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nun  das  Insekt  das  „Schnäbelchen“  mit  seinem  Kopfe  berührt,  springt  dieses
zurück,  und  plötzlich  sitzen  die  Pollenmassen  mit  den  Klebscheibchen  auf  den  Augen
des  erstaunten  Insekts  fest.  Unwillig  fliegt  es  zur  Blüte  einer  andern  Pflanze.
Unterwegs  biegen  sich  die  anfangs  senkrecht  stehenden  Stielchen  der  beiden  Pollenkörper
  von  selbst  wagerecht,  und  so  stößt  die  Fliege  mit  ihnen  bei  der  nächsten
Blüte  an  die  Narbe  und  überträgt  auf  diese  den  Blütenstaub.

96.  Der  Storch.

1.  Ankunft.  Ein  häufiger  Gast  der  Wiese  ist  der  Storch.  „Hurra,  hurral
Der  Storch  ist  wieder  dal“  So  jubeln  die  Kinder,  wenn  sie  Ende  März  den
ersten  Klapperstorch  sehen.  Zuerst  stellt  sich  das  Männchen  ein  und  nimmt  das
vorjährige  Nest  mit  lautem  Schnabelgeklapper  in  Besitz.  Nach  einigen  Tagen
fliegt  es  wieder  fort,  kommt  aber  bald,  und  zwar  mit  seinem  Weibchen,  zurück.

2.  Auf  der  Froschjagd.  Vom  Scheunendache  begiebt  sich  der  Storch  auf
die  Wiese,  um  Frösche  zu  fangen.  Er  weiß  ganz  genau,  wann  es  bei  uns  wieder
Frösche  giebt,  und  nicht  eher  kommt  er,  als  bis  diese  aus  ihrem  Winterschlafe
erwacht  sind.  Zur  Froschjagd  ist  er  aber  auch  besonders  gut  ausgerüstet.  Die
langen,  roten  Beine  sind  am  Unterschenkel  nicht  befiedert.  Mit  ihnen  kann  er  bequem
durchs  hohe  Gras  und  durchs  Wasser  waten.  Man  nennt  sie  daher  Watbeine.  Die
äußere  und  die  mittlere  Vorderzehe  sind  am  Grunde  durch  eine  Spannhaut  verbunden,
  wodurch  das  zu  tiefe  Einsinken  in  den  Sumpf  verhindert  wird.  Der
lange  Schnabel  ist  sein  Spieß  und  seine  Zange;  mit  ihm  kann  er  den  Frosch  leicht
aus  dem  tiefen  Sumpfe  hervorholen.  Will  der  Frosch  aber  weghüpfen,  so  reckt
der  Storch  schnell  seinen  langen  Hals  gerade  aus,  und  bald  hat  er  den  Flüchtling
eingeholt.  Gewahrt  er  auf  seiner  Jagd  etwas  Ungewöhnliches,  so  steht  er  plötzlich
  still  auf  einem  Beine  und  reckt  den  Kopf  forschend  in  die  Höhe.  Minutenlang
vermag  er  in  dieser  Stellung  zu  verweilen.  Droht  ihm  Gefahr,  so  macht  er  einige
Sprünge  und  erhebt  sich  in  die  Luft.  Beim  Fliegen  hat  er  seine  Beine  nach  hinten
gestreckt  und  bedient  sich  ihrer  —  da  sein  Schwanz  sehr  kurz  ist  —  als  Steuer.

3.  Nutzen  und  Schaden.  Der  Storch  bringt  zwar  mancherlei  Nutzen,
indem  er  allerlei  schädliche  Tiere  fängt,  z.  B.  Mäuse,  Kreuzottern  u.  s.  w.  Aber
leider  richtet  er  auch  mancherlei  Schaden  an;  denn  er  macht  auch  Jagd  auf  sehr
viele  nützliche  Tiere.  Er  ist  sogar  ein  arger  Räuber.  Findet  er  auf  der  Wiese
oder  im  Felde  Vogelnester,  so  frißt  er  Eier  und  Junge.  Seinen  Jungen
schleppt  er  ganze  Vogelnester  zu.  Das  junge  Häschen  nimmt  er  der  Alten  weg,
und  mag  sich  diese  noch  so  mutig  dagegen  wehren.  Die  Maulwürfe  spießt  er,
wenn  sie  aufstoßen.  Er  geht  ins  Wasser  und  fängt  sich  dort  handlange  Fische.
Auch  frißt  er  Eidechsen,  Blindschleichen  und  Ringelnattern.  Ebenso  fängt  er  dem
Imker  die  Bienen  auf  blumigen  Wiesen  weg.

4.  Sein  Nest  baut  der  Storch  gern  auf  einem  großen  Wagenrade,  das  ihm
der  Landmann  auf  den  First  des  Scheunendachs  gelegt  hat.  Bald  nach  seiner
Rückkehr  bessert  er  das  alte  Nest  aus  und  macht  darin  ein  weiches  Lager  zurecht.
  Dann  legt  die  Störchin  drei  bis  vier  weiße  Eier  und  brütet  sie  aus.  Nach
4  Wochen  kommen  die  Jungen  hervor.  Anfangs  werden  sie  mit  Regenwürmern,
Raupen,  Maden  u.  s.  w.  gefüttert;  später  aber  bekommen  sie  auch  Frösche.  Die
Beute  —  ebenso  wie  das  Trinkwasser  für  die  Jungen  —  schleppt  der  Storch
in  seinem  Kehlsacke  herbei.  Dieser  ist  oft  so  vollgepfropft,  daß  der  Schnabel
kaum  geschlossen  werden  kann.  Wahrhaft  rührend  ist  die  Liebe  der  Alten  zu  den
Jungen.  Einst  brannte  das  Scheunendach,  auf  dem  ein  Storchnest  mit  Jungen
saß.  Da  flog  die  Störchin  herbei  und  umkreiste  ängstlich  das  Nest,  bis  sie
zuletzt  selbst  von  den  Flammen  ergriffen  wurde  und  so  mit  den  Jungen  starb.