—  133  —

2.  Das  Bergland.  Den  Südosten  Belgiens  nehmen  die  Ardennen  ein.  In
ihren  urwaldähnlichen  Wäldern  hausen  noch  Wölfe.  Im  Schoße  dieses  Berglandes
findet  man  einen  unermeßlichen  Reichtum  an  Steinkohlen  und  Eisen.  Es  giebt
dort  über  300  Steinkohlengruben.  Der  Kohlenreichtum  besonders  hat  eine  sehr
lebhafte  Gewerbthätigkeit  und  eine  sehr  dichte  Bevölkerung  hervorgerufen.  Auf
1  qkm  wohnen  durchschnittlich  215  Menschen.  (Im  Königreiche  Sachsen  252,  in
Norwegen  und  Schweden  nur  9.)  Uberall  im  ganzen  Lande  sieht  man  die  großartigsten
  Fabrikanlagen,  und  Brabanter  (Brüsseler)  Spitzen,  Tuche  und  Teppiche,
Brügger  Damaste  und  Lütticher  Waffen  gehen  durch  die  ganze  Welt.  Der  lebhafte
Handel  wird  durch  zahlreiche  Kanäle  und  Schienenwege  wesentlich  gefördert.  Belgien
hat  das  dichteste  Eisenbahnnetz  Europas.  So  kommt  es,  daß  Belgien  in  gewerblicher
  Beziehung  nächst  England  in  Europa  die  erste  Stelle  einnimmt.  —  Das
Bergland  wird  von  der  Maas  durchschnitten.  Von  Lüttich  (dem  „belgischen
Birmingham“")  an  sind  ihre  Ufer  auf  weite  Strecken  dicht  mit  Häusern  und  Fabriken
übersäet.  Auf  der  Grenze  zwischen  Hügelland  und  Ebene  liegt  Brüssel  (1  M.),
die  Hauptstadt  Belgiens,  3  Stunden  südlich  davon  das  Schlachtfeld  von  Belle-Alliance.
  (1815.)

18.  Frankreich.  (Etwas  kleiner  als  Deutschland  —  38  M.  C.)

1.  Das  Tiefland,  a.  Flüsse.  Der  Norden  und  Westen  Frankreichs  ist  vorzugsweise
  Tiefland.  Dieses  ist  reichlich  bewässert  und  wird  von  der  Seine  ssähnss,
Loire  sloahrs]  und  Garonne  durchströmt.  Alle  drei  haben  große,  meerbusenartige
  Mündungen  und  sind  bis  weit  ins  Land  hinein  schiffbar.  Die  vielfach  nur
geringen  Bodenerhebungen  des  Tieflandes  begünstigen  die  Anlage  vieler  Kanäle.
Diese  befördern  Handel  und  Schiffahrt.

b.  Boden,  Klima  und  Produkte.  Das  Tiefland  ist  meist  sehr  fruchtbar,
besonders  in  den  Flußniederungen,  wie  z.  B.  an  der  Loire.  Ihr  Gebiet  gehört
mit  zu  den  reichsten  Gegenden  Frankreichs.  Mit  der  Fruchtbarkeit  des  Bodens
vereinigt  das  Tiefland  ein  günstiges,  sehr  mildes  Klima.  An  der  Westseite  herrscht
wegen  der  Nähe  des  Meeres  Seeklima.  Die  vielen  Niederschläge  erscheinen  häufig  als
Regen,  sehr  selten  als  Schnee.  Darum  bleiben  hier  auch  die  Laubhölzer  im  Winter
grün,  und  Feigen,  Myrten  und  Melonen  gedeihen  im  Freien  aufs  schönste.  Bei
dem  günstigen  Klima  giebt  der  fruchtbare  Boden  reiche  Ernten.  Er  wird  besonders
  mit  Weizen,  im  Süden  auch  mit  Mais  bestellt.  Obst  hat  Frankreich  in
Überfülle  und  von  ganz  vorzüglicher  Güte.  Aber  bei  alledem  steht  die  Landwirtschaft
  der  deutschen  und  der  englischen  nach.  Bei  mittelmäßiger  Ernte  muß
Frankreich  Getreide  einführen.  Die  Bauern  haben  vielfach  nur  ein  kleines  Besitztum
  und  sind  daher  selten  reich.  Aber  dennoch  ist  Frankreich  durch  seinen
Wein-,  Obst=  und  Seidenbau  sowie  durch  seinen  Gewerbfleiß  eins  der  wohlhabendsten
  Länder  Europas.

Zc.  Städte  des  Tieflandes.  An  der  Seine  liegt  Paris  (Hauptstadt,  2,7  M.).

Paris  ist  nächst  London  die  größte  Stadt  Europas.  Sie  ist  mit  einem
40  km  langen  und  10  m  hohen  Walle  umgeben.  Außerdem  ist  die  Stadt  durch
mehr  als  40  Außenwerke  geschützt.  Die  frühern  Festungswälle  sind  infolge  der
Stadterweiterung  abgetragen  und  in  prachtvolle,  mit  Bäumen  bepflanzte  Straßen
(Boulevards)  umgewandelt  worden.  Hier  sieht  man  die  feinsten  Wohnhäuser,  die
schönsten  Läden,  die  größten  Hotels.  Am  rechten  Ufer  der  Seine  finden  wir  die
prachtvollen  Königsschlösser  mit  ihren  herrlichen  Gärten.  An  diese  schließen  sich
die  elysäischen  Felder  an,  die  mit  ihren  Lustwäldern,  Alleen,  Kaffeehäusern,  Tanzlokalen
  und  Karussels  ein  Lieblingsort  der  Pariser  geworden  sind.  —  Paris  ist