—  149  —

eine  vornehme  Frau  wohl  an  20  Gewänder  davon  übereinander  zieht,  ohne  sich
zu  entstellen.  Die  zierlichen  Holzwaren  werden  mit  einem  Lack  überzogen,  der  so
dauerhaft  ist,  daß  ihn  die  heißeste  Flüssigkeit  nicht  angreift.  Das  Fleisch  der  Haus—
tiere  wird  nicht  gegessen,  da  die  Religion  das  Schlachten  derselben  verbietet.  Auch
Milch  trinken  die  Japaner  nicht,  weil  sie  ihnen  als  weißes  Blut  Ekel  erregt.  —
In  neuster  Zeit  nehmen  die  Japaner  in  vielen  Dingen  europäische  Bildung  an,
bauen  Eisenbahnen,  legen  Telegraphen  an,  kleiden  und  bewaffnen  ihre  Soldaten  nach
Art  der  Europäer  und  errichten  Volksschulen.  In  ihren  Tempeln  verehren  sie  noch
immer  fratzenhafte  Götzen.  Seitdem  aber  der  Kaiser  das  Verbot  gegen  die  christ—
liche  Lehre  aufgehoben  hat,  breitet  sich  diese  allmählich  immer  weiter  aus.

Afrika.

1.  Afrika  ist  dreimal  so  groß  wie  Europa,  hat  aber  nur  170  M.  E.  Von
Europa  ist  es  durch  das  mittelländische  Meer  geschieden.  Mit  Asien  hängt  es
durch  die  Landenge  von  Suez  zusammen.  Diese  wird  jetzt  von  dem  Suez-Kanal
  durchschnitten,  der  die  Verbindung  des  mittelländischen  Meeres  mit  dem
roten  Meere  herstellt.  Dadurch  wird  der  Seeweg  von  Europa  nach  Asien  erheblich
gegen  früher  verkürzt.  Afrika  ist  wenig  gegliedert;  daher  hält  es  sehr  schwer,
in  das  Innere  einzudringen.  Der  ganze  Erdteil  ist  nämlich  vorherrschend
Hochebene,  die  von  höhern  Randgebirgen  umgeben  ist.  (Atlas,  Konggebirge,
Kamerungebirge,  süd=  und  ostafrikanisches  Hochland,  Alpenland  von
Habesch  u.  s.  w.)  Da,  wo  die  Flüsse  die  Randgebirge  durchbrechen  und  zum
Küstensaum  abfallen,  entstehen  Stromschnellen  oder  Wasserfälle,  die  die  Schiffahrt
in  das  Innere  geradezu  unmöglich  machen.  Das  gilt  vom  Senegal,  Gambia,
Kongo,  Oranje  und  Sambesi,  und  nur  Niger  und  Nil  sind  in  ihrem  langen
Unterlaufe  schiffbar.  In  den  muldenförmigen  Einsenkungen  der  Hochebenen  haben
sich  vielfach  Seen  gebildet,  wie  z.  B.  der  Tsad-,  Victoria=  und  Albertsee.

30.  Agypten.  (Doppelt  so  groß  wie  Deutschland  —  6  M.  C.

1.  Der  Nil  ist  fünfmal  so  lang  wie  der  Rhein.  Er  durchfließt  Agypten  in
einem  15—20  km  breiten,  äußerst  fruchtbaren  Thale  und  bildet  bei  seiner  Mündung
  ein  breites  Delta.  Durch  große  Regengüsse,  die  alljährlich  im  Juli  am  obern
Nil  wiederkehren,  schwillt  der  Nil  um  diese  Zeit  so  gewaltig  an,  daß  er  3  Monate
lang  aus  seinen  Ufern  tritt  und  das  Land  weit  und  breit  überschwemmt.  Dann
gleicht  Agypten  einem  wogenden  See,  aus  dem  Städte,  Dörfer  und  Palmenhaine
wie  grüne  Inseln  hervorragen.  Wo  das  Wasser  nicht  von  selbst  hinkommen  kann,
wird  es  durch  Kanäle  und  Schöpfräder  hingeleitet.  Ende  Oktober  verläuft  sich  das
Wasser  wieder  und  läßt  einen  fetten  Schlamm  zurück.  Der  feuchte  Boden  wird  nun  mit
Weizen,  Mais,  Baumwolle,  Zuckerrohr  u.  s.  w.  bestellt,  und  wenn  es  bei  uns  Weihnachten
  ist,  stehen  die  Saatfelder  in  Agypten  bereits  in  schönster  Pracht  da.  Immer
stärker  wird  jetzt  die  Sonnenglut.  Im  April  und  Mai  findet  die  Ernte  statt,  und  von
jetzt  an  bis  zur  nächsten  Flut  gleicht  das  Land  einem  wüstenähnlichen  Staubgefilde.

2.  Bewohner  und  Städte.  Weitaus  der  größte  Teil  von  Agypten  ist  Wüstenland;
  die  Bewohner  drängen  sich  daher  in  dem  sehr  fruchtbaren  Nilthale  zusammen.
Dieses  Thal  ist  ein  einziges  Saatfeld,  ohne  Wiese  und  Wald,  und  nur  selten  durch
kleine  Dattelhaine  unterbrochen.  Die  jetzigen  Bewohner  heißen  Fellachen  (d.  h.
Pflüger),  wenn  sie  Mohammedaner,  Kopten,  wenn  sie  Christen  sind.  Der  Beherrscher
  Agyptens  führt  den  Titel  Chedive  (kediw).  Er  ist  jedoch  dem  türkischen

 