde  schon  vor  mehr
als  600  Jahren  gelegt;  aber  erst  1880  wurde  der  Dom  in  Gegenwart  des  deutschen
Kaisers,  des  Kronprinzen  und  vieler  Fürsten  eingeweiht.  Ein  herrliches  Portal
führt  uns  in  den  innern  Raum,  wo  wir  einen  förmlichen  Wald  von  erhabenen,
steinernen  Säulen  erblicken.  Hinter  dem  reich  verzierten  Hochaltar  findet  sich  die
Kapelle  der  heiligen  3  Könige.  In  der  Schatzkammer  des  Doms  zeigt  man  einen
Schrein  von  reinem  Golde,  mit  Perlen  und  Edelsteinen  reich  besetzt.  In  diesem
ruhen  die  Gebeine  der  heiligen  3  Könige,  die  Friedrich  Barbarossa  dem  Erzbischof
schenkte.  Die  beiden  Türme  des  Domes  sind  156  m  hoch  und  werden  nur  noch
vom  Münster  in  Ulm  (161  m)  an  Höhe  übertroffen.  Die  große  Kaiserglocke  ist
aus  dem  Metall  von  22  eroberten  französischen  Kanonen,  die  Kaiser  Wilhelm  I.
dem  Dome  geschenkt  hat,  gegossen  worden.

Von  Köln  gelangen  wir  weiter  nach  dem  freundlichen  Düsseldorf  (180  T.)
und  später  nach  der  Festung  Wesel,  wo  uns  ein  Denkmal  an  die  1809  erschossenen
11  Offiziere  des  Schillschen  Freikorps  erinnert.  (Gesch.  S.  64.)

4.  Das  Tiefland  umfaßt  ein  großes  Stück  der  niederrheinischen  Tiefebene.
  Diese  beginnt  (etwa  bei  Aachen  und  Bonn)  mit  einem  bewaldeten,  freundlichen
  Hügellande  und  setzt  sich  nach  N.  hin  als  Flachland  durch  Holland  bis  ans
Meer  fort.  Am  Südrande  des  Tieflandes  befinden  sich  (bei  Aachen  und  Eschweiler)
  große  Steinkohlenlager.  Daher  herrscht  hier  überall  eine  große  Fabrikthätigkeit.
  Die  bedeutendsten  Fabrikstädte  hier  sind  Krefeld  (110  T.),  mit  Samtund
  Seidenfabriken,  München-Gladbach  und  Aachen  (110  T.),  mit  bedeutenden
Tuchfabriken.  Im  Dome  zu  Aachen  liegt  Karl  d.  Gr.  begraben,  der  hier  eine
Pfalz  hatte  und  gern  in  den  heißen  Schwefelbädern  der  Stadt  badete.

5.  Unter  dem  Oberpräsidium  der  Rheinprovinz  stehen  auch  die  hohenzollernschen
  Lande,  die  seit  1849  zu  Preußen  gehören.

9.  Die  norddeutschen  Küstenstaaten.

a.  Die  Großherzogtümer  Mecklenburg-Schwerin
und  Mecklenburg-Strelitz.  (Nicht  ganz  ½  von  Brandenburg  —  700  T.  E.)

1.  Das  Küstenland  mit  dem  Fischlande.  Das  Küstenland  hat  neben  fruchtbarem
  Marschlande  auch  vielen  sandigen  Boden.  Die  Nähe  des  Meeres  weist
daher  die  Küstenbewohner  vorzugsweise  auf  Schiffahrt  und  Seehandel  hin.  Die
wichtigsten  Seehandelsstädte  sind  Wismar  und  Rostock.  In  Rostock  wurde  Blücher
geboren.  Ein  Standbild,  das  ihm  zu  Ehren  errichtet  ist,  trägt  die  Inschrift:  „In
Harren  und  Krieg,  in  Sturz  und  Sieg  bewußt  und  groß,  so  riß  er  uns  vom
Feinde  los.“  Die  meisten  Schiffer  kommen  vom  „Fischlande“.  Das  ist  eine  Halbinsel,
  die  etwa  100—2000  m  breit  ist  und  nur  5  Dörfer  enthält.

2.  Das  BVinnenland  wird  von  dem  nördlichen  Landrücken  durchzogen.
Er  wird  hier  auch  die  mecklenburgische  Seenplatte  genannt.  In  der  muldenförmigen
  Einsenkung  desselben  liegen  nämlich  4—500  größere  und  kleinere  Seen.
Sie  sind  meist  von  lieblich  bewaldeten  Höhen  umgeben.  Auch  sind  sie  durch
zahlreiche  Kanäle  und  schiffbare  Flüsse  verbunden  und  machen  daher  einen  regen