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erlangen.  Zu  diesem  Zwecke  ist  der  seidene  Umhang  der  Kaaba  an  verschiedenen
Stellen  durchlöchert.

3.  An  der  Südküste  liegt  die  englische  Freihafenstadt  Aden  säden]  in  einem
schrecklich  öden,  heißen  Lavakessel,  durch  dessen  Ankauf  sich  England  die  Herrschaft
im  roten  Meere  gesichert  hat.  Zu  Arabien  gehört  auch  die  Sinaihalbinsel  mit
dem  Sinaigebirge  sowie  die  durch  Perlenfischerei  bekannte  Insel  Ormus.

96.  Vorderindien.  (8  mal  so  groß  wie  Deutschland  —  260  M.  E.)

1.  Das  Himälajagebirge  (d.  h.  Schneewohnung)  bildet  den  steilen  Nordrand
  Vorderindiens.  Es  ist  das  großartigste  Gebirge  der  Erde  und  bedeckt  einen
13mal  so  großen  Raum  wie  die  Alpen.  Auch  besitzt  es  den  höchsten  Berg  der
Erde,  den  Mount  /maunt]  Everest.  Sein  Gipfel  erreicht  fast  die  doppelte  Höhe
des  Montblanc  (8800  m).  In  einem  Hochthale  des  Himalaja  liegt  wie  in  einem
„Garten  des  ewigen  Frühlings“  Kaschmir,  berühmt  durch  seine  Shawlwebereien.

2.  Das  Tiefland  von  Hindostan  wird  im  Westen  vom  Indus,  im  Osten
vom  Ganges  durchflossen.  Alljährlich  tritt  der  Ganges  über  seine  Ufer  und  überschwemmt
  weite  Länderstrecken.  Die  Gangesebene  ist  daher  außerordentlich  fruchtbar
und  sehr  dicht  bevölkert.  Seiner  befruchtenden  Kraft  wegen  halten  die  Hindu  den
Ganges  für  einen  heiligen  Fluß.  Der  Kranke  hofft  in  seinen  Fluten  zu  genesen,
der  Gesunde  wünscht  darin  zu  sterben.  Daher  sind  auch  seine  Ufer  bei  Sonnenaufund
  -untergang  mehrere  hundert  Meilen  entlang  von  Badenden  und  Betenden  belebt.
  Tausende  pilgern  jährlich  nach  Benäres  und  Allahabäd,  um  in  den
heiligen  Fluten  zu  baden  und  sich  von  Sünden  rein  zu  waschen.  An  den  Ufern
des  Ganges  befinden  sich  die  Badeplätze,  zu  denen  Treppen  von  Marmor  hinabführen.
  Auch  sieht  man  hier  am  Ufer  nicht  selten  Ruhebetten  stehen,  in  denen
Kranke  liegen.  Die  Kranken  lassen  sich  Mund  und  Nase  mit  dem  heiligen  Schlamme
des  Flusses  beschmieren  und  sterben  so  im  Anblick  des  Flusses.  Ihre  Leichname
werden  später  in  die  Fluten  geworfen  und  —  von  Krokodilen  oder  Aasgeiern  verzehrt.
  —  Mit  dem  Ganges  vereinigt  sich  der  Brahmaputra.  Beide  Flüsse
bilden  das  größte  Delta  der  Erde.  Auf  den  weichen  Schlamminseln  des  Deltas
finden  sich  Dickichte  von  Bambusrohr,  Schilf  u.  s.  w.  Sie  werden  Dschungeln
genannt.  In  ihnen  hausen  Tiger,  Büffel,  Krokodile  und  Schlangen  ohne  Zahl.
Die  meisten  Mündungsarme  im  Delta  sind  verschlammt.  An  einem  der  schiffbaren
Arme  liegt  Kalkutta  kalkötta)  (800  T.),  die  Hauptstadt  Indiens  und  der  Wohnsitz
des  englischen  Vicekönigs.

3.  Klima  und  Bodenerzeugnisse.  Das  Tiefland  von  Hindostan  ist  namentlich
in  seinem  östlichen  Teile  äußerst  fruchtbar.  Das  feuchtheiße  Klima  bringt  hier  eine
Uppigkeit  der  Pflanzen  hervor  wie  sonst  nirgends  auf  der  Erde.  Es  giebt  hier
Bäume,  die  jährlich  zweimal  Früchte  tragen.  Manche  Pflanzen  machen  in  einer
Nacht  fingerlange  Triebe.  In  den  Sumpfniederungen  wachsen  ungeheure  Mengen
von  Reis.  Er  liefert  hier  jährlich  2—3  Ernten  und  bildet  die  Hauptnahrung  der
Hindu.  Die  Felder  aber  liefern  reiche  Erträge  an  Weizen,  Baumwolle,  Zuckerrohr,
  Indigo  u.  s.  w.  In  den  Urwäldern  Hindostans  findet  man  Palmen,  indische
Feigen,  Brotfruchtbäume,  Bambusrohr  u.  s.  w.

4.  Das  Hochland  von  Dekan  senkt  sich  von  Westen  nach  Osten,  ist  aber  sowohl
  an  der  Westküste  (Malabar)  wie  auch  an  der  Ostküste  (Koromandel)  mit  Randgebirgen
  umgeben.  Das  Innere  des  Landes  bekommt  daher  nur  selten  Regen
(S.  134)  und  ist  vielfach  dürr  und  unfruchtbar.  Auf  einer  kleinen  Insel  an  der
Westküste  liegt  Bombay  lbombeh]  (800  T.),  der  Haupthafen  für  Baumwolle  und
Baumwollenwaren.  An  der  flachen  Ostküste  liegt  an  der  einzigen  Stelle,  die  durch
größere  Schiffe  zu  erreichen  ist,  die  Hafenstadt  Madräs  (450  T.).

Realienbuch.  B.  10