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und  laden  durch  ihre  bunte  Farbe  wie  ein  Wirtshausschild  die  Insekten  zum  Honigmahle
  ein.  Die  wesentlichsten  Teile  der  Blüte  sind  Staubblätter  und  Stempel,
da  durch  sie  allein  die  Bildung  der  Frucht  bewirkt  wird.  Ein  Staubblatt  besteht
aus  dem  Staubfaden  und  dem  Staubbeutel.  In  dem  Staubbeutel  entwickelt  sich
der  Blütenstaub,  Pollen  genannt.  Bei  der  Reife  springt  das  Beutelchen  auf,  der
Staub  fällt  heraus  und  wird  vom  Winde  oder  von  Insekten  von  Blume  zu  Blume
getragen.  In  der  Mitte  der  Staubblätter  steht  der  Stempel.  Der  obere  Teil
des  Stempels  heißt  Narbe,  der  untere  Fruchtknoten.  Bei  den  meisten  Pflanzen
findet  sich  zwischen  Fruchtknoten  und  Narbe  noch  der  Griffel  oder  Staubweg.  Bei
der  Tulpe  fehlt  er.  Die  Narbe  sitzt  unmittelbar  auf  dem  großen  Fruchtknoten.
Auf  der  Narbe  befindet  sich  eine  klebrige  Flüssigkeit,  die  den  Blütenstaub  festhält.
Dieser  Staub  treibt  hier  kleine  Schläuche,  die  in  den  Fruchtknoten  hineinwachsen
und  dort  die  Ausbildung  des  Samens  bewirken.  (S.  174.)  Duft  hat  die  Tulpenblüte
nicht,  sie  hat  ihn  auch  nicht  nötig,  da  ihre  Farben  für  die  Insekten  weithin  leuchten.

4.  Geschichtliches.  Die  Tulpe  stammt  aus  Persien.  Vor  etwa  400  Jahren
kam  sie  nach  Europa  und  wurde  später  mit  Vorliebe  in  Holland  gezogen.  Bald
fing  man  hier  einen  großartigen  Handel  mit  den  Zwiebeln  an.  Die  seltenern
Arten  wurden  sehr  teuer  bezahlt,  und  jedermann  war  bemüht,  solche  zu  züchten
und  in  den  Handel  zu  bringen.  Für  den  Verkauf  der  Tulpenzwiebeln  wurden
besondere  Markttage  festgesetzt,  und  Grafen  und  Handwerker,  Kaufleute  und
Tagelöhner  kauften  und  verkauften  sie.  Die  Preise  der  bessern  Sorten  waren
unglaublich  hoch;  eine  einzige  Zwiebel  wurde  zuweilen  mit  10—20000  bezahlt.
  Doch  nicht  lange  dauerte  dieser  „Tulpenschwindel“.  Ebenso  schnell,  wie
die  Tulpe  im  Preise  gestiegen  war,  sank  sie  wieder  herab.  Die  Stadt  Haarlem
aber  hat  die  Tulpenzucht  beibehalten  und  bringt  noch  heute  viele  Zwiebeln,
jedoch  zu  mäßigen  Preisen,  in  den  Handel.

11.  Selbstbestäubung,  Fremdbestäubung  und  Krenzung.

Man  nimmt  gewöhnlich  an,  daß  der  Blütenstaub  auf  die  Narbe  derselben
Blüte  fällt  und  so  die  Befruchtung  bewirkt  wird.  (Selbstbestäubung.)  Allein  dies
ist  häufig  nicht  der  Fall.  Bei  den  meisten  Pflanzen  findet  eine  Befruchtung  nur
dann  statt,  wenn  der  Blütenstaub  auf  die  Narbe  einer  andern  Blüte  gelangt.  Diese
Art  der  Befruchtung  heißt  Fremdbestäubung.  Sie  wird  entweder  vom  Winde,  von
den  Insekten  oder  auch  künstlich  (vom  Gärtner)  besorgt.  Man  kann  einen  solchen
künstlichen  Versuch  leicht  an  2  Tulpen  in  verschiedenen  Töpfen  und  Zimmern  ausführen.
  Zur  Blütezeit  streicht  man  nämlich  mit  einem  Pinsel  den  Blütenstaub
einer  Tulpe  auf  die  Narbe  derselben  Blüte,  sodann  auf  die  der  andern.  Letztere
Pflanze  allein  erzeugt  keimfähigen  Samen,  erstere  nur  tauben.  Findet  die  Fremdbestäubung
  zwischen  zwei  ungleichen  Arten  statt,  z.  B.  zwischen  rankenden  und  nicht
rankenden  Bohnen,  so  heißt  sie  Kreuzung.  Durch  die  Kreuzung  werden  nicht  bloß
kräftigere  Pflanzen,  sondern  auch  farbenreichere  Blüten  erzeugt.  Das  Stiefmütterchen
unfrer  Gärten  ist  dafür  der  beste  Beweis.  Bis  zum  Jahre  1810  war  es  in  seiner
jetzigen  Pracht  unbekannt,  es  wuchs  nur  auf  dem  Felde.  Da  erwählte  es  eine
junge  Engländerin  zu  ihrer  Lieblingsblume  und  verpflanzte  es  in  ihren  Garten.
Ihr  Gärtner  nahm  sich  des  Blümchens  an,  und  durch  Pflege  des  Bodens  und
durch  Kreuzungsversuche  gelang  es  ihm  bald,  die  prächtigsten  Arten  zu  gewinnen.

12.  Der  Kirschbaum.

1.  Blüte.  Betrachte  eine  Kirschblütel  Der  Blütenstiel  ist  oben  wie  ein  Kelch
erweitert.  Diese  Erweiterung  heißt  Blüten-  oder  Fruchtboden,  weil  darauf  die
Blüte  und  die  Frucht  ruht.  Am  Rande  dieses  Bodens  stehen  Kelch-,  Blüten=  und