—  181  —

Bedeutung.  Eine  im  Dunkeln  keimende  Kartoffel  erzeugt  kein  Blattgrün  und  erscheint
daher  fast  farblos  und  durchsichtig.  Im  Herbste  schrumpfen  die  Blattgrünkörner  zusammen
  und  nehmen  eine  gelbliche  Farbe  an.  Auch  füllen  sich  viele  Zellen  mit  einem
roten  Safte,  und  so  entstehen  im  Herbste  der  bunte  Farbenschmuck  der  Blätter  und
die  roten  Bäckchen  der  Apfel  und  Birnen.  Der  Farbenschmuck  der  Blüten  hat  verschiedene
  Ursachen.  Meist  rührt  er  daher,  daß  sich  das  Blattgrün  chemisch  verändert.

22.  Das  Wiesenschaumkraut.

1.  Kuckucksspeichel.  Ihren  Namen  hat  die  Pflanze  von  dem  sogenannten
„Kuckucksspeichel“,  der  sich  nicht  selten  an  ihr  findet.  Kinder  pflegen  zu  sagen,
der  Kuckuck  habe  ihn  an  die  Pflanze  gespieen.  Bei  näherer  Untersuchung  jedoch
finden  wir  fast  regelmäßig  unter  dem  Schaume  ein  kleines,  hellgrau  gefärbtes
Tierchen  verborgen.  Das  ist  die  Larve  der  Schaumzirpe.  Das  Weibchen  dieses
Insekts  legt  nämlich  im  Herbste  seine  Eier  in  den  Erdboden,  in  Baumritzen  u.  s.  w.
Im  April  schlüpfen  die  Larven  aus,  kriechen  an  verschiedenen  Pflanzen  empor  und
umgeben  sich  zu  ihrem  Schutze  mit  Schaum,  der  aus  den  Poren  ihres  Körpers
hervortritt.  Der  Schaum  schützt  sie  gegen  Sonnenstrahlen,  Vögel  u.  s.  w.

2.  Fiederblatt.  Das  Blatt  des  Wiesenschaumkrauts  erinnert  in  seiner  Gestalt
  an  eine  Feder.  Es  ist  aus  mehreren  Blättchen  zusammengesetzt.  Zu  beiden
Seiten  des  gemeinschaftlichen  Blattstiels  sind  links  und  rechts  kleine  Blättchen
eingelenkt,  die  man  Fiederblättchen  nennt.  Solche  Blätter  gewähren  den  Vorteil,
daß  sie  die  Sonnenstrahlen  leichter  auf  die  untern  durchlassen.  Die  obern  Blätter
sind  kleiner  als  die  untern  und  beschatten  diese  nicht  allzusehr.

3.  Pflanzenentwicklung  aus  einem  Blatte.  Legt  man  das  Endfiederblättchen
  eines  ältern  grundständigen  Blattes  aufs  Wasser,  so  bilden  sich  auf
diesem  Blättchen  nach  einigen  Wochen  kleine  Knospen.  Diese  bringen  zunächst
Wurzeln,  später  aber  auch  Stengel  und  Blätter  und  somit  vollständig  neue
Pflanzen  hervor.  Auf  diese  Weise  werden  überschwemmte  Wiesen  zuweilen  auf
weite  Strecken  mit  Wiesenschaumkraut  bedeckt.  (Auch  noch  andre  Pflanzen  vermehren
  sich  durch  Blätter,  namentlich  Schiefblattgewächse  (Begonien).  Stecke  ein
Blatt  davon  2  cm  tief  in  Heideerde  und  bedecke  es  mit  einer  Glasglocke!  Bald
treibt  es  Wurzeln  und  bildet  eine  neue  Pflanze.)

4.  Kreuzblüte.  Die  4  Blütenblätter  sind  ebenso  wie  die  4  Kelchblätter
kreuzförmig  gestellt.  Eine  solche  Blüte  wird  „Kreuzblüte“  genannt.  In  der
Blüte  stehen  6  Staubblätter,  vier  größere  und  zwei  kleinere.  Vorteil:  Der  Blütenstaub
  kann  leicht  von  den  Körperteilen  des  honigsuchenden  Insekts  gestreift  werden.

5.  Schote.  Aus  dem  langen  Fruchtknoten  entwickelt  sich  die  längliche
Frucht.  Sie  besteht  aus  zwei  schützenden  Schalen  und  einer  dünnhäutigen
Scheidewand,  woran  der  Same  sitzt.  Zur  Zeit  der  Reife  springen  die  Klappen
von  unten  nach  oben  auf  und  gestatten  den  Samen  den  Ausweg.  Man  nennt
eine  solche  Frucht  Schote.  (Vergl.  Erbse  S.  1901)

93.  Fette  Gle.

Zerquetsche  das  Samenkorn  des  Wiesenschaumkrauts  oder  des  Rapses  zwischen
Papier!  Das  Papier  wird  fettig.  In  dem  Samenkorne  ist  also  Fett  enthalten.
Dieses  Fett  nennt  man  Ol.  Zerdrücke  auch  eine  Erbse  oder  Linse  zwischen
Papier!  Es  wird  nicht  fettig.  Diese  Samen  enthalten  also  kein  Hl,  sondern
einen  andern  Stoff,  nämlich  Stärkemehl.  Jedes  Samenkörnchen  besitzt  einen
Vorrat  von  Nahrungsstoffen,  von  dem  sich  das  junge  Pflänzchen  in  den  ersten
Tagen  ernährt.  Dieser  Nahrungsvorrat  tritt  besonders  in  zweierlei  Form  auf,
entweder  als  Stärkemehl  oder  als  Ol.  Bohnen  und  Erbsen  haben  viel  Mehl;