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1.  Kleinasien.  Die  ganze  Halbinsel  ist  eine  wellige  Hochfläche,  die  mit  höhern
Randgebirgen  umgeben  ist.  Die  Regenwolken  entladen  sich  meist  schon  am  äußern
Rande  der  Gebirge,  weshalb  das  Land  im  Innern  regenarm  ist.  (S.  135.)  In—
folge  der  Dürre  enthält  das  Innere  große  Sandwüsten.  Die  kleinern  Flüsse,  die
dem  innern  Rande  entquellen,  schleichen  den  Thälern  der  Mitte  zu,  wo  sie  langsam
verdunsten.  Dadurch  entstehen  große  Schilfsümpfe  oder  stellenweise  (durch  Auslaugung
  des  salzhaltigen  Bodens)  Salzsümpfe.  Nur  die  niedrigen  Küsten  sowie  die
sie  umgrenzenden  Bergabhänge  sind  gut  bewässert  und  ungemein  fruchtbar.  Hier
gedeihen  Wein,  Südfrüchte  und  Baumwolle,  und  in  den  Wäldern  findet  man  immergrüne
  Eichen  sowie  Johannisbrot=  und  Maulbeerbäume.  In  den  Randgebirgen
des  Westens  wird  viel  Meerschaum,  an  der  Westküste  viel  Badeschwamm  gefunden.
Hauptorte  sind  Smyrna  (230  T.,  die  wichtigste  Handelsstadt  der  ganzen  asiatischen
  Türkei)  und  Skütari  (die  asiatische  Vorstadt  von  Konstantinopel).

2.  Syrien  mit  Palästina.  a.  Syrien.  Ganz  Syrien  ist  eine  Hochebene,  die
vielfach  von  Gebirgen  (im  W.  der  Libanon,  im  O.  der  Antilibanon)  durchzogen
ist  und  besonders  im  Osten  sandige  Wüsten  aufzuweisen  hat.  Die  Hauptstadt  Syriens
ist  Damaskus  (170  T.).  Sie  liegt  in  einer  reich  bewässerten  und  daher  sehr  fruchtbaren
  Ebene.  Der  wichtigste  Handelshafen  ist  jetzt  Beirut.  Der  schmale,  sandreiche
  Küstenstrich  zwischen  dem  mittelländischen  Meere  und  dem  Libanon  war  das
alte  Phönizien.  Die  ehemals  so  berühmten  Hauptstädte  dieses  Landstriches,  Tyrus
und  Sidon,  sind  jetzt  zu  ärmlichen  Flecken  herabgesunken.

b.  Palästina.  Den  südlichen  Teil  Syriens  bildet  Palästina.  Ehemals  hieß
es  Kanaan.  Seiner  Fruchtbarkeit  wegen  nannte  man  es  das  Land,  „darinnen  Milch
und  Honig  fließt".  Daher  war  es  auch  möglich,  daß  in  dem  kleinen  Lande  5  Millionen
  Menschen  leben  konnten.  Jetzt  aber  ist  die  Pracht  des  Landes  verschwunden.
Durch  Kriege  und  Erdbeben,  ganz  besonders  aber  durch  die  Raubgier  der  türkischen
Paschas,  ist  das  Land  in  Elend  versunken,  und  nur  räuberische  Beduinen  durchziehen
  es  mit  ihren  Pferden,  Kamelen  und  Ziegen.  Die  Berge  sind  entwaldet  und
daher  auch  die  Bäche  versiegt.  Auf  den  weiten  Auen  wachsen  Dornen  und  Disteln,
und  unter  den  Schutt=  und  Trümmerhaufen  der  zerfallenen  Städte  hausen  Schakale
  und  Wölfe.  Der  Hauptfluß  Palästinas  ist  der  Jordan.  Er  durchfließt  den
fischreichen,  ringsum  von  Bergen  eingeschlossenen  See  Genezareth  und  mündet
in  das  tote  Meer.

c.  Das  tote  Meer  liegt  in  einem  furchtbar  heißen  Gebirgskessel.  Ringsum
ist  es  von  Kreidefelsen  mit  tiefen,  vom  Regen  durchfurchten  Schluchten  umgeben.
Das  Wasser  des  Sees  enthält  etwa  25  %  feste  Bestandteile  (Salze)  und  hat  einen
bittersalzigen  Geschmack.  Kein  Mensch,  kein  Tier  mag  davon  trinken,  und  weder
Fisch  noch  Muschel  kann  darin  leben.  Wer  sich  in  dem  See  badet,  wird  von  dem
Wasser  fast  in  die  Höhe  gehoben  und  schwimmt  wie  ein  Stück  Holz  darauf.  Einen
Abfluß  hat  der  See  nicht,  er  entleert  sich  nur  durch  Verdunstung,  daher  der  starke
Salzgehalt  des  Wassers.

d.  Provinzen  und  Städte  Palästinas.  Palästina  wird  durch  den  Jordan
in  das  West=  und  Ostjordanland  geschieden.  Das  Westjordanland  zerfiel  zur  Zeit
Jesu  in  3  Provinzen:  Judäa,  Samaria  und  Galiläa.

1)  Judäa,  von  den  nackten  Höhen  des  judäischen  Gebirges  durchzogen,
enthält  die  Hauptstadt  Palästinas,  Jerusalem.  Die  heilige  Stadt  liegt  auf
mehreren  Hügeln  und  ist  von  einer  13  m  hohen  Mauer  umgeben.  Die  Häuser
haben  meist  flache  Dächer,  die  von  Kuppeln  mit  dem  Halbmonde  und  von  Klöstern
mit  dem  Kreuze  überragt  werden.  An  der  Stelle  des  Tempels  erhebt  sich  jetzt
die  Omarmoschee,  die  zu  den  größten  Heiligtümern  der  Mohammedaner  zählt.
Die  schmalen,  oft  überwölbten  und  daher  dunkeln  Gassen  sind  schlecht  gepflastert