—  154  —

von  Belgien.  In  diesem  Kongostaate  haben  alle  Staaten  Europas  freies  Handelsund
  Schiffahrtsrecht.  Er  ist  etwa  fünfmal  so  groß  als  Deutschland  und  hat  30  Mill.
Bewohner.  Sie  haben  meist  eine  tiefschwarze  Hautfarbe.  In  der  Schmiedekunst
und  Schnitzerei  zeigen  sie  große  Geschicklichkeit.  Nicht  selten  auch  findet  man  bei
ihnen  —  gegen  alle  Erwartung  —  wohlbestellte  Felder  und  verhältnismäßig  gut
gebaute,  sehr  lange  Dörfer.

3.  Deutsch-Ostafrika,  eine  deutsche  Kolonie,  liegt  an  der  Ostküste  Afrikas.
Sie  erstreckt  sich  bis  zu  den  großen  Seen  (Viktoria,  Tanganika,  Nyassa)  und  nimmt
einen  Flächenraum  ein,  der  etwa  das  Doppelte  von  Deutschland  beträgt.  An  der
Nordgrenze  des  Landes  liegt  der  höchste  Berg  Afrikas,  der  Kilima-Rdjaro.  Er
ist  6000  m  hoch  und,  obwohl  unter  dem  Aquator  gelegen,  auf  seinem  Gipfel  beständig
  mit  Schnee  und  Eis  bedeckt.  Um  den  Berg  herum  dehnt  sich  eine  Hochebene
  aus,  deren  Fruchtbarkeit  und  angenehmes  Klima  wahrhaft  paradiesisch  ist.  —
Auf  den  weiten  Steppen  im  Innern  wimmelt  es  von  Tieren  aller  Art.  Da  weiden
Antilopen  und  Zebras  in  Herden  von  2—300  Stück.  Die  langhalsige  Giraffe
frißt  hier  Laub  von  den  Bäumen,  im  Grase  sitzt  der  Strauß  und  brütet,  und  der
Löwe  erschreckt  des  Nachts  die  Bewohner  durch  sein  Gebrüll.  In  den  Morästen
hausen  Nashorn  und  Nilpferd.  Elefanten  durchbrechen  die  dichten  Urwälder,  und
auf  den  Bäumen  klettern  zahllose  Affen  von  Ast  zu  Ast.  —  Die  wichtigsten  Küstenorte
  sind  die  Hauptstadt  Dar-es-Saläm,  d.  h.  Stätte  des  Friedens  (10  T.),
Bagamoyo  (13  T.),  Pangäni,  Tanga  uu.  s.  w.  Von  Tanga  aus  führt  jetzt  eine
Eisenbahn  —  die  erste  in  Deutsch-Ostafrika  —  ins  Innere.

36.  Südafrika.

1.  Das  Kapland.  Die  Südspitze  Afrikas  bis  zum  Oranjefluß  hin  führt  den
Namen  Kapland.  —  Die  Haupterzeugnisse  sind  Schafwolle,  Straußenfedern  (Strauße
werden  hier  gezüchtet),  Wein  (Kapwein)  und  Weizen.  In  den  Wildnissen  weiden
Büffel,  Antilopen,  Zebras,  Quaggas  und  Giraffen,  und  im  Gebüsch  lauern  Löwen,
Hyänen,  Schlangen  u.  s.  w.  auf  Beute.  Am  Oranjeflusse  sind  in  jüngster  Zeit
auch  viele  Diamanten  aufgefunden  worden.  Die  Hauptstadt  der  englischen  Besitzung
ist  Kapstadt  (50  T.),  am  Fuße  des  steilen  Tafelberges.

2.  Die  Buren-Freistaaten,  nördlich  vom  Oranjefluß,  sind  von  holländischen
Bauern,  die  durch  Engländer  aus  Natal  vertrieben  wurden,  gegründet  worden.

3.  Natal,  eine  englische  Besitzung  an  der  Ostküste,  wird  hauptsächlich  von
Zulukaffern  bewohnt.

4.  Deutsch-Südwestafrika  ist  etwa  doppelt  so  groß  als  Deutschland  selbst.
Das  Küstenland  erhält  nur  selten  Regen  und  ist  daher  dürr  und  sandig.  Je
weiter  man  aber  zu  den  Hochebenen  des  Innern  emporsteigt,  desto  grüner  und
fruchtbarer  wird  das  Land,  weil  es  hier  schon  öfters  im  Jahre  regnet.  Die  Bewohner
  des  Landes  sind  im  Süden  die  Nama,  im  Norden  die  Herero  lherero!
und  die  Ovambo.  Die  Nama  gehören  dem  Stamme  der  Hottentotten  an.  Sie  sind
die  häßlichsten  Leute  in  ganz  Afrika.  Ihre  Wohnung  ist  eine  runde  Hütte,  die  mit
allerhand  Fellen,  Lappen  und  Baumästen  überdeckt  ist.  Die  Hottentotten  waschen
sich  nie.  Von  Zeit  zu  Zeit  aber  reiben  sie  sich  den  Körper  mit  Fett  ein.  Bei  feierlichen
  Gelegenheiten  bemalen  sie  Gesicht  und  Körper  mit  einer  gelben  Farbe.  Die
Nama  sind  ungemein  faul.  Nur  der  Hunger  treibt  sie  zur  Arbeit.  Mit  Speer,
Pfeil  und  Bogen  erlegen  sie  kleine  Tiere;  in  der  Not  verspeisen  sie  auch  Spinnen,
Schlangen,  Würmer,  Käfer  und  selbst  Aas.  —  Nördlich  von  den  Nama  wohnen
die  schwarzbraunen  Herero.  Ihr  ganzer  Reichtum  besteht  in  Rindern,  Schafen  und
Ziegen,  und  mancher  besitzt  Herden,  die  nach  Tausenden  zählen.  Schon  seit  den  vierziger
  Jahren  sind  deutsche  Missionare  in  diesen  Gebieten  thätig.  Von  den  Stationen